Morrissey

„Make-Up Is A Lie“

Warner (VÖ: 6.3.)

Banale Songs, aber immer noch fantastische Stimme.

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Plötzlich war es da, das neue Album von Morrissey – mit einem neuen Titel, ohne große Vorankündigung. Praktisch das Gegenteil von seiner Konzertpolitik: Da werden ständig langfristig Auftritte anberaumt, um dann mit allen möglichen Entschuldigungen wieder abgesagt zu werden. Als Entertainer und als Mensch ist Morrissey seit Langem umstritten, als Sänger war, ist und bleibt er grandios. Die Vorabsingle, „Make-Up Is A Lie“, ließ leider Schlimmes befürchten: Im Chorus wird ein Klischee einfach viermal wiederholt – das kann doch nicht sein Ernst sein.

Er ist weit oben

„Without Music The World Dies“ hätte dieses 14. Soloalbum einmal heißen sollen, doch Morrisseys Welt scheint längst untergegangen zu sein. Seine langjährigen Komplizen Jesse Tobias und Alain Whyte spielen mal hübsch, mal ordentlich krachig Gitarre, wirken beim Songwriting aber auch ratlos. Zum Auftakt singt Steven Patrick Morrissey, 66 Jahre alt, „You’re Right, It’s Time“, ein weiterer verworfener Albumtitel. Zeit wofür? „In search of wisdom/ So much wiser than my own/ I wanna let somebody love me/ If they can“, behauptet er mit dieser immer noch fantastischen Stimme, die Haken, Pirouetten und Schlaufen tanzen kann, von denen andere nur träumen können. Das schwermütige „Headache“ profitiert davon, das dramatische „Boulevard“ und die liebevolle Klavier-Hommage „Lester Bangs“ ebenso.

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Diese Stimme kann man nicht nicht lieben. Doch die Melodien bleiben schal, die Texte banal bis beknackt. In „Notre-Dame“ deutet er eine Verschwörung an („Notre-Dame, we know who tried to kill you“), zwischendurch covert er unnötigerweise „Amazona“ von Roxy Music, und „The Monsters Of Pig Alley“ platzt fast vor Pathos, führt allerdings ins Nichts. „The higher you climb, the less you find“, singt Morrissey. Er ist weit oben.

Diese Review erscheint im Rolling Stone Magazin 3/2026.