Harvey Weinsteins erstes Gefängnisinterview ist eine absolute Frechheit
„Ich weiß, dass ich einschüchternd und schwierig sein kann“, sagte der verurteilte Vergewaltiger dem Hollywood Reporter. „Aber das ist noch lange kein sexueller Übergriff.“
Harvey Weinstein hat bestritten, Frauen vergewaltigt zu haben, und sich für seinen Ehebruch entschuldigt – das sind nur zwei der Aussagen aus einem neuen Interview, das Maer Roshan vom Hollywood Reporter mit dem in Ungnade gefallenen Filmmogul auf Rikers Island geführt hat. Es ist Weinsteins erstes Interview aus der Haft.
In dem weitreichenden Gespräch mit dem THR bestritt Weinstein erneut, jemals Frauen sexuell belästigt zu haben, und behauptete, er habe sie möglicherweise „in die Irre geführt“. Reue zeigte er lediglich in Bezug auf seinen Ehebruch.
„Ich habe sie in die Irre geführt“, sagte er über seine Anklegerinnen. „Ich habe beide meiner Ehefrauen betrogen. Das ist unmoralisch. Aber ich habe sie nicht angegriffen. Das ist die große Lüge hinter alldem. Ich werde mich nicht für etwas entschuldigen, das ich nicht getan habe. Ich werde als unschuldig dastehen. Das verspreche ich Ihnen.“
Weinstein räumt „Machtgefälle“ ein
Obwohl er ein „Machtgefälle“ gegenüber seinen mutmaßlichen Opfern einräumte, blieb er bei seiner Ablehnung der Übergriffs-Vorwürfe. „Ich weiß, dass ich einschüchternd und schwierig sein kann. Aber das ist noch lange kein sexueller Übergriff. Übertriebenes Flirten, lächerliche Situationen. Schlechtes und dummes Verhalten. Ja“, sagte er. „Aber ich habe niemanden geschubst. Ich habe niemanden körperlich bewegt. Das habe ich nicht getan, Maer. Und ich habe Lügendetektortests abgelegt, um das zu beweisen.“
Auf die Frage, ob seine „strikten Geheimhaltungsvereinbarungen“ und die Beauftragung von Privatdetekteuren zur Überwachung seiner Anklegerinnen auf ein Fehlverhalten hindeuteten, antwortete er: „Ja, aber das Falsche, das ich tat, war kein sexueller Übergriff. Es war der Ehebruch. Ich war verzweifelt darauf aus, das vor meiner Frau geheim zu halten. Ich wollte nicht, dass Disney davon erfährt. Und ich habe alles getan, um mich vor diesem Skandal zu schützen.“
Neben dem Bestreiten der Übergriffs-Vorwürfe behauptete er außerdem, nie jemandem die Karriere ruiniert zu haben. Im Zusammenhang mit seiner einst „guten Freundin“ Gwyneth Paltrow, die sich offen über sein Verhalten geäußert hatte, behauptete er, sie habe „Teil des Clubs sein wollen“ – womit er nach eigener Aussage auch Rosanna Arquette und Angelina Jolie meinte, die „übertrieben“ hätten. Er fügte hinzu: „Und sie haben mich zerstört.“ Über Paltrow behauptete er, sie habe „so ein Theater um nichts gemacht. Ich bin nach einem netten Meeting mit ihr gegangen und habe gesagt: ‚Wie wäre es mit einer Massage?‘ Und sie sagte nur: ‚Nein, ich glaube nicht.‘ Ich habe die Botschaft verstanden.“
Sein „fataler Fehler“
Was seinen „fatalen Fehler“ betrifft, räumte er ein: „Ich habe meine Grenzen überschritten. Das steht fest. Ich konnte ein schrecklicher Tyrann sein. Ich habe Macht auf arrogante Weise eingesetzt. Und ich war aufdringlich und beharrlich, und das tut mir sehr leid. Ich schäme mich für dieses Verhalten und erkenne es jetzt auf eine Weise, die ich früher nicht konnte.“
Knapp 100 Frauen haben Weinstein sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen. Er steht im nächsten Monat in New York vor einem erneuten Prozess im Zusammenhang mit den Vorwürfen der Schauspielerin Jessica Mann. Im Juni 2025 befand ein New Yorker Geschworenengericht Weinstein in seinem Wiederaufnahmeverfahren in einem Anklagepunkt wegen einer kriminellen Sexualhandlung für schuldig. In einem weiteren Anklagepunkt wegen einer kriminellen Sexualhandlung wurde er freigesprochen. In einem dritten Anklagepunkt der Vergewaltigung konnte die Jury kein Urteil fällen, was zu einem Fehlurteil führte. Im ursprünglichen Verfahren von 2020 war Weinstein wegen eines Sexualverbrechens als Schwerverbrechen sowie wegen Vergewaltigung dritten Grades verurteilt worden. Er wurde zu 23 Jahren Gefängnis verurteilt. Im Jahr 2024 hob ein Berufungsgericht das Urteil auf.
In seinem Prozess von 2022 in Los Angeles befand ihn eine Jury der Stadt in einem Anklagepunkt der Vergewaltigung und zwei Anklagepunkten des sexuellen Übergriffs schuldig – er hatte sich während eines Filmfestivals im Februar 2013 gewaltsam Zugang zu ihrem Hotelzimmer in Los Angeles verschafft und sich an einer italienischen Schauspielerin vergangen.