Voodoo Jürgens

„Gschnas“

Lotterlabel (VÖ: 20.3.)

Felix Austria: Große Melancholie von David Öllerer.

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Die Zeiten, in denen man sich Voodoo Jürgens als ewigen Beislhocker vorstellen durfte, als Loser mit viel Schmäh und pittoresker Zirkusmusik im Gepäck, sind vorbei. Ja, ein bisschen schade ist das schon, aber anscheinend sind zu viele Nachahmer aufgesprungen und damit hausieren gegangen. Das gekonnt torkelnde „Taxitänzer“ erinnert noch an den Bier- und Zigarettendunst früherer Alben – aber auch an die Mardi-Gras-Musik von Dr. John: „Ich bin da Harry, Taxitänzer, a Vasprechen fia a Nocht. A klaans Vagnügn, ned übertrieben, dafia bin i do.“ Der Schmäh in den Texten, die unbändige Spielfreude der Ansa Panier und vor allem Songs, deren Melancholie einen überallhin trägt – alles noch da. Nur subtiler und weltgewandter, die Bläser-Arrangements sind fantastisch. David Öllerer ist in Österreich längst so etwas wie ein Popstar.

Der beste deutschsprachige Pop wird derzeit in Wien gemacht

Für Adrian Goigingers „Rickerl“ gewann er letztes Jahr sogar den Österreichischen Filmpreis als bester Hauptdarsteller. „Gschnas“ zeigt nun, dass da noch mehr geht an Musikalität und textlicher Tiefe. „Somnambulen“ – „da Dottermond rinnt über uns aus“ – ist mysteriös und geheimnisvoll. „Langsam wirst ma fremd“ erinnert schwerst an Bob Dylan und beschreibt dabei ebenso präzise wie poetisch, wie Freundschaften mitunter enden: „Ma lebt si ausanaunda, des kaunn schon passiern.“ Das Beiläufige kann mitunter sehr traurig sein.

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Nicht jeder Text des Albums ist für Piefkes komplett verständlich, aber das muss auch nicht sein, weil die Musik die unterschiedlichen, aber doch meist melancholischen Stimmungen perfekt transportiert. „De An und de Aundan“ weiß um die Ungerechtigkeit der Welt, und mit „Vaschwindn“ hat Voodoo Jürgens fast schon einen Austropop-Hit geschrieben. Der beste deutschsprachige Pop wird derzeit in Wien gemacht.