Wayne Perkins, Gitarrist, der fast den Rolling Stones beitrat, mit 74 gestorben
Der Gitarrist aus Alabama spielte auf Bob Marleys „Catch a Fire“ und Joni Mitchells „Court and Spark“ – und kam den Rolling Stones fast bei.
Wayne Perkins, ein Sessiongitarrist, der auf wegweisenden Alben von Joni Mitchell und Bob Marley and the Wailers spielte und dann nur haarscharf daran vorbeischrammte, sowohl den Rolling Stones als auch Lynyrd Skynyrd beizutreten, ist am Montag nach einem Schlaganfall gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.
„Für alle, die es noch nicht gehört haben: Wayne ist gestern friedlich von uns gegangen“, schrieb sein Bruder Dale auf Facebook. „Unsere Schwestern und weitere Familienmitglieder waren bei ihm. Wir sind dankbar für all die netten Gedanken und Erinnerungen. Er war einzigartig, und wir haben ihn sehr geliebt – danke euch allen.“
Perkins war in Gitarristenkreisen eine geachtete Figur, hätte aber 1975 beinahe den Sprung zum Rockstar geschafft: Eric Clapton empfahl ihn den Rolling Stones als Ersatz für Mick Taylor. Perkins flog nach München, wo die Band gerade die Songs für ihr 1976er Album „Black and Blue“ erarbeitete.
Fast ein Rolling Stone
„Eines meiner Ziele war immer, Leadgitarre bei den größten Rock-’n‘-Roll-Bands der Welt zu spielen“, sagte Perkins 1996 dem Los Angeles Daily News. „Als ich ankam, war das das Seltsamste – die spielten wie die schlechteste Garagenband, die ich je in meinem Leben gehört hatte. Ich kannte die Platten, aber live war ich nicht beeindruckt. Dann ging das richtige Licht im Studio an, und plötzlich passierte etwas Magisches. Von einem Moment auf den nächsten wurden sie von grauenhaft zu unglaublich.“
Perkins overdubte schließlich eine Slidegitarren-Spur auf „Fool to Cry“ und gehörte zum Kernkreis, der „Memory Motel“ und „Hand of Fate“ einspielte. Außerdem legte er ein starkes Gitarrensolo auf „Worried About You“ hin – doch der Track erschien erst 1981 auf „Tattoo You“.
Die Stones zogen während der „Black and Blue“-Sessions auch Harvey Mandel für den Job in Betracht, entschieden sich am Ende aber für Ronnie Wood von den Faces. „Wir mochten Perkins sehr“, schrieb Keith Richards in seiner 2010 erschienenen Autobiografie „Life“. „Er war ein toller Spieler, ähnlicher Stil, der nicht gegen das angeeckt wäre, was Mick Taylor gemacht hatte – sehr melodisch, sehr sauber gespielt. Es ging letztlich nicht ums Spielen. Es kam darauf an, dass Ronnie Engländer war! Und es ist nun mal eine englische Band, auch wenn man das heute vielleicht nicht mehr so denkt. Und wir fanden alle, dass wir die Nationalität der Band zu der Zeit bewahren sollten.“
Absage an Lynyrd Skynyrd
Gut ein Jahr später wurde ihm ein Platz bei Lynyrd Skynyrd angeboten – den er ablehnte. „Irgendwas hat sich für mich nicht richtig angefühlt“, sagte Perkins 2022 gegenüber Culture Sonar. „Ich habe sie im Dezember ’76 abgesagt, und der Flugzeugabsturz war im Oktober ’77. Daran denke ich hin und wieder. Ronnie [Van Zant] war einer meiner besten Freunde. Ich kannte alle Jungs in der Band und hätte eine Menge Geld verdient.“
Perkins wuchs in Birmingham, Alabama, auf und begann mit zwölf Jahren Gitarre zu spielen, inspiriert von James Burton und Chet Atkins. Kurz nachdem er die Highschool abgebrochen hatte, um sich ganz der Musik zu widmen, bekam er regelmäßige Arbeit im Muscle Shoals Sound Studio und spielte mit Künstlern wie Joe Cocker, Leon Russell und Jimmy Cliff. Die Musiker des Studios waren inoffiziell als die „Swampers“ bekannt – verewigt in den Lyrics von Skynyrds „Sweet Home Alabama“.
1973 lud Island-Records-Gründer Chris Blackwell Perkins zu den Aufnahmesessions von Bob Marley and the Wailers für „Catch a Fire“ ein. „So etwas hatte ich noch nie gespielt“, erzählte Perkins 2025 dem New American Journal. „Aber ich war schon mit einer Menge erfahrener Bluegrass-Musiker ins kalte Wasser geworfen worden, also konnte mich wirklich nichts mehr erschrecken.“
Marley, Mitchell und Muscle Shoals
Perkins spielte schließlich auf „Concrete Jungle“, „Baby We’ve Got a Date (Rock It Baby)“ und „Stir It Up“ – obwohl er zunächst nicht im Credit auftauchte. Jahre später schilderte Perkins seine stärkste Erinnerung an die Sessions: Marley sei „mit einem gut zwei Fuß langen Joint rausgestürmt und habe versucht, ihn mir den Hals runterzustopfen“.
Wenige Monate später holte Joni Mitchell Perkins ins Studio, während sie an „Court and Spark“ arbeitete. Er spielte E-Gitarre auf „Car on a Hill“.
Perkins blieb in den Achtzigern und Neunzigern musikalisch aktiv, auch als tiefgreifende Veränderungen in der Branche einen Großteil der Sessionarbeit austrockneten, die seine frühen Jahre geprägt hatte.
Humor über verpasste Chancen
Den Beinahe-Einstieg bei den Stones kommentierte er mit einem Augenzwinkern. „Hätte ich mich angeschlossen“, sagte er 2009, „wäre ich jetzt wahrscheinlich ein toter Millionär.“