„John hätte es geliebt“: JFK Jr.s engster Freund bricht sein Schweigen über „Love Story“

Billy Noonan war bei Johns und Carolyns Anfängen dabei, bei der Hochzeit – und bis zum bitteren Ende. Was er über die Ryan-Murphy-Serie zu sagen hat.

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Am Freitag, dem 16. Juli 1999, war John F. Kennedy Jr. auf dem Weg, den fünften Hochzeitstag eines seiner ältesten Freunde mitzufeiern. Die Pläne für das Wochenende hatten sich mehrfach geändert, doch schließlich war beschlossen worden, dass John, seine Frau Carolyn und ihre Schwester Lauren in einer einmotorigen Piper Saratoga – mit John am Steuer – zunächst Martha’s Vineyard anfliegen würden, um Lauren dort abzusetzen, bevor es weiter nach Hyannis Port gehen sollte, wo Noonan, seine Frau und einige andere Freunde mit einem Champagnertoast auf sie warteten. Am nächsten Tag wollte das Paar zur Hochzeit eines Familienmitglieds im Kennedy Compound fahren.

Die Noonans und ihre Freunde fuhren schließlich ohne John und Carolyn mit dem Boot los, als sich deren Ankunft verzögerte. Die Nacht war so dunstig, dass man keine Sterne sehen konnte und die Lichter an Land wie gedimmte Kerzen aus dem 18. Jahrhundert wirkten. Irgendwann in dieser Nacht stürzte das Flugzeug ab. Noonan verbrachte die nächsten Tage in Johns Haus in Hyannis Port, während die Fernsehkameras immer näher rückten und alle auf Nachrichten über die drei Vermissten warteten. Es war die Küstenwache, die Noonan schließlich mitteilte, dass die Suche nach John, Carolyn und Lauren keine Rettungsmission mehr sei – sondern eine Bergungsmission.

„Und es war nicht so schlimm, weil er ‚JFK Jr.‘ war – es war John“, sagt Noonan. „Es war mein engster Freund, und es war, als wäre meine Kindheit mit einem Schlag verschwunden.“

Ein alter Freund meldet sich

Anfang dieses Monats bekam ich eine Nachricht von Noonan. Wir hatten uns 2020 kennengelernt, als ich an meinem Buch „White House By the Sea“ über die Geschichte der Kennedy-Familie in Hyannis Port arbeitete. Noonan – wie viele Kennedy-Freunde und Nachbarn auf Cape Cod – spricht so gut wie nie mit der Presse. Die Familie lebt dort seit Generationen, und es gibt einen unausgesprochenen Pakt: Man redet nicht über die Nachbarn, egal ob man sie mag oder nicht. Aber Noonan, inzwischen 67, hatte all den Trubel um „Love Story: John F. Kennedy Jr. and Carolyn Bessette“ mitbekommen, sich ein paar Folgen angesehen – und wollte darüber reden.

Als er am Samstag von seinem Haus auf dem Cape aus anrief, wo er nach einer Karriere im Finanzbereich heute im Ruhestand lebt, hatte er die Serie vollständig gesehen und gerade die letzte Folge geschaut. Noonan war einer der 60 Gäste bei Johns und Carolyns Hochzeit auf Cumberland Island in Georgia – er war derjenige, der das Ganze für das Paar mit einer Handkamera auf Video festhielt. Er war bei den meisten großen Momenten der Serie dabei – und findet insgesamt, dass Ryan Murphys Team seine Freunde gut getroffen hat.

„Ich musste lachen. Manchmal war ich traurig“, sagt Noonan. „Ich dachte: ‚Oh Gott, daran erinnere ich mich.’“

Kindheitserinnerungen an John

Noonans früheste Erinnerungen an John sind die eines kleinen Jungen, der ihn mit seinem Vater durch Hyannis Port spazieren sah, eine Eistüte in der Hand, nachdem das Flugzeug des Präsidenten an Sommerwochenenden gelandet war. John wuchs in einem der drei Häuser des Kennedy Compound in Hyannis Port auf, umgeben von Tanten, Onkeln und Cousins. Noonans Familie fuhr seit den 1940er-Jahren dorthin, und er war eng mit Johns Cousin Timothy Shriver befreundet. Als Teenager und junge Erwachsene waren die drei Männer unzertrennlich.

„Es gibt sehr wenige Menschen auf der Welt, die John so gut kannten wie ich“, sagt Noonan, der 2006 das Buch „Forever Young: My Friendship with John F. Kennedy Jr.“ veröffentlichte und nach eigenen Angaben nicht für die FX-Serie konsultiert wurde. Als er das erste Mal von der Show hörte, dachte er: „Das wird Mist.“ Er wusste nichts über den Schöpfer Ryan Murphy, aber John sei ein so einzigartiger Mensch gewesen, dass es einfach keine Möglichkeit geben könne, ihn wirklich zu treffen. Doch schon von den ersten Bildern an war er überzeugt, dass er sich geirrt hatte.

„Sie haben sie und ihn richtig hinbekommen. Diese beiden Schauspieler, die sie gespielt haben – ich war wirklich froh, das zu sehen, weil sie so natürlich zusammen wirkten. Und wenn die beiden miteinander sprachen, klang es genau wie sie“, sagt Noonan. „Aber diese beiden standen in der Serie allein auf weiter Flur. Alle anderen Figuren wurden kläglich verfehlt, und ich fand es manchmal ziemlich grausam.“

Daryl Hannah und Jackie O.

Noonan sagt, er habe die Schauspielerin Daryl Hannah während der etwa fünf Jahre gekannt, in denen sie eine On-off-Beziehung mit John hatte. Sie hätte eigentlich im Juli 1994 zu Noonans Hochzeit kommen sollen, aber John erschien ohne sie. Als Noonan von seiner Hochzeitsreise zurückkam, häuften sich die Anrufe – wer war die mysteriöse Frau im Tanga, mit der John auf Fotos in den Zeitungen zu sehen war? Kurz darauf stellte John ihm Carolyn vor.

In „Love Story“ ist die Hannah-Figur selbstbezogen und anspruchsvoll – eine Art Kontrastfigur, die den Zuschauer dazu bringt, für Carolyn zu hoffen. Hannah hatte sich vor der Serie nie öffentlich über ihre Beziehung mit John geäußert. Doch kurz nach der Ausstrahlung veröffentlichte sie einen Gastbeitrag in der „New York Times“ mit dem Titel „How Can ‚Love Story‘ Get Away With This?“: „Es empört mich, dass ich mich überhaupt gegen eine Fernsehserie verteidigen muss“, schrieb sie. „Das sind keine kreativen Ausschmückungen von Persönlichkeiten. Es sind Behauptungen über Verhalten – und sie sind falsch.“

Noonan sagt, er habe die Hannah-Figur in der Serie nicht wiedererkannt. „Sie haben sie als diese beschränkte Hollywood-Blondine dargestellt, die Fremde zu John nach Hause bringt und Kokainpartys schmeißt“, sagt Noonan. „So war sie nicht. Daryl Hannah war messerscharf. Sie trank keinen Alkohol. Sie hasste Zigarettenrauch. Wenn jemand eine Zigarette anzündete, verließ sie den Raum. Sie sagte: Geh nach draußen. Ich war mit Daryl Hannah auf Grateful-Dead-Konzerten, wo um uns herum alle möglichen Drogen im Umlauf waren. Und sie hat nie eine davon angerührt.“

Auch die Figur der Jacqueline Kennedy Onassis war völlig daneben. Johns und Carolyns frühe Beziehung überschnitt sich mit der Krebsdiagnose und den letzten Lebensjahren der ehemaligen First Lady. In der Serie ist Onassis, gespielt von Naomi Watts, ganz in ihrer Vergangenheit im Weißen Haus gefangen.

„Am schwersten war Mrs. Onassis“, sagt Noonan, der Onassis seit seiner Kindheit kannte und sie gegen Ende ihres Lebens mit John in ihrer Wohnung an der Fifth Avenue besuchte. „Sie hatte mit dem Rauchen aufgehört, nachdem ihre Halbschwester Janet an Krebs erkrankt war, und sie trank nicht. Ich meine, ich habe vielleicht mal gesehen, wie sie beim Abendessen einen Schluck Wein trank, aber sie trank nicht wirklich. Und sie hat nie zurückgeschaut. In der Serie tanzt sie zu ‚Camelot‘, raucht eine Zigarette am Tisch und wälzt sich betrunken auf dem Boden. Ich konnte das kaum ansehen.“

Was die Serie falsch macht

Noonan hat noch weitere Kritikpunkte: Die Einrichtung von Johns Tribeca-Apartment stimmt nicht; es war nicht Calvin Klein, der John und Carolyn zusammenbrachte; das Paar hätte niemals bei Ethel auf dem Cape übernachtet, weil es ein eigenes Haus hatte; es gab keine Tafel, auf der man sich für das Frühstück in Hyannis Port eintragen musste („Diese ganze Kreidetafel-Geschichte? Totaler Unsinn“); und die Ethel-Figur war viel zu steif und förmlich.

Aber die wesentlichen Dinge über John und Carolyn fühlten sich weitgehend vertraut an. Vor allem die Hochzeit. (Noonans Videoaufnahmen von der Hochzeit wurden später zu dem Dokumentarfilm „JFK Jr. & Carolyn’s Wedding: The Lost Tapes“ verarbeitet.) „Ich meine, es war surreal“, sagt er. „Das Besondere an diesem merkwürdigen Ort [Cumberland Island] war, dass man die Liebe in der Luft spüren konnte. Sie lag so schwer darin wie die Luftfeuchtigkeit.“

Und auch die schwierigen Zeiten nach der Hochzeit trafen einen Nerv. Die Serie zeigt, welche Qual der Medienrummel für Carolyn bedeutete und wie er ihre Ehe an den Rand des Zusammenbruchs brachte.

„Sie hing den ganzen Tag zu Hause herum, telefonierte und rauchte Zigaretten“, erinnert sich Noonan. „Sie hat mir einmal erzählt, dass [die Paparazzi] sie beim Gehen auf der Straße fotografierten, rückwärts liefen und dabei eine Frau mit ihrem Baby umrannten. Das Baby fiel hin, und die Fotografen sagten: ‚Scheiß drauf. Halt die Klappe, mach Platz. Wir sind wegen der Fotos hier.‘ Ich weiß nicht, ob Sie je in der Nähe von Paparazzi waren, aber man fühlt sich gejagt. Man fühlt sich verfolgt. … Ich glaube nicht, dass die Presse sie je gemocht hat. Und ich glaube, sie haben ihr das Leben zur Hölle gemacht. Und ich glaube, sie wollten sie paranoid machen, isolieren und von John entfremden.“

Die letzten Worte seines Freundes

In den letzten Folgen der Serie streiten John und Carolyn ständig, leben getrennt und versuchen, ihre Probleme mit einem Therapeuten zu lösen. Das alles stimme, sagt Noonan. Das Paar kämpfte damals auch mit der Krebsdiagnose von Johns Cousin Anthony Radziwill. Sie fuhren so oft wie möglich nach Martha’s Vineyard, um Zeit mit ihm zu verbringen.

„Die letzten drei Dinge, die John mir sagte, waren: ‚Hör mal, du und ich müssen reden, was wir wegen Anthony tun‘, weil Anthony im Sterben lag. Und: ‚Ich werde das Magazin „George“ ins Internet bringen‘, was ich damals nicht verstand, was aber brillant gewesen wäre. Und das Dritte war, er meinte: ‚Ich werde hier [in New York] für den Senat kandidieren‘, und er müsste gegen Hillary [Clinton] antreten.“

Genug Zeit ist vergangen, dass das Ansehen der letzten Folge – der Absturz und seine Folgen – für Noonan nicht mehr schmerzhaft war. Insgesamt freut er sich, dass die Serie dazu bringt, wieder über seinen Freund zu reden, und dass eine ganz neue Generation erfährt, wer er war. Obwohl Johns Neffe Jack Schlossberg die Serie als „groteskes Spektakel“ bezeichnet hat, das auf Kosten seiner Familie Profit macht, sieht Noonan das anders.

„[John] hätte gelacht“, sagt er. „Ich meine, wir hätten uns beim Zuschauen kaputtgelacht.“

Über den Hype rund um die Show, die Scharen von Menschen, die sich wie John und Carolyn kleiden wollen, sagt Noonan: „Ich finde das richtig cool – die Kids, die mit Sonnenbrillen und rückwärts aufgesetzten Mützen rumlaufen – das ist zum Schießen. John hätte das auch geliebt.“

Kate Storey schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil