The Claypool Lennon Delirium
„The Great Parrot-Ox And The Golden Egg Of Empathy“
ATO (VÖ: 1.5.)
Les Claypool und Sean Lennon halluzinieren.
Das muss bitte unter uns bleiben, aber es gab eine Zeit, da habe ich ganz gern Prog-Bands wie Gentle Giant oder Yes gehört. Ist länger her, ich war noch jung und leicht zu beeindrucken. 2006, vor der Veröffentlichung des schönen Albums „Friendly Fire“, habe ich auch Sean Lennon mal getroffen, und wenn mich nicht alles täuscht, befand sich in meinem Plattenregal lange Zeit sogar „Frizzle Fry“ von Primus. Das ist aber lange noch kein Grund, die überkandidelten Frickeleien des Claypool Lennon Deliriums zu mögen. Die gemeinsame Band von Les Claypool und Sean Lennon ist auf eine übertrainierte Weise dem Psychedelischen zugetan. Wo andere nur höher und weiter wollen, kommt hier noch ein falsch verstandener Sinn fürs virtuos Schrullige hinzu.
„WAP“ arbeitet sich noch an einem Abklatsch der „Sergeant Pepper“-Beatles ab, doch Claypools nervöser Daumen begrabbelt schon hier unaufhörlich die Bass-Saiten, tappt darauf herum, bis man ganz nervös wird. „Meat Machines“ beginnt mit sakralen Sounds und Gesängen, schunkelt dann in poppige Lennon-Gewässer. „Troll Bait“ kommt direkt aus der Höhle des Bergkönigs, stampfend, ein bisschen zickig und mit viel Stop and Go. Aber wo will er hin, der kleine Trollköder? Hoppla, jetzt stolpert er über ein paar Percussion-Effekte und wird dazu noch von einem Gitarrensolo abgelenkt! Der Refrain von „Mantra Of The Manatee“ erinnert an ein Ripoff eines Kinks-Songs, entwickelt sich dann aber in Richtung esoterisches Gegniedel. Keine Frage, manche werden genau dieses stilistisch unruhige Hinundhergehüpfe mögen. Für mich klingt es wie kunstgewerbliche Zaubertricks in einem Zirkus der Träume. Just like punk never happened.