Broken Social Scene

„Remember The Humans“ – Vielstimmig

City Slang (VÖ: 8.5.)

Leistungsschau: Oh, wie schön ist das Indie-Pop-Land Kanada!

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Wo soll man anfangen bei diesem sensationellen Album? Vielleicht bei „Hey Amanda“, das so betörend flimmernd und wackelig das Drama jugendlicher Selbstfindung aus der Perspektive der Verständnislosen erzählt, wenn Kevin Drew, Leslie Feist, Lisa Lobsinger und Hannah Georgas im Chor fragen: „Hey Amanda/ Why’d you go and cut your hair again?“ Bei „Relief“, das einen erst mit Melodieschnipseln und Loops wunderbar schwindelig spielt, um sich dann in einen Four-on-the-Floor-Disco-Hit zu verwandeln? Oder bei „Not Around Anymore“, das dieses Album eröffnet und bei dem ein aus einem Choral geborgter Bläsersatz so unwiderstehlich mit einem verschleppten Groove flirtet, dass man sich Hals über Kopf in dieses Album verliebt und sich schon nach fünf Takten sicher ist, dass man von nun an viel Zeit mit ihm verbringen will?

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„Remember The Humans“ ist eine Art Leistungsschau des Indie-Pop-Lands Kanada, ein Album, auf dem Broken Social Scene beweisen, dass es eine der großen Ungerechtigkeiten der Popgeschichte ist, dass dieses quirlige Kollektiv aus Toronto bisher meistens im Schatten von Arcade Fire stand. Neun Jahre nach „Hug Of Thunder“ liefern BSS ein vielstimmiges, pompös-filigran orchestriertes Meisterwerk voller überraschender Klangfarben, Soundschichten und Bedeutungsebenen ab. Einzigartig arrangierte Bläser mäandern durch das verträumte „And I Think Of You“ oder den Dance-Track „The Call“, ein Bass nimmt raffiniert ein Motiv aus der TripHop-Fantasie „The Briefest Kiss“ mit ins zartbittere „Life Within The Ground“, es gibt Springsteen-Momente („Paying For Your Love“) und Songs, die Feist (das impressionistische „What Happens Next“) und Hannah Georgas (die Pop-Kostbarkeit „Only The Good I Keep“) zu ihren eigenen machen. Ein Album für die Jahresbestenlisten!