Tony Wilson, Bassist und Songwriter von Hot Chocolate, mit 89 Jahren gestorben
Der Musiker schrieb „You Sexy Thing“, „Emma“, „Brother Louie“ und weitere Hits für die Band
Tony Wilson, ehemaliger Bassist und Sänger von Hot Chocolate, der den Hit „You Sexy Thing“ mitschrieb und mit „I Like Your Style“ einen Soloerfolg landete, ist am Freitag in seinem Haus in Trinidad gestorben – das berichtet die BBC. Eine Todesursache wurde nicht genannt. Er wurde 89 Jahre alt.
„Worte können meiner Bewunderung für ihn als Mensch nicht gerecht werden, auch nicht seiner Entschlossenheit, den Songs, die er schrieb, ein Publikum zu verschaffen“, schrieb sein Sohn Danny auf Facebook. „Erst als meine Mutter alte Tagebücher von ihm aus den Jahren 1970 und 71 herausholte, wurde mir klar, wie hart er arbeiten musste, um diesen Traum zu verwirklichen.“
Wilsons Vermächtnis liegt in der Verschmelzung von Soul, Disco, Reggae und Funk, die das Fundament der multikulturellen Hits von Hot Chocolate bildete. Der erste Hit der Band, „Love Is Life“, klang gleichzeitig nach Reggae, Dancemusic und Rock – für 1970 eine bemerkenswerte Leistung. Den Höhepunkt erreichte dieser Sound mit dem unwiderstehlich eingängigen „You Sexy Thing“.
Karriere in Trinidad und London
Wilson wurde in Trinidad geboren und spielte sich durch Gruppen wie the Flames, the Souvenirs und the Corduroys. Hot Chocolate, deren Wurzeln sowohl in der Karibik als auch in Großbritannien lagen, gründete sich Ende der Sechziger in London und fand mit einer Reggae-getränkten Version von John Lennons „Give Peace a Chance“ zu sich selbst – die sie Lennon direkt schickten. „Erstaunlicherweise bekam ich eine Woche später einen Anruf, dass John Lennon die Aufnahme gut fand und die Band beim Apple-Label unter Vertrag nehmen wollte“, sagte Brown 2009 gegenüber der BBC. „So fingen wir an.“
Der Song erschien 1969 unter dem Namen Hot Chocolate Band über das Apple-Label der Beatles. Die B-Seite war „Living Without Tomorrow“, die erste gemeinsame Komposition des in Jamaika geborenen Sängers Errol Brown und Wilson. Wilson war für beide Seiten als Produzent angegeben. Keiner der Songs schaffte es in die Charts, doch die Folgesingle „Love Is Life“ aus dem Jahr 1970 erreichte in Großbritannien Platz 6. Im selben Jahr nahm Produzent Mickie Most einen Brown-Wilson-Song namens „Bet Yer Life I Do“ mit Herman’s Hermits auf – und wollte danach unbedingt mit Hot Chocolate arbeiten.
Innerhalb weniger Jahre wurden sie zu einer der ersten schwarzen britischen Bands, deren Songs in den USA zu Hits wurden. 1973 wurde ihr „Brother Louie“, der in England die Top 10 erreicht hatte, auch in den USA ein Erfolg, als Stories mit Sänger Ian Lloyd eine eigene Version aufnahmen. Das Debütalbum „Cicero Park“ erschien 1974, und die Auskopplung „Emma“ stieg in den USA auf Platz acht. Das auf demselben Album enthaltene „Disco Queen“ wurde im darauffolgenden Jahr ebenfalls ein Hit.
„You Sexy Thing“ und der Durchbruch
Ihr nächstes Album „Hot Chocolate“ war noch erfolgreicher – dank „You Sexy Thing“, das Wilson gemeinsam mit Brown schrieb und das Hit-Garant Mickie Most produzierte. Mit einer federnden Gitarrenlinie, ausdrucksstarken Streicherarrangements und Browns geschmeidiger Stimme kletterte der Song in Großbritannien auf Platz zwei und in den USA auf Platz drei, wo er mit Gold ausgezeichnet wurde. Jahrzehnte später erlebte der Song eine zweite und dritte Karriere, als er auf den Soundtracks von „Boogie Nights“, „The Full Monty“ und in einem Burger-King-Werbespot auftauchte.
Noch im selben Jahr verließ Wilson die Gruppe und meldete sich 1976 mit dem Soloalbum „I Like Your Style“ zurück. Es folgten zwei weitere Alben – „Catch One“ (1979) und „Walking the Highwire“ (1988) –, doch an die Erfolge mit Hot Chocolate, die ohne ihn weiter Hits produzierte, kam er nie wieder heran. Ein Wilson-Song, „Everyone Can Rock and Roll“, wurde zum Titeltrack von Bill Haley and the Comets‘ letztem Album.
Brown sagte 1998 gegenüber „The Independent“, er glaube, Wilson habe Groll darüber empfunden, wie Produzent Most Brown als Leadsänger in den Vordergrund gerückt hatte – eine Rolle, die ursprünglich Wilson innegehabt hatte. „Tony und ich haben den Kontakt verloren“, sagte er damals. „Aber ich werde ihm immer dankbar sein, dass er den Samen gesetzt und mir geholfen hat, mich selbst zu finden. Ich verstehe seine Frustration, und so kann ich heute mit Wärme zurückblicken.“ Als Brown 2015 starb, würdigte Wilson ihn öffentlich und sprach seiner Familie auf Facebook sein „aufrichtiges Beileid“ aus.
Wilsons musikalisches Erbe
Die Songs, die Wilson gemeinsam mit Hot Chocolate schrieb, wurden von Künstlern aus den unterschiedlichsten Genres gecovert – darunter the Sisters of Mercy, Roy Ayers und April Wine.