Die besten Yacht-Rock-Gitarrensoli – von „Reelin‘ in the Years“ bis „Baby Come Back“

Jess Besack, die den Yacht-Rock-Kanal bei SiriusXM ins Leben gerufen hat, führt uns durch die Klassiker des Genres.

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Yacht Rock stach vor über 50 Jahren erstmals in See – und der Sound wird seither immer größer. Diese ganz eigene Art von Soft Rock, am besten mit einem Piña Colada und einem Liegestuhl am Pool genossen, erlebte seinen Höhepunkt in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern. Einen offiziellen Namen bekam das Genre allerdings erst Mitte der 2000er-Jahre, als eine Webserie den luftig-leichten Hits von Steely Dan, Gerry Rafferty und den Doobie Brothers längst überfällige Anerkennung zollte. 2015 startete SiriusXM einen offiziellen Yacht-Rock-Kanal – auf Initiative von Jess Besack, Senior Director of Music Programming and Special Projects.

„Ich bin nicht mit Yacht Rock aufgewachsen, aber er lag in der Luft, so wie es bei diesen langlebigen Hits immer der Fall ist – die sickern irgendwann ins Gehirn“, sagt Besack zu ROLLING STONE. „Diese Songs hängen alle so eng miteinander zusammen. Sie teilen diese Geschmeidigkeit, diesen Groove. Es ist eine sehr entspannte Musik. Und dann steckt da noch dieser eingebaute Humor drin, der einfach großartig ist. Das Ganze war schon immer von echter Zuneigung getragen – es macht sich nicht lustig.“

Elf Jahre später läuft der Kanal noch immer auf Hochtouren. Die Sirius-App bietet Ableger wie Yacht Soul (wo Al Roker die Yacht Soul Sundays moderiert), Yacht Country und Yacht Rock Deep Cuts. Besack betreut außerdem Kanäle für U2, Kelly Clarkson und den sanften Pop der späten Achtziger und frühen Neunziger – dieser Kanal heißt natürlich Mom Jeans. Doch Yacht Rock hat etwas Besonderes. „Der Appeal zieht sich durch alle Generationen“, sagt Besack. „Es gibt die Leute, die wirklich mit dieser Musik aufgewachsen sind und echte Fans der ersten Stunde sind – die können da ziemlich puristisch sein. Dann gibt es Leute wie meine Generation, die das über die YouTube-Videos entdeckt haben. Und es werden immer noch jüngere und jüngere Leute, die damit anfangen.“

Gitarrensoli im Überblick

Passend zu ROLLING STONEs neuer Liste der besten Gitarrensoli aller Zeiten haben wir Besack gebeten, ihre liebsten Yacht-Rock-Soli vorzustellen. „Das größte Gitarrensolo im Yacht Rock ist das Saxofon-Solo in ‚Baker Street’“, scherzt sie. „Ich möchte, dass das irgendwo verewigt wird.“

Steely Dan, „Peg“: Solo von Jay Graydon (1977)

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In all diesen Yacht-Rock-Songs stecken so viele Schichten präziser Arbeit. Alle Tracks, die ich ausgewählt habe, sind so virtuos und so unglaublich – und sie nehmen dem Rest des Songs nichts weg. „Peg“ – mein Gott, man könnte allein über den Gesang oder die Tonart eine Miniserie drehen. Und dann gibt es dieses Gitarrensolo von Jay Graydon. Ein Großteil des Yacht-Rock-Katalogs stammt von diesen unglaublichen Sessionmusikern, die auf den Platten verschiedenster Bands zu hören sind. Deren Namen kennt man nicht so gut wie einen Donald Fagen oder so. Aber ihnen etwas Rampenlicht zu gönnen, ist eine gute Idee. Ich will ein „Standing in the Shadows of Motown“ – aber für Yacht Rock.

Steely Dan, „Reelin‘ in the Years“: Solo von Elliott Randall (1972)

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Kann man sagen, dass es zwei Gitarrensoli gibt? Denn der Song beginnt bereits mit einem. Das Solo in der Mitte des Songs bekommt viel Liebe und Aufmerksamkeit. Aber ich persönlich liebe es, gleich zu Beginn eins auf die Zwölf zu kriegen. Es unterscheidet sich ein bisschen von den anderen Songs, die ich ausgewählt habe, bei denen ich dachte: „Oh, [das Solo] fügt sich ein. Es funktioniert als Teil des Ganzen.“ Bei „Reelin‘ in the Years“ hingegen kommt das Gitarrensolo mit voller Wucht aus den Startblöcken. Das ist fast eine Anti-Yacht-Rock-Art, einen Song zu beginnen. Aber es ist Steely Dan. Die machen ihre eigenen Regeln.

Player, „Baby Come Back“: Solo von Peter Beckett (1977)

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Das Solo in „Baby Come Back“ ist groovy und dramatisch. Es ist so eines, bei dem man sich dabei ertappt, mitzusingen – was immer ein gutes Zeichen ist. Bei vielen hochvirtuosen Gitarrensoli kann man das nicht. Aber bei den Yacht-Rock-Soli findet man sich fast dabei wieder, sie zu karaoken.

Gerry Rafferty, „Right Down the Line“: Solo von Hugh Burns (1978)

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Gerry Rafferty ist einfach cool. Er versucht nicht zu viel. Es gibt nichts Angeberisches, und trotzdem fügt das Solo so viel hinzu – man denkt sich nur: „Ugh, hör dir das an!“ Man bemerkt es fast gar nicht, bis man plötzlich merkt: „Oh Gott, ich muss jetzt wirklich auf die Gitarre achten.“

Und das ist Hugh Burns. Ich glaube, das sagt viel darüber aus, wie außergewöhnlich diese Musiker sind. Die Gitarrensoli tragen zum fertigen Gesamtprodukt bei, nehmen aber nichts weg. Der Song ist nie ein bloßes Vehikel für ein Solo – und das gilt hier ganz besonders.

George Benson, „Breezin’“: Solo von Benson (1976)

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Wann immer man eine Gelegenheit hat, George Benson zu würdigen, muss man sie nutzen. Er ist wahrscheinlich eher Yacht Soul als Yacht Rock, aber er gehört definitiv zum größeren Yacht-Rock-Universum. Aber Mann, wenn man von cool reden will – das ist einfach mühelos.

Angie Martoccio schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil