Steely Dan

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Jazz undJunk

Für ihr meisterliches Spätwerk "Two Against Nature" bekamen sie endlich ein paar Grammys, verloren aber trotzdem ihren Plattenvertrag. Auf "Everything Must Go" denken sie nun über die Freuden der alten Tage und die Vergäng- lichkeit nach und klingen dabei ungleich entpannter. An ihrer alten Wirkungsstätte Los Angeles teilen Becker und Fagen indes wie eh und je Sottisen und Spott aus: Sie bleiben noch eine Weile die Waldorf und Statler des Jazz-Pop. Jim Henson wird im Grab rotieren, aber sie wird unweigerlich ins Kino kommen, die Computergestützte Real-Life-Variante der Muppet Show. Ist nur eine Frage der Zeit. Kein Stoff wird zu abwegig, kein Mythos sakrosankt sein, wenn der global vernetzte Medienmoloch gefüttert werden muss. Ist es technisch machbar, wird es gemacht. Moralische Kategorien zählen da ebenso wenig wie etwa ästhetische. So wie inzwischen Schwarzweiß-Klassiker am laufenden Band koloriert werden, so wie unliebsame Plots korrigiert und Happy Ends generiert werden, wo vordem das Böse obsiegte, so sicher werden in ein paar Jahren Hensons Amok-Puppen menschein dürfen. Sobald das Reservoir an Marvel-Superhelden erschöpft ist. War neulich in der "New York Times" nachzulesen. Mit Casting wird man sich nicht lange aufhalten müssen. Robbie Williams ist Kermit, J.Lo und Madonna werden sich um die Rolle der Miss Piggy in die Haare kriegen, Neil Young gibt Sam The Eagle, und den mürrischen Hausmeister, eine Nebenrolle natürlich nur, mimt Bob Dylan. Statler und Waldorf aber, die höhnenden Greise in der Loge, könnten kongenialer nicht besetzt werden als mit Walter Becker und Donald Fagen. Die beiden müssten sich nur in den Frack werfen, fertig. STEELY DAN 52 RollingStone.Juni, 2003

Von Wolfgang Doebeling

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