Warum „Masters of the Universe“ jetzt endlich funktioniert: Eine Analyse

Der neue „Masters of the Universe“-Film wagt etwas anderes: liebevolle Demontage statt Coolness-Falle. Warum die Animation von Travis Knight das Franchise retten könnte

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He-Man war immer schon Freddie Mercury, ABBA, Erasure, Tom of Finland, Arnold Schwarzenegger und Burt Reynolds in einer Figur. Skeletor war schon immer Liberace, King Lear, Bela Lugosi und Paul Williams in einer Figur. Eigentlich müssten beide gemeinsam beim ESC auftreten. Hätte es den Begriff „camp“ nicht längst gegeben, man hätte ihn für die „Masters of the Universe“ erfinden müssen, jene lose an „Conan“ angelehnte Mattel-Spielzeugreihe, die später als herrlich überdrehter Cartoon weiterlebte. Regisseur Travis Knight und sein vierköpfiges Autorenteam wagen vielleicht nicht ganz so viel Demontage wie Phil Lord und Christopher Miller in ihren besten Momenten, doch ihre Version der Helden und Schurken von Eternia ist, abgesehen von den genreüblichen CGI-Einstürzen und Schlosszertrümmerungen im dritten Akt, eine liebevolle Würdigung der Saga.

Zwischen Camp und Mythologie

Debatten über „Woke“, „Empowerment“, „Objektfetischismus“, „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ sind vorprogrammiert, weil sich dieser „Masters of the Universe“ ihnen mit bewusst quatschigen bis irreführenden Dialogen entzieht. „Du bist der Mann, der ich nie sein konnte“, sagt Man-at-Arms (Idris Elba) zu seiner Tochter Teela (Camila Mendes): eine derart verqueere Genderphilosophie, dass man besser gar nicht erst versucht, sie logisch aufzulösen. Binär bleibt hier vor allem die klassische Einteilung in Helden und Schurken. „Jeder Bösewicht ist der Held seiner eigenen Geschichte“, heißt es so schön, doch Skeletor (gesprochen von Jared Leto) interessiert sich nicht für Grauzonen. „Ich bin ein Schurke“, erklärt er schlicht und begründet damit seine Jagd nach dem Schwert von Eternia, das die Macht über den Planeten sichert. Ja, der Besitz eines einzelnen Schwertes reicht dafür völlig aus. Die Mythologie von Eternia ist eher breitbeinig als komplex.

Die existenzialistische Frage stellt ausgerechnet eine Maschine, ähnlich wie einst der zynische K-S20 im „Star Wars“-Film „Rogue One“. Roboto (Kristen Wiig) beobachtet die Menschen irritiert: „Es ist, als wollten sie die ganze Zeit sterben.“ Es wäre übertrieben zu behaupten, „Masters of the Universe“ wolle den Todestrieb untersuchen, doch die Krieger Eternias stürzen sich mit beinahe suizidaler Begeisterung aufeinander. Tatsächlich sterben diesmal sogar einige prominente Figuren auf beiden Seiten. Den eigenen Actionfiguren hätte man das in den 1980ern niemals angetan!

Die Kinder von Eternia

Auf wirklich lächerliche Figuren wie Stinkor oder Buzz-Off verzichtet der Film zum Glück, dafür wirkt Trap-Jaw furchteinflößend. Die eigentliche Pointe besteht allerdings darin, dass Adam alias He-Man (Nicholas Galitzine) all die absurden Namen wie Ram-Man oder Fisto (der aufgrund seines Spitznamens permanten zum – Achtung – butt of the joke wird) offenbar selbst erfunden hat, als er noch ein kleiner Junge war. Der Film übernimmt damit die Perspektive jener Kinder, die in den Achtzigern mit diesen Muskelbergen gespielt haben. Selbst Evi-Lyn (Alison Brie) muss lachen, als sie „Moss Man“ aussprechen muss. Das fällt wohl unter Meta-Humor. Man wünscht sich eigentlich nur, wenigstens eine Figur hätte einmal jene markante Hüftdrehung ausgeführt, mit der die Actionfiguren damals ihre seitlichen Faustschläge machten.

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„Und wie hast du dich als Kind genannt?“, fragt Teela. Adam antwortet verlegen: „He … Man?“ Sie lacht ihn aus. Dabei ist Adam vielleicht kein „moderner Mann“, aber ein „Mann der Moderne“: voller Zweifel darüber, wie seine Rolle eigentlich auszusehen hat. Wie viel Härte, wie viel Kraft, wie viel Einfühlungsvermögen gehört dazu, wie viel davon ist reine Performance?

Deshalb funktioniert der erste Akt des Films, in dem Adam nach seiner Flucht von Eternia auf der Erde untertauchen muss, auch etwas besser als der Rest. Auf Erden arbeitet er mit einem „He/Him“-Namensschild in einer „The Office“-artigen Bürohölle, trägt ein rosafarbenes Hemd, googelt nach dem Schwert von Eternia und gilt als Fantasy-Nerd, bis er die Waffe schließlich in einem Comicladen findet, bevölkert von Incels, also Leuten, für die He-Man niemals aufgehört hat, wichtig zu sein. Allein, dass das Edelschwert auf Erden nicht in einem Museum landet, ist ein liebevoll-ironischer Kommentar zum „He-Man“-Fankult.

Männer, Mythen und Popkultur

Der Cure-Klassiker „Boys Don’t Cry“ dient hier als perfekter Needle Drop. Später wird er von Queens testosterongeladenem „Princes of the Universe“ abgelöst. Ein Stück für den Soundtrack komponierte Brian May, dessen Red Special allerdings erstaunlich selten zu hören ist. Vielleicht bestand seine wichtigste Aufgabe eher darin, die Rechte am Queen-Song zu organisieren. „Watch this man fly!“, singt Freddie Mercury jedenfalls, während Ram-Man durch die Luft geschleudert wird.

Und am Ende bleibt ohnehin die wichtigste Frage: Warum wohnt He-Man eigentlich in einem Schloss namens Castle Grayskull, auf dessen Fassade ein gigantischer Totenschädel prangt? Müsste dort nicht vielmehr Skeletor leben?

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