Chrissie Hynde rechnet mit Handys bei Konzerten ab: „Das erinnert mich an masturbierende Affen“
In einem offenen Brief an ihre Fans bittet Pretenders-Frontfrau Chrissie Hynde darum, die Smartphones wegzustecken und einfach das Konzert zu genießen.
Pretenders-Frontfrau Chrissie Hynde hat auf ihren Social-Media-Kanälen einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie Menschen angreift, die bei Konzerten ihr Handy nicht weglegen können.
„Es ist wie ein seltsamer Zwang, den die Leute nicht kontrollieren können“, schreibt sie. „Das erinnert mich an Affen, die vor den Augen aller in ihrem Gehege onanieren … und ehrlich gesagt haben die Leute das in dem Fall auch verdient, weil Affen gar nicht erst in ein Gehege gehören … Aber ein Künstler auf einer Bühne?“
In dem Brief schildert sie ein Abendessen mit Emmylou Harris vor deren Auftritt in der Royal Albert Hall in London. „Unser Gespräch kam natürlich auf die Leute, die bei Konzerten auf ihr Handy starren“, schreibt Hynde. „Das ist ein Thema, das jedes Mal aufkommt, wenn ich mit anderen Künstlern zusammenkomme. Es hängt wie ein unangenehmer Dunst über uns allen. Man kann einen Veranstaltungsort mit Schildern tapezieren, auf denen ‚KEINE KAMERAS‘ steht – die Leute halten sich trotzdem nicht daran. Als ob sie ein Recht darauf hätten, selbst wenn der Künstler sie ausdrücklich darum gebeten hat, es zu lassen.“
Lob für Bob Dylan
Sie macht eine Ausnahme für Pop-Acts, die ihre Fans ausdrücklich darum bitten, sie zu filmen, „weil sie in den sozialen Medien präsent sein wollen“, und lobt Bob Dylan dafür, dass er bei seinen Shows auf Handytaschen besteht. „Man sollte meinen, ein Künstler seines Formats könnte eine einfache Bitte äußern, und das Publikum würde sie respektieren … keine Chance“, schreibt sie. „Die Leute schmuggeln trotzdem eine Kamera oder ein Handy rein.“
Nach dem Abendessen mit Emmylou Harris besuchte Hynde auch deren Konzert in der Royal Albert Hall. Natürlich filmte ein in ihrer Nähe sitzender Fan die Show mit dem Handy und versperrte ihr dabei die Sicht. Als jemand ihn bat aufzuhören, antwortete er schlicht: „Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Kram.“ Dasselbe erlebte sie, als sie Sarah Snook in „The Picture of Dorian Gray“ als Ein-Frau-Show sah. „Eine Frau in der ersten Reihe zog ihr Handy heraus und fing an, es zu filmen“, schreibt Hynde. „Unglaublich.“
Mittlerweile ist es so schlimm geworden, dass Hynde öffentliche Kunstausstellungen meidet, weil die Leute ihre Handys vor die Gemälde halten. „Wenn Jesus Christus einen Raum betreten würde, wäre das Erste, was alle täten, ihr Handy rauszuziehen“, schreibt sie. „Kann mir das jemand erklären?“
Die Pretenders sind seit fast einem Jahr nicht mehr auf Tour, doch Hynde ließ ihre Fans kürzlich wissen, dass sie gerade ein neues Album mit Gitarrist James Walbourne fertiggestellt hat. Sie hofft, nächstes Jahr wieder auf die Bühne zu gehen. „Ich vermisse euch Stammgäste“, schrieb sie, „auch wenn ich euch vielleicht unbeabsichtigt vor den Kopf gestoßen habe, als ich euch bat, ein paar Reihen zurückzugehen, damit ich die Einheimischen sehen kann. Ich hoffe, ihr habt euch davon erholt und mir verziehen. Es war nicht böse gemeint. Aber wenn wir monatelang unterwegs sind, ist es wichtig, die Dinge frisch zu halten, indem man neue Gesichter in der ersten Reihe sieht. Ihr wisst, dass ich euch liebe, und ich finde euch immer im Publikum – ich halte immer Ausschau nach euch.“
Wenn ihr die Pretenders nächstes Jahr also seht – egal ob ihr euch nach vorne kämpft oder nicht –, lasst bitte das Handy in der Tasche. Chrissie hat sehr höflich darum gebeten.