Die Toten Hosen: Fulminanter Tourauftakt in Stuttgart
In Stuttgart feiern Die Toten Hosen mit enormer Energie den Auftakt ihrer letzten Deutschlandtournee
Ein perfekter Abend: Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, gleich kommen die Geigen. Ach nein, Die Toten Hosen! Noch viel besser, denn hier gibt es zwar zwischendurch auch ein bisschen Romantik, aber vor allem ordentlich Krach. In Stuttgart findet der Auftakt zur wahrscheinlich letzten großen Deutschlandtournee der Düsseldorfer statt, und 65.000 Leute sind gekommen, um das zu feiern. Und wie!
Es beginnt mit „Opel-Gang“, dann direkt ein neuer Song, passenderweise „Die Show muss weitergehen“. Es werden acht weitere Lieder vom aktuellen Album „Trink aus! Wir müssen gehen“ folgen – und alle fügen sich nahtlos zwischen die größten Hits ein. Das spricht für das Abschiedswerk, es spricht allerdings auch für die Live-Qualität der Toten Hosen: Sie wissen einfach, wie’s geht. Das Wechselspiel zwischen laut und leise, zwischen nachdenklich und auf die Zwölf, zwischen Wut und Freude. Heute Abend herrscht vor allem Letzteres. Immer wieder bedankt sich Campino beim Publikum, unter anderem für den neuesten Chart-Erfolg: „Wir haben zwar die Musik gemacht, aber ihr habt es zur Nummer eins gemacht!“
Selten hat man Die Toten Hosen so viel lächeln gesehen
Bei „Liebeslied“ bezeichnet er sich selbst als „ein bisschen übermotiviert“, doch der Charme der Toten Hosen war nie, dass sie makellos sind, sondern dass sie immer das Ultimum rausholen. Und selten hat man die Band so viel lächeln gesehen – wie eine Gang, die sich freut, noch einmal gemeinsam um die Häuser zu ziehen. Breiti und Andi laufen ständig auf den Steg, um sich die Leute ein bisschen genauer anzugucken, Kuddel blüht erwartungsgemäß besonders später beim Anti-„Bayern“-Song auf. Vom wirkt hinterm Schlagzeug immer noch wie ein aufgedrehter Teenager, und der neu engagierte Keyboarder, Jet Baker von Buster Shuffle, stört nicht.
Die Toten Hosen haben bekanntermaßen viele Stücke über die Vergänglichkeit, und natürlich passen all die jetzt wie die Faust aufs Herz zur aktuellen Situation. Eine der größten deutschen Rockbands verabschiedet sich, da darf man schon mal melancholisch werden. Bei „Altes Fieber“ brüllen alle umso lauter die Zeilen mit: “Und immer wieder/ Sind es dieselben Lieder/ Die sich anfühlen/ Als würde die Zeit stillstehen.“ Beim sozialkritischen „Was ist mit uns los“ ist mal ein paar Minuten andächtige Stille, und bestimmt wird vielen gerade da noch einmal bewusst, wie sehr wir die Hosen als Kollektiv auch wegen ihrer starken Haltung vermissen werden. Zwar beherrschen die Männer inzwischen, nach 44 Jahren Üben, ihre Instrumente, sie sind aber eben nicht nur Musiker, sondern vor allem Menschen – und Freunde. Untereinander und irgendwie von allen hier.
Nicht nur dem Sänger kommen die Tränen
Der berührendste Moment des Abends: als Campino davon erzählt, wie sehr ihr früherer Schlagzeuger Wölli, der 2016 starb, immer noch präsent ist bei der Band. Sie haben ihm gerade noch ein Lied geschrieben, und nicht nur dem Sänger kommen bei „Augen zu (Es regnet Blumen)“ die Tränen. Direkt danach hauen sie „Steh auf, wenn du am Boden bist“ raus. „Alles aus Liebe“, „Pushed Again“, „Wünsch dir was“, „Hier kommt Alex“ – es gibt kein Halten mehr, und obwohl sie 32 Songs spielen, fehlt freilich allen irgendwas. (Mir zum Beispiel das „Wort zum Sonntag“.)
Als sie nach 75 Minuten von der Bühne gehen, verfällt die Masse kurz in eine Art Schockstarre, dabei ist doch klar, dass sie noch mal fast genauso lange Zugaben spielen werden, es ist ja noch eine Menge offen. Vielleicht die einzige kleine Unwucht an diesem Abend – den ersten der drei Zugabenblöcke hätten sie direkt dranhängen können. Aber wir nörgeln hier auf Weltmeister-Niveau. Was diese Band mit Ü60 bringt, ist reine Freude.
Eine Feier des Augenblicks, für die Ewigkeit
Es gibt natürlich noch „Tage wie diese“ und sogar „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten, zum Abschluss konsequenterweise „Trink aus“ und „You’ll Never Walk Alone“. Die Toten Hosen gehen aber nicht einfach damit von der Bühne, nein, sie lassen „All You Need Is Love“ einspielen und laufen noch während des kompletten Songs auf der Bühne herum, um sich zu bedanken, zu winken, alles aufzusaugen. Wie heißt es in einem ihrer besten Stücke? „Das ist der Moment/ An dem du einmal hängst/ Wenn du irgendwann zurückdenkst.“
Den Augenblick feiern, mit einer Menge Energie, aber ganz ohne Eskapismus: Das können Die Toten Hosen wie keine andere Band, und darum machen ihre Konzerte immer so viel Spaß. Bis zum Sommer 2027 haben wir ja zum Glück noch ein paar Gelegenheiten.
Die komplette Setlist:
Opel-Gang
Die Show muss weitergehen
Wir waren nie weg
Auswärtsspiel
Du lebst nur einmal
Nur nach vorn
Altes Fieber
Schlechte Nachbarn
Wannsee
Liebeslied
Was ist mit uns los
Alle sagen das
Augen zu (Es regnet Blumen)
Steh auf, wenn du am Boden bist
Bonnie & Clyde
Was früher einmal war
Unter den Wolken
Alles aus Liebe
Pushed Again
Wünsch dir was
Hier kommt Alex
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Laune der Natur
Düsseldorf
Schönen Gruß, auf Wiederseh’n
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Alles passiert
Bayern
Das ist der Moment
Tage wie diese
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Schrei nach Liebe
Freunde
Trink aus
You’ll Never Walk Alone