Boy George und Culture Club kontern homophobe Störer – Clip aus neuem Dokumentarfilm
Die Band erinnert sich an Anfeindungen von Publikum und Plattenfirmen in Alison Ellwoods neuem Dokumentarfilm.
Boy George und Jon Moss sprechen offen über die Skepsis und Feindseligkeit, mit der Culture Club in den frühen Jahren konfrontiert waren – zu sehen in einem neuen Clip aus Alison Ellwoods Dokumentarfilm über die legendäre englische Popband.
1981 in London gegründet, entstanden die ersten Songs von Culture Club wie von selbst, weil die Mitglieder sofort harmonierten, wie Moss in dem Clip aus „Boy George & Culture Club“ erzählt. (Der Film feierte letztes Jahr beim Tribeca Film Festival Premiere und ist inzwischen auf Streamingdiensten zum Leihen verfügbar.) Die frühen Auftritte hatten durchaus etwas Ausgelassenes, Unbekümmertes – doch Boy George sagt, sie seien auch von ignoranten, homophoben Zwischenrufen vergiftet worden.
Archivmaterial zeigt Boy George, wie er auf genau solch ein Publikum reagiert. Im Interview kontert er trocken: „Jemand brüllt irgendwas, und ich dachte nur: ‚Danke, du hast dein Ticket schon bezahlt – ich kauf mir davon Lidschatten!’“
Ellwood über die frühen Tage
Ellwood sagt gegenüber ROLLING STONE über dieses Archivmaterial: „Es ist absolut irre, Culture Club in den allerersten Tagen zu sehen, wie sie vom Publikum ausgepfiffen werden und George zurückpöbelt. Keine zwölf Monate später wurden sie von Tausenden kreischender Fans belagert, die in Großstädten ganze Autobahnen blockierten.“
Der Film beleuchtet auch, dass nicht nur das Publikum skeptisch war – auch Plattenfirmen standen Culture Club reserviert gegenüber, obwohl die Ästhetik der Band perfekt in die New-Wave-und-Pop-Welt der frühen Achtziger passte. „Die Plattenfirmen kamen und sagten: ‚Der ist zu viel‘ – die haben es einfach nicht gesehen“, sagt Boy George. „Jeder mit Make-up und einer ausgefallenen Frisur bekam einen Vertrag, nur wir nicht.“
Schließlich sicherten sie sich doch einen Deal – beim damals noch jungen Label Virgin Records. Der Trick: Sie luden eine Reihe von Managern zu einem ihrer Konzerte ein und ließen dann alle Autos, mit denen die Leute angereist waren, wegfahren, „damit sie nirgendwo hin konnten“, wie Moss es beschreibt. „Weil sie gezwungen waren zu bleiben und über ihre Vorbehalte hinwegzukommen, konnte man sehen, dass sie es wirklich begriffen hatten.“
Der Vertrag und seine Tücken
Culture Club unterschrieben kurz darauf bei Virgin – doch selbst dieser große Erfolg war mit Zweifeln und Verwirrung verbunden. „Ich erinnere mich, dass ich nur dachte: ‚Habe ich das Richtige getan?’“, erzählt Boy George. „Und: ‚Was bedeutet das eigentlich? Was habe ich da unterschrieben?‘ Ich hatte keine Ahnung! Ich wusste nicht, dass ich alle Rechte an meiner Musik abgetreten hatte, ich wusste nicht, was ich da getan hatte. Man hielt die Bettlerschale hin. Es war so, als wärst du froh, überhaupt einen Plattenvertrag zu bekommen.“
Der Film taucht tief in den Aufstieg der Band und die breitere englische New-Romantic-Szene ein – erzählt aber auch die Geschichte der Beziehung, die das Herzstück der Band bildete: die zwischen Boy George und Moss.