Boy George darf nicht ins ESC-Finale – Was beim Halbfinale in Wien passierte

Boy George saß würdevoll im Publikum – und flog trotzdem raus. Was beim ersten ESC-Halbfinale in Wien wirklich passierte.

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Ganz Wien diskutierte: Darf die Finnin Linda Lampenius ihre Geige live spielen? Üblicherweise finden die Beiträge beim ESC im sogenannten Halb-Playback statt, weil die Umbauten zu umständlich wären. Doch die Finnin applizierte ein Mikrofon direkt an der Violine, bekam die Erlaubnis der Rundfunk-Union und fiedelte furios zum Gesang ihres Kollegen Pete Parkkonen.

Moderation zwischen Husar und Kaffeehaus

Das erste Halbfinale in der Wiener Stadthalle wurde moderiert von Victoria Swarovski und Michael Ostrowski. Swarovski trug ein klassisches rotes Kleid, Ostrowski trat als eine Art Husar oder Strizzi auf. In Österreich brauchen sie für Spott nicht zu sorgen – erste Rezensionen vermissen den Schmäh. Nun ist der ESC aber keine ironische Veranstaltung. Immerzu werden Hände zu Herzen geformt. Der Green Room war im gediegenen Kaffeehaus-Stil gestaltet. Während des Votings wurde ein längliches Singspiel aufgeführt, das die phonetische Nähe von Austria und Australia und die Unterschiede beider Länder zum Thema hat. Darauf muss man erst mal kommen! Außerdem trug ein recht einfaches ESC-Quiz zur Kurzweil bei.

Klamauk, Kitsch und Hardrock

Die Show vereinte wie üblich „Klamauk“ (Hubert Aiwanger), Pathos, Kitsch und Euro-Trash. Der Grieche Akylas tanzte hysterisch über die Bühne, Moldau skandierte „Viva Moldovia!“, Polen überraschte mit einer Gospel-Ballade, Schweden brachte einen überkadidelten Elektronik-Ramsch, und die serbische Gruppe Lavina trat mit einem der besseren Hardrock-Stücke auf, die beim ESC seit einigen Jahren zum Inventar gehören. Thorsten Schorn, der deutsche Kommentator, bezeichnete die Aufführung als „Progressive und Psychedelic Rock“. Ich würde sagen: Rammstein-Epigonen. Sie alle qualifizierten sich fürs Finale – und Israel mit Noam Bettan auch. Boy George als Maskottchen von San Marino saß zwar würdevoll im Publikum, aber der Song blieb als einer von fünf beim Auszählen übrig.

Italien, Deutschland und die Halbfinal-Tendenz

Italien und Deutschland, beide außer Konkurrenz, stellten ihre Songs vor. Sarah Engels tanzte spektakulär zu Pyrotechnik über die Bühne, die Italiener besinnen sich diesmal auf ihre San-Remo-Kultur.

Zwei Sachen zeichnen sich ab: Die Halbfinal-Shows werden immer pompöser, und die Vorbereitungssendungen mit einschlägigen Experten sind lustiger als die Shows selbst: Constantin Zöller, Carolin Worbs und Miguel Robitzky bei ARD One sind immer eine Freude.