Muse
The Wow! Signal
Warner
So gut wie lange nicht: Space-Metal, Disco und Electro-Pop
Es mag ja sein, dass Muse zuletzt ein wenig ins Straucheln gekommen sind – der musikalische Rahmen, den Bellamy sich und seiner Band von Anfang an steckte, schien ausgeschöpft. Und doch gelang es den Briten immer, die eigenen Möglichkeiten zu erweitern, indem sie etwa Disco oder futuristische Electro-Sounds in ihr Werk integrierten. Nun haben sie ein Album gemacht, das all ihre Möglichkeiten zu einem kraftvollen Repertoire verdichtet – mit „The Wow! Signal“ kommen Muse wieder bei sich selbst an.
Der Albumtitel verweist auf ein Signal, das 1977 vom Radioteleskop Big Ear in den USA empfangen wurde und möglicherweise Merkmale eines außerirdischen Ursprungs zeigte. Nachdem Muse sich zuletzt mit unserer krisengeschüttelten Welt befassten, richten sie ihren Blick nun ins Universum.
Niemand übertreibt Rockmusik so wundervoll wie Muse
Der überkandidelte Opener „The Dark Forest“ ist Orff’sches Theater, Nu-Metal und orientalische Oper. „Nightshift Superstar“ ist Discofox, den Muse aber mit irrsinnig fetten Sounds spielen. Auch auf „The Wow! Signal“ ist jeder Ton natürlich riesengroß und hyperreal – niemand kann Rockmusik so wundervoll übertreiben wie Muse.
„Cryogen“ ist kompakter Glam-Metal mit gleich mehreren popsensiblen Hooks. Bei „Be With You“ singt Bellamy zur Kirchenorgel, bevor ein Dance-Beat das Lied in Electro-Pop überführt. Am Ende bleibt gleißend helles Licht – der Soundtrack zu einer Supernova. „Hexagons“ beginnt mit einem altmodischen Gitarren-Tapping im Stil von Van Halens „Eruption“. Dann setzen die Drums spektakulär ein, und das Lied verwandelt sich in ein Science-Fiction-Opus. Das dunkle „The Sickness In You & I“ spielen Muse als Brutal-Metal nach der Art von Rammstein. Dem Cyber-Dance-Pop „Hush“ singt Ellie Goulding eine unerwartete Sensibilität bei. Überall Ideen, überall Energie: Wow!