Deep Purple

„Splat!“

EARMUSIC/EDEL (VÖ: 03.07.2026)

Produzent Bob Ezrin widersteht der Bombast-Versuchung: 
Ein starkes Alterswerk der Hardrock-Ikonen.

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Die Zusammenarbeit mit Bob Ezrin geht nun schon in die fünfte Runde, und der Großproduzent hat sie immer noch nicht als Rock-Operette inszeniert. Offenbar bietet ihm die Band musikalisch genügend Raffinesse, dass er gar nicht in Versuchung kommt, sie im Bombast zu ersticken wie einst Kiss oder Alice Cooper. Oder, noch schöner, Deep Purple lassen ihn nicht.

„Splat!“ lebt wie seine Vorgänger von Ian Gillans reifer Stimme, die vielleicht in den hohen Registern nicht mehr ganz so leistungsfähig ist wie in den Siebzigern, aber diese Verluste mit Wärme und Würde kompensiert. Spieltechnisch kann man ihnen ohnehin nicht an den Karren fahren, die Band läuft rund. Ian Paice swingt sich immer noch mit erstaunlicher Lockerheit durchs Set, und Roger Glovers Bass steckt das Feld ab, auf dem sich die beiden Solisten die Bälle zuwerfen. Nach der Demission von Steve Morse, der sogar „Smoke On The Water“ noch einmal zum Strahlen bringen konnte, gab es genügend Skeptiker, die den im Vergleich eher konventionellen Rockgitarristen Simon McBride mit Argwohn beäugten. Doch er hat wie schon auf „=1″ ein paar großartige Momente, in denen er nicht nur mit vielen Noten jongliert, sondern den Kompositionen auch melodisch noch etwas hinzufügt. Vor allem jedoch harmoniert er mit dem anderen Ersatzmann Don Airey, der in Blues, Boogie-Woogie, Jazz und der Neoklassik gleichermaßen zu Hause ist, auf beinahe kongeniale Weise. „Diablo“ zum Beispiel, einer der drei, vier Hits des Albums, liefert furiose Orgel- und Leadgitarren-Duelle, um den Cover-Truppen da draußen wieder ein paar Nüsse zum Knacken zu geben.

Deep Purple fallen immer noch Songs ein, die mehr sind als Vorlagen für geschmackvolle Jams. Schon der Auftakt, „Arrogant Boy“, überzeugt mit seiner mühsam gebändigten Energie und feinen Harmonien, zu denen Ian Gillan eine seiner augenzwinkernden Geschichten erzählt – vom ungebildeten, geschmacklosen, aber gewitzten Gernegroß Billy, der zu einer Berühmtheit wird, weil er die „Elite“ mit seiner Frechheit an der Nase herumführt. Gillan war immer ein talentierter Gelegenheitslyriker, der aus persönlichen Erlebnissen und Beobachtungen eine Bonsai-Erzählung macht, die genug semantische Leerstellen lässt, um sie als Parabel zu verstehen.

Im ausgelassen federnden Shuffle „Jessica’s Bra“ wird ihm ein simpler Verschreiber über einer Bar zum Anlass für eine stark alkoholisierte, fast schon kafkaeske Kneipenszene, die Airey im Solo mit einem stilechten Barroom-Piano veredelt. Und „The Only Horse In Town“ ist eine anrührende Meditation über das Altsein. Gillans Pro- tagonist checkt in einem Nobelhotel ein, er bekommt die Präsidentensuite, hat es also endlich geschafft. Einen Haken hat das Ganze: Der Ort ist ausgestorben, nur einen altersschwachen Klepper haben sie ihm dagelassen. Mit dem immerhin versteht er sich prächtig. „Now the cold wind’s blowing somewhere else/ We be safe and sound/ In the last place on the Earth for me/ And the only horse in town.“ Schöner kann man das kaum singen.