„Schnitt aus der Hölle“: ZDF reagiert auf Ikkimels legendären Auftritt im „Morgenmagazin“
Hyperpop-Künstlerin Ikkimel sorgt für Chaos im „ZDF-Morgenmagazin“ – und lacht selbst am lautesten. Generationenkollision im Live-TV: Das sagt Moderator Andreas Wunn später dazu.
„Das ist Provokation und Kunst“. So klingen die Reaktionen auf die Kulturkollision zum Frühstücks-Ei. „Liebe Fußballmänner, nicht beleidigt sein. Das ist Provokation und Kunst und trifft gerade so richtig einen Nerv bei der Gen Z.“
Mit diesem Satz versuchte ZDF-Morgenmagazin-Moderator Andreas Wunn nach Ikkimels Auftritt ein Fernsehpublikum einzufangen, das aussah, als hätte es gerade versehentlich in ein fremdes Universum gezappt.
Normalerweise besteht der MoMa-Show-Block ja aus braven Promotion-Auftritten von Newcomern oder bewährten Acts, die im TV einen Karriereknick ausbügeln wollen. Fans abholen beim Marmeladen-Brot.
Eine Breitseite gegen Fußballmänner
Und jetzt das: Eine Breitseite gegen Männer, die in Schalke-Trikots die WM aus der Sofa-Perspektive anschauen.
Auch das offizielle ZDF verteidigte die Einladung der Berliner Rapperin recht bald. Ikkimels Song greife Fußball aus einer popkulturellen Perspektive auf und habe insbesondere bei jungen Menschen große Aufmerksamkeit erzielt. Das MoMa würde „solche gesellschaftlichen und popkulturellen Phänomene regelmäßig abbilden“, heißt es im Soziologen-Sprech.
In Ikkimels Track gibt es Strophen wie: „Fußballmänner, alles Penner. Bierbauch, Bratwurst, leckerschmecker“ oder „Lattenkracher, Mertesacker, Tiki-Taka in ’nem Tanga“.
Nach dem letzten Beat verabschiedete sie sich mit einem fröhlichen „Guten Morgen Moma!“. Und musste selbst über die Gesichter im Publikum lachen. Die Studio-Kameras filmten Menschen zwischen höflicher Irritation und kultureller Überforderung.
Das Internet erledigte den Rest
Für Ikkimel war es eine gelungene PR-Nummer, die entfernt an die Krawall-Auftritte der Sex Pistols bei der BBC erinnerte. Doch das waren die 1970er-Jahre.
Moderator Micky Beisenherz sprach später auf Instagram von „solch grotesker Komik“ und taufte den Moment kurzerhand „Hurz 3.0“; eine Anspielung auf Hape Kerkelings legendären Fernsehstreich vor einer Klassik- und Avantgarde-Jury. „Hart aber fair“-Moderator Louis Klamroth bekannte schnörkellos: „Das ist sehr sehr lustig.“
Andere sahen weniger Comedy als ein kulturelles Missverständnis. Buchautor und Blogger Thomas Knüwer schrieb, zwischen dem, was in „Berliner Popkultur-Bubbles“ als zeitgemäß gelten würde, und dem Rest der Republik liege ein „Grand Canyon“.
Sternstunde der kulturellen Kollision
Journalistin und TV-Moderatorin Caro Matzko bezeichnete die Causa in der „Süddeutschen Zeitung“ als „Sternstunde der kulturellen Kollision“. Nicht nur das Publikum sei in eine Art Schockstarre verfallen; auch Ikkimel habe angesichts der ratlosen Gesichter irgendwann die professionelle Fassung verloren. Die eigentliche Frage sei gewesen: Wer versteht hier eigentlich wen nicht mehr?
Der Auftritt war nicht deshalb bemerkenswert, weil jemand „Bierbauch, Bratwurst, leckerschmecker“ im Öffentlich-Rechtlichen rappte; sondern weil innerhalb von rund drei Minuten mehrere kulturelle Wirklichkeiten gegeneinander klatschen.
Generation Z auf Frühstücksfernsehen. Berliner Hyperpop-Rap auf öffentlich-rechtliche Gemütlichkeit. Ironie auf Irritation.
Schnitt aus der Hölle
Ikkimel gibt sich derweilen als Seherin de Luxe. Bereits vor der Sendung schrieb sie auf Instagram: „Heute spiele ich vor einer Schulklasse und Ü50. Hell yeah.“
Im Nachgang veröffentlichte sie den inzwischen legendären Kameraschwenk ins Publikum mit dem Kommentar: „Schnitt aus der Hölle.“