Jack White
„Frozen Charlotte“
THIRD MAN (VÖ: 10.07.2026)
Neue Blues-Explosionen des umtriebigen Gitarristen
Mit seinem sechsten Studioalbum, „No Name“, war Jack White 2024 zu seinem ursprünglichen Garage-Punk-Rock-goes-Led-Zeppelin zurückgekehrt – und hatte prompt seine 46. Grammynominierung bekommen (gewonnen hat er 16). Nach zwei eher introspektiven Alben war man froh, dass White wieder seine angestammte Musik spielte. Auch auf diesem neuen Album ist das Energielevel hoch, vielleicht weil im direkten Anschluss an eine Tour aufgenommen.
Wenn man über ein Album von Jack White spricht, muss man auch über Production Values sprechen. White ist ein leidenschaftlicher Nerd, wenn es um Sound geht – den seiner Gitarre, den seiner Third-Man-Effektpedale, den seiner Amps und auch den, der aus seinen Schallplatten kommt. Weil er von schlechten LP-Pressungen die Nase voll hatte, baute er vor einigen Jahren sein eigenes Presswerk, in dem nun auch U2 und die Rolling Stones ihr Vinyl herstellen lassen.
Aus dieser Perspektive ist „Frozen Charlotte“ ein Hauptgewinn. Denn diese hingerotzten Sounds sind natürlich alles andere als hingerotzt – es steckt ein riesiges Wissen über die Röhren, Kompressoren und Bandmaschinen in ihnen. Das hier ist ein Weg zurück nach vorn. White hat die Intensität seiner ersten Veröffentlichungen, klingt aber wuchtiger und unmittelbarer, als es ihm damals möglich war. Zum Beispiel bei „Derecho Demonico“, einem an die frühen Led Zeppelin angelehnten Bluesrock. „There’s Nobody There“ hat ein Riff, das Jimmy Page gefallen würde – eckig, torkelnd, vulgär. Patrick Keeler (Drums), Dominic Davis (Bass) und Bobby Emmett (Keys) haben mit ihrem Chef eine dringende, patzige Energie – und immer eine Idee, die den Garage-Blues-Hardrock zusätzlich befeuert. Zum Beispiel bei „Raising The Grain“, das durch ein eierndes Motiv schwindelig gespielt wird.