Mit dem erstaunlich frischen Album dr. Syntax kehrt Edwyn Collins nach fünf Jahren zurück

Von Comebacks hält Edwyn Collins nicht so viel. „Das ist doch alles Quatsch. Meistens redet man sich nur ein, dass die alten Helden wieder was Gutes gemacht haben, weil man sich das wünschen würde.“ Dabei hätte man schwören können, das neue Collins-Album „Dr. Syntax“ sei ein Comeback, ein ganz furioses noch dazu. Das letzte Album „I’m Not Following You“ liegt immerhin bereits fünf Jahre zurück, der letzte Hit „A Girl Like You“ gar acht.

Dagegen spricht allerdings, dass Collins in den letzten Jahren eine Menge gearbeitet hat – als Produzent, aber auch als Musiker und Ko-Autor beim ersten Album des Bectronic-Dance-Projekts Playgroup. Nebenher schrieb er noch bei einer skurrilen Fernsehserie für Channel 4 mit. „Die war nicht besonders gut. Wir hatten nicht mal Geld für Schauspieler. Es ging um eine fiktive Band, die wir spaßeshalber als „die neuen Oasis“ angekündigt haben. Der Gitarrist dieser Band, Gern Rush, spielt nun tatsächlich bei Oasis.“

Auch das neue Album entstand nicht von heuti auf morgen: „Ich habe mir damit lange Zeit gelassen, weil an meinen Soloalben immer kritisiert wurde, sie seien zerfahren. Diesmal wollte ich ein Album aus einem Guss machen.“ Trotz aller Geschlossenheit ist die Musik weitaus experimenteller als auf dem Erfolgsalbum „Gorgeous George“. Elektronische Sounds und Rhythmen bestimmen das Klangbild. Die Briten scheinen irgendwie den R&B entdeckt zu habe. Elvis Costello, Del Amitri und nun auch Edwyn Collins schwören auf den Sound, mögen aber die Songs nicht und schreiben darob eigene, die sie dann in das neu entdeckte Soundgewand kleiden. „Die R&B-Produzenten haben’s echt raus, aber trotzdem höre ich kaum neuere Popmusik, ich mag alte Soulplatten“, meint Collins und liefert mit dieser Einschätzung gleich noch eine Parallele zu den Kollegen.

Die Musik hat für ihn aber auch beträchdich an Stellenwert verloren zu haben: „Mich interessiert mittlerweile vor allem die russische Literatur.“ Da verwundert es nicht, dass vom Cover des neuen Albums der russische Romantiker Michail Lermontow sanft hinüberschaut. Edwyn Collins ist vom Popstar zum Literaturkenner geworden. Nicht verwunderlich, schien er doch bereite nach dem Ende von Orange Juice mit seinem Alterswerk begonnen zu haben: „Stimmt vielleicht Es gab nach dem Split keine Gruppenidentität mehr, und ich schrieb eher selbstzentriert, vielleicht dadurch auch reflektierter. Wichtig ist mir aber vor allem, dass ich mich nicht wiederhole. Ich mache mir jedesmal eine mental note, wenn ich ins Studio gehe: Ich will mich selbst überraschen.“

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