ROLLING STONE-Ausgabe 07/2019 MIT EXKLUSIVER PHIL COLLINS 7-INCH SINGLE

Alles Gute: Katja Riemann wird 50

Wer in den 90er-Jahren aufgewachsen ist, kam an Katja Riemann eigentlich nicht vorbei. Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, lief eigentlich immer irgendein Film mit ihr in der Hauptrolle im einzigen Kino der nächstgelegenen Stadt – „Abgeschminkt“, „Ein Mann für jede Tonart“, „Der bewegte Mann“, „Stadtgespräch“, „Die Apothekerin“, „Bandits“ … Meist verkörperte sie die toughe, selbstbestimmte Frau, die ihren Willen durchsetzte, während die männlichen Figuren allesamt ziemlich einfältige Typen zu sein schienen, gefangen in alten Rollenklischees, die sie nicht mehr erfüllen konnten. Für mich als in Gender- und Sexdingen relativ uninformierter Teenager war die Riemann der Inbegriff dessen, was man damals „moderne Frau“ nannte. Ich hatte jedenfalls ziemlichen Respekt vor ihr. Doch ich will nicht verhehlen, dass auch Liebe im Spiel war. Dem Protagonisten meines Romans „Das Da-Da-Da-Sein“ dichtete ich Jahre später eine regelrechte Katja-Riemann-Obsession an.

Ich bin vermutlich nie wegen ihr ins Kino gegangen, doch immer, wenn ich sie auf der Leinwand oder dem Bildschirm sah, beherrschte sie das Bild, war sie das absolute Zentrum des Films. Sie hatte und hat eine Präsenz, wie sonst keine (zumindest deutsche) Schauspielerin. Und die lässt sich eben nicht mit der wirkungsvollen Inszenierung eines Regisseurs erklären. Die Riemann scheint immer ihr eigenes Spiel zu spielen, verändert einen Raum, eine Szene durch ihre pure Ausstrahlung. Das gilt auch für ihre Interviews, die ja mittlerweile fast so legendär sind wie die von Kinski. Und das nur, weil sie nicht das erfüllen will, was von ihr erwartet wird: den lächerlichen und hohlen Codes der PR- und Medienwelt zu folgen und so zu tun, als würde sie sich jemandem öffnen, der zufällig für ein paar Minuten vor ihr sitzt und sie zu ihren Haaren, ihrer Person oder gar ihrem Privatleben befragt.

Ich habe selbst mal versucht, ein Interview mit Katja Riemann zu führen. Sie sah umwerfend aus und zog die Kontrolle über die Situation schon mit der barsch und leicht genervt vorgetragenen Begrüßungsformel an sich. Die nächsten fünf Minuten war sie so abweisend, dass ich gar nicht anders konnte, als mich wieder in sie zu verlieben. In meinem Rucksack lag „Das Da-Da-Da-Sein“, das Buch mit der heimlichen Liebeserklärung, und kam mir in diesem Moment unglaublich hohl und lächerlich vor. Dann war alles vorbei.

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Katja Riemann wird heute 50 Jahre alt. Ich gratuliere aus der Ferne.

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