Anna Ternheim: Verschwiegen, geheimnisvoll


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Ihr letztes Album nennt Anna Ternheim im Rückblick einen „schweren, schwarz glänzenden Stein“. Die Beschreibung bezieht sich gleichermaßen auf die Musik und ihren Entstehungsprozess. Ternheim hatte die verflixte zweite Platte zu machen und war überfordert von den Möglichkeiten, die sich ihr boten. Wer ist man, wenn man nur eine Gitarre vor dem Bauch hat und dazu nicht grundsätzlich ungewöhnliche Lieder singt?

Das zweite Album sollte es zeigen, sollte ausstaffieren und dekorieren und die Künstlerin erkennbar machen. Ternheim musste kämpfen für „Separation Road“, aber man spürte es kaum, weil sie in den cineastischen Kulissen so souverän wirkte, viel souveräner als die meisten ihrer skandinavischen Kollegen und Kolleginnen. Nein, nein, sie sei sich ihrer selbst gar nicht sicher gewesen, widerspricht sie, habe ihre Stimme in den großen Arrangements eher verstecken als offen zur Schau stellen wollen.

Das Selbstvertrauen kam erst, als „Separation Road“ gute Verkaufszahlen sowie Konzerte brachte und daheim Preise bekam. Und so vertraut Anna Ternheim auf ihrem neuen Werk, dem sehr gelungenen „Leaving On A Mayday“, ganz auf ihre Stimme. Produzent Björn Yttling hatte sie dazu ermutigt.

Er reduziert die Produktion auf tief hallende Trommeln und sehr verschwiegene, streng geheimnisvolle Arrangements aus Piano und Streichern. Auch die akustische Gitarre Ternheims ist natürlich zu hören, aber nicht mehr so oft. „Ich liebe es, wie Björn sich auf eine einzige Idee konzentriert und alles andere weglässt. Genau das habe ich gewollt“, sagt Ternheim.

Übrigens ist die Schwedin vor kurzem nach New York umgezogen. In den USA ist mittlerweile ein Zusammenschnitt von Ternheims Musik erhältlich, es gibt viel zu tun. Sie verließ ihr Zuhause, ohne groß nachzudenken, ohne zu Planen. „Es hat schon viele Abschiede in meinem Leben gegeben, ich habe kein Problem damit“, sagt sie. In der Aussage meint man etwas jener distanzierten Haltung zu hören, die ihre kargen, einsamen Gesänge charakterisiert.

Aber auch für die andere Seite ihrer Musik- das Melancholische, Wartende, Hoffende- findet Ternheim Worte. „Ich habe wohl eine Art doppelter Persönlichkeit- ich kann völlig unsentimental sein und meine Brücken restlos abbrechen, schaue dann aber immer zu ihnen zurück und werde die Vergangenheit nicht los.“ Nachzuhören auf „Leaving On A Mayday“.

Jörn Schlüter