ARD-Fehler im Fall Fernandes: Lambrecht wettert gegen den ÖRR

Die ARD korrigierte ihre Berichterstattung über Collien Fernandes und Christian Ulmen – doch Ex-Ministerin Lambrecht lässt das nicht gelten. Was sie dem Sender vorwirft.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Die ehemalige bundeutsche Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat sich zum Fall Fernandes/Ulmen geäußert und in den sozialen Medien ein wütendes Posting hinterlassen: „Liebe ARD, liebe Tagesschau, wisst Ihr eigentlich, wie viel Vertrauen Ihr mit solchen ‘Fehlern’ in den ÖRR zerstört? Wo sind journalistische Standards bei so einem sensiblen und öffentlichkeitsrelevanten Thema?“

Lambrecht teilt dazu einen Screenshot von „Tagesschau 24 live“. Im Nachrichtentext des Senders heißt es: „Fall Collien Fernandes: Eine Lücke im deutschen Recht? Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version der Meldung hieß es, Collien Fernandes werfe Christian Ulmen unter anderem vor, Deepfake-Pornos verbreitet zu haben. Der Vorwurf von Fernandes lautet richtig: Ulmen soll jahrelang im Internet Fake-Profile erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet haben. Das Erstellen und Verbreiten von Deepfake-Pornos wirft sie Ulmen wohl nicht vor. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Den Text haben wir an mehreren Stellen korrigiert.“

Lambrecht zweifelt an „Fehler“

Lambrecht kommentierte darunter: „Liebe ARD, wisst Ihr eigentlich, wie viel Vertrauen Ihr mit solchen ‘Fehlern’ zerstört?“ Das Wort „Fehler“ hat sie in Anführungszeichen gesetzt – als Stilmittel verwendet man das üblicherweise, wenn man einen Begriff für ungeeignet hält. Sie deutet damit vielleicht an, dass es sich nicht um eine Lappalie handelte oder dass die ARD den Vorfall selbst nicht als echten Fehler betrachtet.

Tatsächlich hat sich die Diskussion verschoben: von der vielfach verbreiteten Annahme, Christian Ulmen habe Deepfake-Pornos von Collien Fernandes verschickt, hin zu Fake-Profilen im Netz und pornografischen Darstellungen.

Vertrauensverlust als politisches Narrativ

Ob eine Entschuldigung des Senders für eine falsche Darstellung ausreichen könnte, muss jeder selbst entscheiden. Lambrechts Verweis auf den „Vertrauensverlust“ spielt davon unabhängig jedoch solchen Narrativen in die Hände, in denen großes Misstrauen gegenüber den Öffentlich-Rechtlichen zum Ausdruck kommt. Die AfD etwa dürfte sich über Lambrechts Posting entsprechend freuen.

Instagram Placeholder
An dieser Stelle findest du Inhalte aus Instagram
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Lambrechts umstrittene Amtszeit als Verteidigungsministerin

Lambrecht, 60, diente unter Olaf Scholz (SPD) u.a. rund eineinhalb Jahre als Bundesverteidigungsministerin, bis sie um ihre Entlassung bat. Von Beginn an sah sie sich aufgrund ihrer Amtsführung starker Kritik ausgesetzt; das Silvestervideo 2022, in dem sie im Berliner Böllersturm über die Ukraine dozierte, dürfte der Sache wohl den Rest gegeben haben.

Zu ihrem Rücktritt erklärte sie: „Die monatelange mediale Fokussierung auf meine Person lässt eine sachliche Berichterstattung und Diskussion über die Soldatinnen und Soldaten, die Bundeswehr und sicherheitspolitische Weichenstellungen im Interesse der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands kaum zu.“ Später veröffentlichte sie ihre Memoiren, die sich um ihre Ministerinnenzeit drehten – eine Veröffentlichung im Eigenverlag, was sich vieldeutig interpretieren lässt.