Ash spielen zum Release ihrer „A-Z“-Collection eine Rolling Stone Lo-Fi Session


von

Das deutsche Feuilleton wirft ja gerne die Frage in den Raum, ob dies und das, jener und welcher, Dings und Bums „noch zeitgemäß“ sei. Eine Frage, die sich auch stellt, wenn man sich mit den Iren Ash befasst. Die hatten ihre kurze Hochphase Mitte der Neunziger mit ihrem Album „1977“ – benannt nach dem Geburtsjahr des Sängers Tim Wheeler – wo sie es mit Songs wie „Girl From Mars“, „Angel Interceptor“, „Goldfinger“ und „Oh Yeah“ gleich mehrfach schafften, jugendliche Sturm und Drang-Gitarren mit unverschämt poppigen Melodien zusammenzubringen. In England sowieso, aber auch bei ihren Gastspielen in Deutschland, trieben sie damit die weiblichen Fans manchmal gar zu Kreischerei – was auf einem Indiekonzert schon irgendwie befremdlich war.

Ash haben danach unermüdlich weitergemacht, mal nach gewohntem Muster aber mit wenigen Ideen (auf dem Album „Nu-Clear Sounds“), mal mit einer später in Solo machenden recht attraktiven Gitarristin (Charlotte Hatherley), mal breitbeinig auf Metal machend (auf dem Album „Meltdown“) – erreichten dabei jedoch nie wieder ähnliche Höhen wie zur „1977“-Zeit. Im Sommer 2007 verkündeten sie dann offiziell, dass sie kein Album mehr aufnehmen wollten, sondern nur noch Singles, die man als Fan abonnieren kann – die aber auch in regelmäßigen Abständen als Compilation herauskommen.

Nun ist es soweit. Die erste Kollektion der „A-Z“-Series steht seit heute in den Regalen. Und sie wirft die oben zitierte Frage auf: „Sind Ash noch zeitgemäß?“ Die Antwort muss ein klares „Jein“ sein. Denn natürlich klingen auch starke Songs wie „Arcadia“, die nach klassischem Ash-Muster funktionieren, heute ein wenig aus der Zeit gefallen – und Experimente wie „True Love 1980“ ein wenig nach einer Mitte 90er-Band, die mal was anderes probiert, dann aber doch wieder an den schon damals schlimmen Keyboards kleben bleibt. Das ändert aber nix daran, dass Songs wie „Ichiban“ und „Command“ oder die Ballade „War With Me“ auf ihre Weise alles richtig machen – sie appellieren zugleich an die Nostalgie, haben aber trotzdem genug Feuer, um schlicht als kraftvoller Pop-Punk-Song gehört zu werden.

Zur Feier des Release-Tages spielte uns Tim Wheeler einen Song aus der „A-Z“-Series. Da er seine Band nicht dabei hatte, wurde es die simple wie schöne Ballade „Tracers“auf rolling.

Ash werden im Sommer auf diversen Festivals zu sehen sein und Mitte Mai eine Tour spielen. Zudem wird es auf www.rollingstone in Bälde ein kurzes (Video-) Interview mit Mr. Wheeler geben.