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Berlinale Tagebuch: Der unnahbare James Dean und der White Trash des Ostens

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Berlinale Tagebuch: Der unnahbare James Dean und der White Trash des Ostens

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Das Schaulaufen der sehnsüchtig erwarteten Promis ging auch am Montag weiter. Mit der Weltpremiere von Anton Corbijns James-Dean-Biopic  “Life” hat es dann auch Robert Pattinson nach Berlin geschafft, der ursprünglich schon für “Queen of the Desert”, den neuen Film von Werner Herzog, erwartet wurde. Darin hat der ehemalige “Twilight”-Star einen kurzen Auftritt als Lawrence von Arabien. Am Montag war er dann endlich zur “Life” Pressekonferenz da und hatte leider erstaunlich wenig zu sich und seiner Rolle zu sagen. Witziger und wesentlich charmanter war die Grande Dame Helen Mirren, die zur Premiere ihres Restitutions-Kunstfilms “Woman in Gold” angereist war und sichtlich berührt von der Thematik ihres Filmes schien. Mirren erinnerte daran, dass Restitutionsforderungen keine Sache der Vergangenheit sind, sondern angesichts der weltpolitischen Lage eine große Relevanz haben: “With ISIS and the Boko Haram happenings we must not forget that people are suffering as we speak.”

“Life” – James Dean bleibt unnahbar im neuen Film von Anton Corbijn

Nach dem großartigen Biopic “Control” über Ian Curtis hat man von Anton Corbijn für “Life” Großes erwartet. Der Film begleitet die Entstehung der berühmten Bildstrecke von James Dean (hier dargestellt von Dane Dehaan)  aus dem amerikanischen “Life” Magazin von Fotograf Dennis Stock (Robert Pattinson), die Dean für ganze Generationen ikonisiert hat. Corbijn zeigt die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden aufstrebenden jungen Männern, die sich kurz nach Deans erstem Filmerfolg “East of Eden” in Los Angeles kennen lernen. Dean-Darsteller Dehaan trainierte sich für diese Rolle 25 Kilo an und gibt, mit perfekt einstudierter, elegant schleichender Körpersprache, eine gute, kettenrauchende Dean-Verkörperung.

“Life” folgt Dean und Dennis Stock schließlich nach New York, wo der junge Fotograf, der endlich auch künstlerisch wahrgenommen werden möchte, den jungen Mimen verfolgt, um ihn zu überzeugen, dass die “Life” Fotostrecke eine Chance für beide ist. Nach einigen Querelen, die genau wie die Fotoshoots selbst zu den besten Momenten im Film gehören, nähern sich die beiden “Lost Boys” schließlich an und man wird Teil der Momente, in denen die Bilder, die ganze Generationen geprägt haben, erschaffen werden. Manchmal hat man dabei allerdings leider das Gefühl, dass es Corbijn bei seinem Film fast nur um die Fotos und den Moment der Kreation geht, und weniger um die Komplexität von Dean selbst, der während des gesamten Films trotz der guten schauspielerischen Leistung seltsam unnahbar bleibt.

“Life” ist dennoch ein guter, solider Film, der allerdings deutlich weniger “Soul” und Tiefen hat als das ebenfalls im Program laufende Biopic “Love & Mercy” über Brian Wilson, den Kopf der Beach Boys. Trotzdem gibt es in “Life” auch immer wieder die obligatorischen Corbijn-Szenen, die in ihrer cineastischen Komposition, wie auch schon bei “Control” so schön sind, dass man sie sich gerne an die Wand hängen möchte. Vielleicht hätte es “Life” am Ende auch ganz gut getan die ausgesparten Themen, wie Deans angebliche Bisexualität oder die Sehnsucht nach Abenteuer und Speed, ein wenig mehr in den Fokus zu rücken. So hätte der “Rebel without a Cause” und die Mystik der Figur Dean, die schließlich für immer in den Fotos von Dennis Stock festgehalten wurden, entsprechend abgebildet werden können. Der Film kommt in den meisten Momenten leider nie über den “Feel Good” – Status hinaus, was ein wenig schade ist, wenn man an die Bildgewalt von “Control” zurück denkt, mit der Corbijn Ian Curtis ein Denkmal gesetzt hat ohne den Joy-Division-Sänger mit Samthandschuhen anzufassen.

“Als wir träumten” – Andreas Dresens Denkmal für den White Trash der Neunziger

Nach dem enttäuschenden “Queen of the Desert”  von Werner Herzog und dem zweiten hochgelobten deutschen Wettbewerbsbeitrag “Victoria” von Clemens Schipper (der als einer der Favoriten auf einen Bären gehandelt wird) gab es am Montag mit  “Als wir träumten” die dritte deutsche Wettbewerbsproduktion zu sehen. Im Film setzt Regisseur Andreas Dresen der “wasted German youth”, dem Äquivalent zum amerikanischen “white trash” der 90er Jahre ein interessantes Denkmal. Mit der für diese Zeit obligatorischen Technomusik und hart geschnittenen Szenen wird der Zuschauer hineingezogen in das Leipzig der Nachwendezeit, wo eine Jugendgruppe (Rico, Marc, Dani, Paul und “Pitbull”) gegen die Langeweile der Spätpubertät rebelliert.

Altmeister Wolfgang Kohlhaase hat das Drehbuch, das auf dem gleichnamigen Roman von Clemens Meyer beruht, adaptiert. Auf der Pressekonferenz erklärt er: Bei den dargestellten Momenten handelt es sich “um den wunderbaren Augenblick der Anarchie, in dem die einzig berechtigte Frage ist: ‘Was kostet die Welt?’” “Als wir träumten” ist neben seiner Coming-of-Age-Story auch eine Studie über die Folgen des Mauerfalls, dessen Relevanz für diese Generation bisher filmisch wenig betrachtet wurde. Wenn man die Jungs auf einer ihrer zerstörerischen Autoklaufahrten begleitet und sie schreiend im Chor eine Antwort auf die Frage “Woher kommen wir?” – “Aus Ruinen!” geben, wird deutlich, wie großartig und gleichzeitig einschüchternd und überfordernd die plötzliche Freiheit für diese 90er Jahre-Generation gewesen sein muss.

Nach “Victoria” ist “Als wir träumten” ein ordentlicher deutscher Film, dem allerdings die Wucht und der Innovationsgeist fehlt, der bei Clemens Schipper aus allen Poren des Films sprüht. Das wird besonders deutlich an einem der letzten pathetischen Dialoge des Films, der in einem Taxi zwischen den Freunden Rico (ständig wütend und enttäuscht gespielt von Julius Nitschkoff) und Dani (der herausragend melancholisch dargestellt wird von Merlin Rose) stattfindet: “Das beste kommt noch”, gibt Rico seinem Freund mit auf den Weg bevor er sich der Polizei stellt. Eine Hoffnung, die riesig ist, und dennoch im filmischen Kontext irgendwie platt und weichgespühlt erscheint, wenn man an die Wege und Entscheidungen der Charaktere denkt, denen man über zwei Stunden gefolgt ist. Man wünscht sich, das Regisseur Dresen am Ende genauso schonungslos direkt und ehrlich geblieben wäre, wie er es in den gewaltreichsten Szenen des Films ist, die davon leben, dass sie keinen melodramatischen Zuckerguss brauchen, weil sie in ihrer Härte auch einfach so funktionieren. 

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