Bill Callahan und sein Prosadebüt „Letters To Emma Bowlcut“


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Nick Cave, Willy Vlautin, zuletzt Erdmöbel-Sänger Markus Berges – sprachmächtige Songwriter versuchen sich in letzter Zeit häufiger am geschriebenen Wort und gehen somit quasi den entgegengesetzten Weg von Leo-nard Cohen, der ja in den Fünfzigern als Autor von Romanen, Stories und Lyrik begann, bevor er sich Ende der Sechzigern den Liedern zuwandte.

Auch vom amerikanischen Songwriter Bill Callahan, der seine Platten bis 2006 unter dem Pseudonym Smog veröffentlichte, dachte man immer, er könnte seine Anfänge in der Literatur haben, so präzise war sein Storytelling, so gut gesetzt seine Pointen, so druckreif seine Sentenzen. Deshalb wundert man sich nicht so sehr, dass nun mit „Letters To Emma Bowlcut“ (Drag City, ca. 13 EURO) ein Buch von ihm erscheint, sondern eher darüber, dass es sein erstes ist.

Ein schmales Bändchen mit 62 Briefen eines gewissen Billy an die titelgebende Dame, die er auf einer Party kennen gelernt hat. Manche der sich um Liebe und (die Liebe zum) Boxen kreisenden Episteln lesen sich tatsächlich wie Song­texte, haben den stoischen Rhythmus und absurden Humor von „All Your Women Things“, „Dress Sexy At My Funeral“ oder „Eid Ma Clack Shaw“. Auch der Titel des letzten Callahan-Albums „Sometimes I Wish We Were An Eagle“ hat in diesem Prosa-Text seinen Ursprung. Und manchmal erinnert der in seiner grotesken Logik und seinen Selbstbezichtigungen gefangene Protagonist aus „Letters To Emma Bowlcut“ gar an einen anderen großen Briefeschreiber: Franz Kafka.

Maik Brüggemeyer