Bob Dylan: Die 10 besten Songs nach den Sechzigern
Die 10 besten Bob-Dylan-Songs nach den Sechzigern – von „Hurricane" bis „Tangled Up in Blue" im Leser-Ranking.
Platz 5: „Not Dark Yet“
Dylan war erst 56, als er „Time Out of Mind“ aufnahm, doch er hatte bereits viel erlebt und fühlte sich wie ein alter Mann, der der Unvermeidlichkeit des Todes entgegensieht. Reue, Verlust und Sterblichkeit ziehen sich durch das gesamte Werk.
Der eindringlichste Song ist „Not Dark Yet“, ein sechseinhalb Minuten langes Stück, das zweifellos zu den traurigsten und bewegendsten Liedern in Dylans Katalog zählt. „I was born here and I’ll die here against my will“, singt er. „I know it looks like I’m moving, but I’m standing still/Every nerve in my body is so vacant and numb/I can’t even remember what it was“.
Platz 4: „Things Have Changed“
Dylans Karriere befand sich im Jahr 2000 in einem deutlichen Aufschwung. „Time Out of Mind“, sein erstes Album mit Originalmaterial seit sieben Jahren, gewann einen Grammy als Album des Jahres, und die Konzerte seiner Never Ending Tour waren Abend für Abend beeindruckend. Diese Energie nahm er mit ins Studio, als Regisseur Curtis Hanson ihn bat, einen Song für den Film „The Wonder Boys“ zu schreiben, der von einem College-Professor (gespielt von Michael Douglas) handelt, der tief in das chaotische Leben eines problematischen Studenten hineingezogen wird.
Der daraus entstandene Song fing die Stimmung des Films perfekt ein und brachte Dylan einen Oscar für den besten Originalsong ein. Außerdem eröffnete er jedes Konzert seiner Tour 2014 und sendete damit eine klare Botschaft an jene, die nur alte Hits erwarteten: „I used to care, but things have changed.“
Platz 3: „Shelter From the Storm“
„Blood on the Tracks“ ist voller Songs, in denen Dylan auf eine ideale Beziehung zurückblickt, die vollständig zerbrochen ist. In einem seltenen Moment ist er sogar bereit, einen Teil der Verantwortung zu übernehmen. „Now there’s a wall between us, somethin’ there’s been lost“, singt er in „Shelter From the Storm“. „I took too much for granted, got my signals crossed.“
Doch wie so oft bei Dylan gibt es kein Zurück, und sie ist nun nur noch eine liebevolle Erinnerung. Eine alternative Aufnahme des Songs wurde für den Soundtrack des Films „Jerry Maguire“ verwendet. Sollte es jemals eine „Blood on the Tracks“-Ausgabe der „Bootleg Series“ geben, werden hoffentlich noch viele weitere Versionen wie diese zu hören sein.
Platz 2: „Hurricane“
Wenn man die komplexe Geschichte des Prozesses und der Inhaftierung von Rubin „Hurricane“ Carter wegen eines dreifachen Mordes aus dem Jahr 1966 verstehen möchte, den er nach eigener Aussage nicht begangen hat, gibt es weit bessere Quellen als Dylans Song von 1975. Gemeinsam mit dem Dramatiker Jacques Levy geschrieben, ist das Stück ein offenes Plädoyer zugunsten des Boxers.
Wichtige Details werden ungenau dargestellt, und die Erzählung wird so gekürzt, dass Carter wie ein makelloser Heiliger erscheint. Obwohl er mit hoher Wahrscheinlichkeit unschuldig war, ist die Wahrheit deutlich komplexer. Doch letztlich spielt das keine Rolle. „Hurricane“ ist außerordentlich kraftvoll, und auch wenn es noch ein weiteres Jahrzehnt dauerte, wurde Carter schließlich aus dem Gefängnis entlassen.
Platz 1: „Tangled Up in Blue“
Es ist heute schwer nachzuvollziehen, wie überwältigend es war, als Dylan im Januar 1975 „Blood on the Tracks“ veröffentlichte. Sechs lange Jahre hatte es kein unbestreitbar großes Dylan-Album gegeben, und auf der Reunion-Tour mit The Band im Jahr zuvor wirkte er oft, als spiele er seine alten Hits routiniert herunter. Doch als die Fans die Nadel aufsetzten und die Reise mit „Tangled Up in Blue“ begann, wurde klar, dass nichts von dem Genie, das „Blonde on Blonde“ und „Highway 61 Revisited“ angetrieben hatte, mit der Zeit verblasst war.
„Tangled Up in Blue“ ist eine Odyssee durch Zeit und Raum über zwei vom Schicksal getrennte Liebende. Nie ganz zufrieden mit dem Text, schrieb Dylan einen großen Teil davon für seine Europa-Tour 1984 neu. Zu hören ist das auf dem ansonsten schwankenden Album „Real Live“.