Bob Marley: Seine universelle Botschaft „One Love“ bringt FIFA auf die Zinne


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Der im Mai 1981 verstorbene Reggae-Musiker Bob Marley war zeit seines Lebens ein großer Fußball-Fan. Es gibt dutzende Fotos, die den Jamaikaner beim Dribbling zeigen, oder wie er mit wehenden Haaren dem Ball nachjagt.

Dass es einer seiner Songs einmal schaffen wird, die gut geölte Milliarden-Maschine der Fußballweltmeisterschaft zumindest zum Stottern zu bringen, hätte Marley sehr wahrscheinlich gut gefallen.

War es doch seine Idee, dass alle Menschen auf dieser Erde unter dem Banner von „One Love“ endlich aufhören sollten, sich zu bekämpfen und stattdessen „EINS“ zu werden.

Manuel Neuer mit „One Love“-Binde

Marley schrieb dieses Lied inmitten der Turbulenzen der jamaikanischen Wahlen im Dezember 1976. Marley hatte Michael Manley unterstützt, als dieser 1972 die Wahlen gewann und Premierminister von Jamaika wurde. Vier Jahre später war Marley die bei weitem beliebteste Person in Jamaika. Er weigerte sich, politisch Stellung zu beziehen, als das Land zwischen Manleys „People’s National Party“ und der von Edward Seaga geführten „Jamaican Labour Party“ tief gespalten war.

Es war eine sehr gewalttätige Zeit auf der Karibikinsel.

Marley versuchte, politisch neutral zu bleiben, während er zu Frieden und Schutz aufrief, wo immer er konnte. Sein Anwesen in der Hope Road war eine Art Zufluchtsort für Menschen, die nirgendwo willkommen waren.

Die britische Journalistin Vivien Goldman war zu dieser Zeit auf Jamaika bei Marley. Sie erinnert sich, dass er seinerzeit an „One Love“ arbeitete, während er auf seinem kleinen Bett kauerte, während am anderen Ende ein junges Mädchen saß und andere Besucher im Raum versammelt waren. Marley schuf einen Song, der gleichzeitig friedlich und wütend war.

Eine frühe Version dieses Liedes wurde 1965 (von The Wailers) als Single in Jamaika veröffentlicht. Im Jahr 1977 brachten Bob Marley & The Wailers dann eine aktualisierte Version auf dem Album „Exodus“ heraus, die zur endgültigen Version wurde und in Großbritannien Platz fünf der dortigen Charts erreichte

In dieser Version sind Teile des Impressions-Songs „People Get Ready“ von 1965 enthalten. Songwriter und Impressions-Chef Curtis Mayfield hatte Bob Marley schon vorher inspiriert, und so enthält „People Get Ready“ bereits viele Elemente von Marleys Botschaft: Einheit, Spiritualität und Kampf.

In der 1965er-Version von „One Love“ wurde Mayfield nicht erwähnt. In der 1977er Version jedoch wurde sie als „One Love/People Get Ready“ gespielt und in den Credits Marley und Mayfield gemeinsam zugeschrieben.

In den USA wurde die einzige Version dieses oft gecoverten Songs, die in die Charts kam, vom Team der Fernsehserie „Glee“ gespielt, die das Lied im Jahre 2010 immerhin auf Platz 41 der Billboard-Charts brachte.

Es war der holländische Fußballverband KNVB, der Marleys Botschaft zum ersten Mal in einer eigenen Optik auf eine Kapitänsbinde setzte. Diese wurde 2020 erstmal verwendet, nachdem der Spieler Ahmad Mendes Moreira während eines Ligaspiels seines Klubs Excelsior Rotterdam beim FC Den Bosch im November 2019 rassistisch beleidigt worden war.

Der niederländische Kapitän Virgil van Dijk wird bei der WM auf die „One Love“-Armbinde verzichten. Am heutigen Montag (21. November) zog der Kapitän der deutschen Nationalelf, Manuel Neuer, nach. Auch der Torwart gab bekannt, dass er auf die Binde verzichten wird.

Zuvor hatte das „Oranje“-Team mitgeteilt, dass man sich der Drohung des Weltverbandes FIFA beugen würde. Demnach würde jeder mit der Binde auflaufende Spieler mit einer Gelben Karte bestraft.

„Dass die FIFA uns auf dem Platz bestrafen will, ist einmalig und geht gegen den Geist des Sports, der Millionen verbindet“, ließ der KNVB verkünden. „Wir stehen zur ‚One Love‘-Botschaft und werden diese weiter verbreiten, aber unsere oberste Priorität ist es, Spiele zu gewinnen. Da möchte man nicht, dass der Kapitän das Spiel mit einer Gelben Karte beginnt.“

DFB veröffentlicht Statement

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verzichten wegen der angedrohten FIFA-Sanktionen auf das Symbol, teilte der DFB ebenfalls am Montag mit.

„Die FIFA hat sehr deutlich gemacht, dass sie sportliche Sanktionen verhängen wird, wenn unsere Kapitäne die Binden auf dem Spielfeld tragen“, so in einer Erklärung. „Wir erleben einen beispiellosen Vorgang in der WM-Geschichte. Die von der Fifa herbeigeführte Konfrontation werden wir nicht auf dem Rücken von Manuel Neuer austragen.“

Christian Charisius picture alliance/dpa