Bobby Rydell im Alter von 79 Jahren gestorben


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Er war eines der größten Teenageridole der frühen 60er-Jahre – nun ist Rock’n’Roll-Sänger Bobby Rydell wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag an den Komplikationen einer Lungenentzündung verstorben. Das ist einem Statement auf seiner Facebook-Seite zu entnehmen.

Von Kindesbeinen an Musik

Bobby Rydell wurde als Robert Ridarell im Süden Philadelphias als Sohn eines Fabrik-Vorarbeiters geboren. An der Hand seines Vaters besuchte er schon als Kind Jazzkonzerte von Benny Goodman und Artie Shaw. Im Alter von sechs Jahren fasste er schließlich den Entschluss, Schlagzeug spielen zu wollen wie der Meister seines Fachs Gene Krupa. Drei Jahre darauf wurde aus ihm eine TV-Berühmtheit: Der kleine Bobby nahm an einem Talentwettbewerb im Fernsehen teil – dem „TV Teen Club“ – und war schon bald fester Bestandteil der Show. Als 14-jähriger spielte er gemeinsam mit seinem Freund aus Kindheitstagen Frankie Avalon in einer Band namens Rocco and the Saints: Rydell saß am Schlagzeug, Avalon spielte Trompete.

Bobby Rydell und Frankie Avalon im Jahre 1959

Der nette Junge von nebenan wird zum Teenager-Idol

1958 unterschrieb er schließlich einen Plattenvertrag als Solokünstler. Nach zwei Flop-Singles landete er mit „Kissin‘ Time“ auf Platz 11 der Billboard-Charts. Im Alter von 17 Jahren war Rydell damit ein Star, dessen Foto auf die Cover von Teenagermagazinen gedruckt wurde. Obwohl oder gerade weil er an den netten Jungen von nebenan erinnerte, zog er Tausende kreischender Mädchen an – seine schmachtende Stimme und sein hübsches Gesicht taten ihr Übriges.

In einem Interview aus dem Jahre 2011 erinnerte er sich an die Hysterie in Australien: „Sie stürmten die Bühne, Tausende und Abertausende von Kindern. Die australische Polizei musste einen Keil machen, um uns aus dem Stadion von Sydney herauszuholen. Es war beängstigend, aber alles in allem war es absolut großartig.“ 1960 war das wohl erfolgreichste Jahr in Rydells Karriere: Mit den ungestümen Rock’n’Roll-Titeln „Wild One“ und „Swingin‘ School“ landete er auf Platz 2, respektive Platz 5 der Charts. Im selben Jahr erreichte seine Interpretation von „Volare“ die Top 5 der US-amerikanischen Hitparade – bis heute eines seiner bekanntesten Stücke.

Ohne ihn hätte es „She Loves You“ nicht gegeben

Als er 1963 gerade England mit Konzerten beehrte, stiegen auf einmal die Beatles in seinen Tourbus. Er kannte sie nicht, aber sie kannten ihn. In der Pilzkopf-Chronik „The Beatles Anthology“ gab Paul McCartney 2000 zu Papier, dass „She Loves You“ auf einem Song von Bobby Rydell basiere. Weil er den genauen Titel nicht nannte, ist nicht ganz klar, ob es sich dabei um „Swingin‘ School“ (enthält einen „Yeah, yeah, yeah“-Refrain) oder „Forget Him“ handelt (ähnlicher Text).

Einmal nach Hollywood und wieder zurück

Im Jahr 1961 hat ihn die Produktionsfirma „Columbia Pictures“ unter Vertrag genommen. Für die Musicalverfilmung „Bye Bye Birdie“ wurde sogar die Vorlage umgeschrieben, um Rydell eine Hauptrolle zu geben. Der Streifen basiert auf dem gleichnamigen Broadway-Musical, welches die Absurditäten des Showgeschäfts und Rock’n’Roll-Zirkus persifliert. Es blieb jedoch seine einzige größere Rolle; nach Hollywood wollte er nicht: „Ich konnte es nicht. Der Lebensstil in Kalifornien hatte etwas an sich, das ich nicht gewohnt war. Ich war im Grunde ein Kind aus Süd-Philadelphia, und ich war ein Ostküsten-Typ, und ich konnte wirklich nicht in Kalifornien bleiben.“, sagte er in einem Interview aus dem Jahre 2013.

Bobby Rydell und Ann Margaret in „Bye Bye Birdie“

Beinahe im Alkohol ertrunken, kämpfte er sich zurück ins Leben

Doch der Erfolg zog schwarze Schatten nach sich: Über seinen jahrelangen Alkoholmissbrauch schrieb er die 2016 erschienene Autobiografie „Bobby Rydell: Teen Idol on the Rocks“. Dem Tod nahe, unterzog er sich im Juli 2012 einer Nieren- und Lebertransplantation. Danach war sein Terminkalender wieder voll, unter anderem beschallte er gemeinsam mit seinem Kindheitsfreund Frankie Avalon ein Kreuzfahrtschiff. Noch bis an sein Lebensende sang er seine Songs, die vor 60 Jahren die Welt bedeuteten.

Bobby Rydell während der Vorstellung seiner Biografie (2016)

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