Konzertkritik: BTS machen München eine Ansage – „Du bist gut genug!“
BTS live in München: 75.000 Fans erleben die spektakuläre „Arirang“-Tour. Die K-Pop-Boygroup vereint Hip-Hop, R&B und traditionelle koreanische Musik. Ein Show-Spektakel.
Ist das noch K-Pop? Ist das noch eine Boygroup? Dürfen die das? Da ein mächtig dröhnender Bass. Dort ein atemlos piepsender Helium-Groove. Da der Rapper RM, der fordert: „I need the whole stadium to jump/ Put your phone down, let’s get all the fun!” Dort der Sänger Jimin, der zart-verführerisch fleht: „I need some body to body/ All of your body beside me!” Da sieben Männer, die derzeit die erfolgreichste Band der Welt sind. Dort Frauen in traditionellen Kostümen. Und auf einmal schimmert durch diesen mit sexueller Spannung aufgeladenen R’n’B-Track namens „Body To Body“ die Melodie des alten koreanischen Volkslieds „Arirang“, das die 75.000 Fans inbrünstig mitsingen.
Am Samstagabend haben BTS in der Allianz Arena in München das erste ihrer beiden ausverkauften Konzerte im Rahmen der „Arirang“-Welttournee gegeben. BTS trauen sich und ihrem Publikum dort einiges zu, erweitern die Grenzen dessen, was man unter K-Pop versteht, dekorieren ihren Mix aus Hip-Hop, R&B, Pop und EDM musikalisch und visuell mit folkloristischen Elementen.
Die Dramaturgie der Show ist perfekt. Es geht los mit ambitionierten Songs wie „Hooligan“ oder „2.0“ vom aktuellen BTS-Album „Arirang“. Dann sind Hip-Hop-lastige Nummern wie „MIC Drop“ oder „Fire“ dran. Und später bringen BTS ihre Fans mit Hits wie „Butter“ und „Dynamite“ in Ekstase. Das ist so aufregend in Szene gesetzt, dass nicht wirklich auffällt, dass es bei der Show zwar Platz für rund 50 Tänzerinnen und Tänzer, nicht aber für eine Band gibt. Die 140 Minuten sind so akribisch durchgetaktet, dass musikalische Live-Elemente nur ein Störfaktor wären. Tatsächlich gleicht der Auftritt eher einer Live-TV-Show, in der die Kamera jede Bewegung der sieben BTS-Mitglieder genau kennt.
Auch bei BTS ist ein Anschein von Spontanität möglich
RM, Jin, Suga, j-hope, Jimin, V und Jung Kook, die seit 2013 BTS sind und inzwischen zwischen 28 und 33 Jahre alt sind, sind mit ihrer Musik erwachsen geworden. Trotzdem setzen sie weiterhin auf ihren Mädchenschwarm-Appeal. Jedes Mal, wenn eines der Gesichter der Bandmitglieder in Großaufnahme auf dem riesigen Band aus Videoleinwänden zu sehen ist, das über der 360-Grad-Bühne inmitten der Allianz Arena hängt, beginnt ein ohrenbetäubendes Kreischen. Und gerne enden die Songs genau mit solchen Großaufnahmen, bei denen Jin verträumt, RM cool oder V augenzwinkernd in die Kamera und damit in die Herzen ihrer Fans schauen.

Diese Show, die nichts dem Zufall überlassen will, ist trotzdem dann am aufregendsten, wenn zumindest der Anschein von Spontanität entsteht. Das gilt ein bisschen für die Parade im Finale des Songs „IDOL“, bei der BTS einmal komplett den Innenraum des Stadions umkreisen, und das gilt vor allem für den letzten der sechs Talks, die bei jedem Auftritt fest zwischen den Songs eingeplant sind.
BTS sitzen erschöpft auf einem sich im Kreis drehenden Podest, V und j-hope tragen Bayern-München-Trikots mit ihren Namen, und fast ein bisschen unbeholfen schwärmen sie von dem schönen Gesang ihrer deutschen Fans, von familiären Bezügen zu Deutschland, von München und von Schweinshaxen.
Und Jung Kook fängt an, sein „deutsches Lieblingslied“ zu singen: „Du bist gut genug! Du bist gut genug!“, trällert er im Falsett erst allein und dann von den Fans begleitet und grinst dabei so schüchtern-sympathisch, dass man ihm das unbedingt glauben will.
BTS in München: Setlist vom 11. Juli
- Hooligan
- Aliens
- Run BTS
- they don’t know ‚bout us
- Like Animals
- FAKE LOVE
- SWIM
- Merry Go Round
- 2.0
- NORMAL
- Not Today
- MIC Drop
- FYA
- FIRE
- Body to Body
- IDOL
- Come Over
- Butter
- Dynamite
- Baepsae (Überraschungstrack 1)
- Pied Piper (Überraschungstrack 2)
- Please
- Into The Sun