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Blackout Tuesday
Highlight: Die grüne Revolution

Bundestagswahl: Das Ende der Grünen, wie wir sie kannten

Am revolutionären Heinrichplatz in Berlin-Kreuzberg, gleich neben der Traditionskneipe „Zum Elefanten“, hängt über einem Ramschladen ein Transparent. „Kapitalismus Schweinesystem“ steht da drauf. An der Villa Reitzenstein in Stuttgart, dem Amtssitz des baden-württembergischen Ministerpräsidenten, hängen die deutsche Flagge und die der Europäischen Union.

Und damit sind wir auch schon beim Problem der Grünen: Sie kriegen das rebellische Dagegensein und das verantwortliche Regieren nicht zusammen. Die einen halten den grünen Ministerpräsidenten Kretschmann im Kopf nicht mehr aus. Die anderen halten die nicht mehr aus, die Kretschmann nicht aushalten. Die Dritten sind von beiden Seiten genervt. Der Vierte spielt sein eigenes Spiel. Die Fünften verstehen gar nicht, was der ganze Mist soll.

Winfried Kretschmann

Die einen, das sind die sogenannten Linken Grünen. Die anderen die sogenannten Realos. Die Dritten kommen aus Landesverbänden, die keine Flügel mehr haben. Der Vierte ist der Göttinger Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin. Und die Fünften sind die normalen Mitglieder, die schön brav Cem Özde­mir und Katrin Göring-Eckardt zum Spitzenduo gewählt haben und sich nun wundern, was daran falsch war. Und drumherum eine Mediengesellschaft, die gerade sowieso auf dem Trip ist, die Grünen blöd zu finden oder gar als historisch erledigten Fall abzuschreiben. Es gibt mehrere mögliche Bundestagswahlszenarien. Der worst ­case ist, die notwendigen fünf Prozent nicht zu schaffen und rauszufliegen.

Faktisch ist das nicht zu erklären. Die Grünen regieren in Baden-Württemberg führend und in zwei Dritteln der Länder mal mehr, mal weniger mit und sind über ihre Bundesratsmacht an allen wichtigen Entscheidungen der Bundesregierung beteiligt. Doch gerade das trägt zu ihrem Identitätsproblem bei, das an spätjuvenile Sinnkrisen erinnert. Und zwar bei manchen Funktionären und in manchen Milieus.

„Untadelige Funktionärinnen“

Die Schriftstellerin und Kulturjournalistin ­Elke Schmitter ist Mitbegründerin der „taz“, die fast parallel zu den Grünen entstand. Im „Spiegel“ hat sie beschrieben, wie sie, Jahrgang 1961, all die Jahre die Grünen gewählt hat, „die Partei meiner Gene­ration“, und ihr nun nach einem langen Erosions- und Entfremdungsprozess die lebenslange Loyalität aufkündigt. Dabei listet sie so einiges auf, zuvorderst die beiden Militärinterventionen der rot-grünen Bundesregierung. Die „habituelle Anpassung“ der damaligen Minister Fischer und Trittin. Den Übergang von „spektakulär widerständigen Frauenfiguren“ wie Petra Kelly zu „untadeligen Funktionärinnen“ wie Göring-Eckardt. Letztere und ihr Özdemir hätten heute das Motto: „Wir funktionieren, egal was kommt.“ Früher schien es Schmitter, als stünden sie selbst und die Grünen gemeinsam auf der anderen Seite, also der richtigen. Nun scheint es ihr, als stünden die Grünen auf der von ihr aus gesehen falschen Seite. Also bei den anderen.

Thomas Lohnes Getty Images


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