Highlight: Coldplay: Alles zum neuen Album – Tour erst in drei Jahren?

Frage für einen Freund: Ist das neue Coldplay-Album wirklich gut?

Man muss es so hart sagen: Coldplay haben in den vergangenen Jahren eine furchtbare Entwicklung genommen. Der Weg in die Stadion-Liga wurde gepflastert mit einem  hyperaktiven Konzeptalbum („Mylo Xyloto“), einer unsäglichen Trennungschmerzplatte („Ghost Stories“) und zuletzt mit Songs, die ein amerikanischer Kritikerkollege polemisch mit tröpfelndem Elefantensmegma verglich.

Was ist von diesen talentiertesten Musikern der neuen Britpop-Welle des dritten Jahrtausends also noch zu erwarten? Tatsächlich eine Menge!

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Die Aufnahmen für das Doppelalbum „Everyday Life“ wurden schon mit der Ambition begonnen, nicht mehr zu klingen wie die zur Weltmarke gereifte Softie-Formation, die Party-Hits für Stubenhocker schreibt. Coldplay bohren nicht in die Tiefe, sondern strecken die Hände in den Himmel. Sie häuten ihre Vergangenheit mit einem elektrisieren-den, durchaus auch kompromisslosen Experimentalkurs ab.

Chris Martins Stimme steht wieder im Vordergrund

Keines der 16 hochspirituellen Stücke klingt wie das andere. Es gibt Gospel direkt aus der Kirche („Broken“), bizarr-schönen Neo-Blues („Cry Cry Cry“), sogar Protest-Folk („Guns“) und ein berückendes Straßengewalt-Lamento („Trouble In Town“). Chris Martin singt dazu endlich wieder über sensible Themen („Daddy“, „Old Friends“), statt Sentimentalitäten auszugießen. Selbst die endorphingesättigten Hymnen wirken frisch wie nie („Champion Of The World“).

Um die verwirrende Mehrstimmigkeit einer Welt im Umbruch zu spiegeln (ohne Pathos geht es dann doch nicht), holt sich die Gruppe Straßen- und Klosterchöre und viele fremde Zungen vom Band zur Unterstützung. Manchmal ist das prätentiös. Aber der von Femi Kuti und Rapper Stromae unterstützte Jazz-Bombast „Arabesque“ – schlicht der aufregendste Song, den Coldplay je geschrieben haben – wischt jeden zaghaften Zweifel beiseite, dies könnte alles nur Masche sein.

Coldplay haben sich ein Freispiel erlaubt und ein Album gemacht, das U2 nicht mehr gelingen will und nach dem sich Arcade Fire verzweifelt sehnen.

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Silbermond: Tour-Verzicht von Coldplay lässt sie „erstaunt“ zurück

Um klimafreundlich zu arbeiten, würden Silbermond nicht auf Tourneen verzichten, so wie Coldplay. Stefanie Kloß sagte: „Ich finde, man muss nicht so radikal sein und komplett auf Konzerte verzichten, man kann Stück für Stück versuchen, es klimaschonender zu arrangieren – ohne Konfetti.“ Damit spielte die Sängerin auf die Band Chris Martins an; Coldplay sind für aufwendige Bühnenshows bekannt, bei denen allerlei Zeugs durch die Stadien gepustet wird. Martin gab jüngst bekannt, so lange bühnenabstinent zu bleiben, bis klimaneutrale Konzerte möglich seien: Es würde dann also keine Tour zum neuen Album „Everyday Life“ geben. Kein Höher, schneller, weiter'-Wettbewerb Kloß sagte weiterhin zur…
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