Coldplay: Geschichte einer enttäuschten Liebe


Was ist nur aus dieser Band geworden, die einmal so treffend den „Trouble“ nach der verloren gegangenen Liebe besang, sich in die Gehirnwindungen eines Wissenschaftlers vergraben konnte, das erbarmungslose Verstreichen der Lebenszeit in eine grelle Klavier-Tanz-Nummer überführte und den Titel eines ihrer kürzesten und schönsten Songs dem goldenen Mantra eines Kultbuchs für Nerds und Studenten entlieh?

Ich muss zugeben, dass ich an Coldplay verzweifle. Ich kann nicht begreifen, wie es möglich sein kann, dass vier doch recht begabte Typen, die einen Haufen unsterblicher Lieder geschrieben haben, plötzlich aufgehört haben, Musik zu machen. Oder wenigstens Musik, die berühren will. Wie sensibel waren die Welt- und Selbstbeobachtungen dieser Band einmal. Inzwischen werden ihre Songs von einer selten geschmackssicheren Sentimentalität angetrieben.

Man nehme dagegen nur „Such A Rush“, einen der Tracks, den die Briten 1999 auf ihrer längst vergriffenen EP mit dem so wunderbar treffenden Namen „The Blue Room“ veröffentlichten: „Such a rush to do nothing at all“, singt, nein: fleht Martin zu kühlen, verhaltenen Gitarrenklängen, bis er von nervösem Schlagzeugeinsatz begleitet in eine immer dringlicher werdende Klage über die nur noch dem Geldfluss hinterhereilende Menschheit übergeht.

Musik von Millionären

Coldplay, so scheint es, sind längst selbst diesem Geldfluss erlegen. Mit mehr als 80 Millionen verkauften Tonträgern gehören sie schon lange zu den Großen im Geschäft, deren Umsätze den Aktionären ihrer Plattenfirma zuverlässig eine schöne Weihnachtsdividende verschaffen. Zu den unangenehmen Folgewirkungen gehört allerdings auch, dass man das der Musik von Platte zu Platte mehr angehört.

Von „X&Y“, der noch von melancholischen Hymnen bestimmten, eher luftigen als schwierigen dritten Platte bis zu „A Head Full Of Dreams“, dem nach Aussagen der Band möglicherweise letzten Album, kann man, von einigen Ausreißern abgesehen, die Entwicklung einer Gruppe beobachten, die ihre künstlerische Idee, ihr musikalisches Leitbild, zugunsten eines planlosen Zusammenquirlens von Popstandards und Performance-Trends vollkommen aufgegeben hat.



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An Barack Obamas virtueller Abschlussfeier für den Jahrgang 2020 nahmen viele Prominente teil, die Reden hielten und auch Musik spielten. Einer von ihnen war U2-Sänger Bono, der gemeinsam mit anderen Stars wie Noah Cyrus, Tove Lo, Ty Dolla $ing, Khalid, Leon Bridges, Camila Cabello, Ben Platt, Cynthia Erivo und Chris Martin mit einem Cover von „Beautiful Day“ aus der Heimisolation und einer anregenden Rede zu den Feierlichkeiten beitrug. Bono thematisierte in seiner Rede, wie er als Ire über Amerika empfinde, und weshalb die diesjährige Abschlussklasse zu einer Veränderung beitragen könnte. Bono und der American Dream Als Ire habe er immer…
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