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Highlight: Serien wie „Mindhunter“: Geschichten von Detektiven, Ermittlerinnen und den 70er-Jahren

Willander Sieht Fern

Das letzte gute Land – Arne Willander über das Finale von „Mad Men“

Vielleicht muss man an den Anfang zurückgehen, um den Ausgang von „Mad Men“ antizipieren zu können. Dass Rachel Menken gestorben ist, hat genau die symbolische Fallhöhe, die der Serien-Schöpfer Matthew Weiner liebt. Rachel ist die jüdische Kaufhauserbin, die Draper in der ersten Staffel engagiert, die unzufrieden mit seinen Vorschlägen ist und die ihn schließlich auf das Dach des Gebäudes auf der Fifth Avenue führt, wo sie von ihrer einsamen Kindheit und von ihrem Hund erzählt. Sie sei nie verliebt gewesen, sagt sie schon vorher. „Das, was Sie unter Liebe verstehen, ist von Leuten wie mir als Slogan erfunden worden, um Strumpfhosen zu verkaufen“, entgegnet Draper. Sie erkennt in ihm den einsamen Außenseiter, eine verwandte Seele. Und Draper bringt das gesamte hartgesottene Existenzialismus-Programm auf den Tisch: „Wir werden allein geboren und sterben allein. Ich lebe, als gäbe es kein Morgen – denn es gibt keins.“ Vor dem Kuss wispert Draper: „Ich wusste, was ich wollte, seit du zum ersten Mal aus meinem Büro gestürmt bist.“ – „Du bist aus deinem Büro gestürmt“, sagt Rose – und es war nicht einmal Drapers Büro.

In der siebten Staffel hat der Mann, der die Frauen liebt, eine erotische Vision: Rachel führt eine  Pelzjacke vor. Dann erfährt er, dass sie eine Woche zuvor gestorben ist. Bei der Totenwache steht er wie ein Schulbub an der Tür, das jüdische Zeremoniell wird im Hintergrund begangen. Die Schwester der Toten weiß, wer er ist. Zehn Jahre nach dem Moment auf dem Kaufhausdach möchte er wissen, wie Rachels Leben war. Sie hatte alles, was sie sich wünschte – aber sie hatte Don Draper nicht, denn er war verheiratet. Rachel Menken ist der Weg, den Draper 1960 nicht ging.

Vom Ende her betrachtet sieht „Mad Men“ natürlich wie ein Reißbrett-Entwurf aus, der brillanteste Reißbrett-Entwurf aller Zeiten freilich. Die Szene, wie der Nachbarssohn die einhütende Betty Draper auf dem Klo beobachtet, ihr anschließend sagt, wie hübsch sie sei, und eine Locke von ihr haben möchte, ist eines der Bravourstücke, und January Jones’ filigrane Darstellung von verwöhntem Töchterchen, prüdem blonden Gift und nervös-gelangweilter Hausmamsell muss immer wieder gepriesen werden. Matthew Weiner zeigt den Patriarchalismus und Sexismus jener Zeit, die Verfügbarkeit der Frauen, das Elend von Verhütung und Hausfrauen-Innuendo, die Heimlichkeit der Homosexualität, die schwiemeligen Zoten, das onkelhafte Getue, die Bigotterie, die Sauferei und die Spießigkeit. Der „gut aussehende Kriegsheld“, von dem es aus dem Fernseher tönt, ist nicht Kennedy, sondern Nixon.



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