Dennis Wilson, der wildeste der Beach Boys, ertrinkt im Meer


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Im Wasser von Marina Del Rey bei Los Angeles begibt Dennis Wilson sich ins Wasser, um nach Gegenständen zu suchen, die er drei Jahre zuvor von seiner Yacht geworfen hatte. Der Beach-Boys-Schlagzeuger war betrunken an diesem Tag. Er ertrank am 28. Dezember 1983, wenige Wochen nach seinem 39. Geburtstag.

Wir erinnern an Dennis Wilson mit einer Besprechung seines 1977er-Soloalbums „Pacific Ocean Blue“, der Text erschien in ROLLING STONE 7/2008. Von Arne Willander.

Das offene Meer

Die adoptierten Beach Boys waren nicht amüsiert, als im August 1977 „Pacific Ocean Blue“ erschien. „Most people don’t know it’s been out or what it’s about“, teilte Bruce Johnston mit, der natürlich selbst keinen Schimmer hatte, wovon die Songs handeln. Der maliziöse Mike Love, der die Beach Boys durch die 70er Jahre lavierte, hätte die Solo-Platte am liebsten verhindert. Johnston will Dennis Wilson das Klavierspiel beigebracht haben, „I think Dennis could have used a really intelligent production person to make that album.“

Auch darin irrte Johnston spektakulär. „Pacific Ocean Blue“ ist großartig in überladenen, überkandidelten Passagen mit Bläsern, Streichern, Orgeln, Chören und mäandernden E-Gitarren. Manche Stücke singt Wilson mit gebrochener oder reichlich Hall versehener Stimme zu Keyboard-, Gitarren- und Percussion-Begleitung: „Thought Of You“ und „You And I“. Nur das mit Mike Love geschriebene „Pacific Ocean Blue“ erinnert mit dem Chor im Hintergrund und der Humpta-Neigung an schlechte Beach-Boys-Stücke. Die meisten Songs hatte Wilson indes mit Gregg Jakobson verfasst, der das Album auch produzierte (und zwar, im Laissez-faire, „really intelligent“). Vier Schlagzeuger, drei Bassisten und vier Gitarristen werden im Booklet aufgeführt.

Das Album spiegelt die Stimmungsschwankungen Dennis Wilsons und seine janusköpfige Natur: Hier ist durchaus nicht alles melancholisch, grüblerisch, genialisch. Vielmehr scheint im Studio das Maß (das die Beach Boys stets hielten) verloren gegangen zu sein, ähnlich wie bei Gene Clarks bombastischem Drogenflug „No Other“von 1974. Und als Dennis Wilson sozusagen aufs offene Meer segelte, entstanden Momente von anrührender Schönheit, die der Gemütsmensch nicht auf dem Papier geplant hatte.

Viel von der prekären Balance und den wundersamen Arrangements hört man auch auf der zweiten CD dieser wunderbaren Edition – sie enthält die Sessions zu „Bambu“, dem Album, das niemals realisiert wurde.

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