Festivalbericht

Der Sonntag bei Rock am Ring 2026: Erst Malle-Party, dann Metal-Oper

Ballermann-Musik und Metal gehen bei Rock am Ring erstaunlich gut zusammen.

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Am Sonntag darf Rock am Ring noch einmal ganz klassisch Rock am Ring sein. Nach dem Nullerjahre-Rausch am Freitag und dem zeitgemäßen Partysamstag gehört der dritte und letzte Festivaltag wieder stärker den großen Namen des Rock – und das sogar bei strahlendem Sonnenschein.

Party bei bestem Festivalwetter

Bad Nerves
Bad Nerves

Die britische Band Bad Nerves läutet den Sonntag mit jener Sorte ungeduldiger, kurz angebundener Rockenergie ein, die am dritten Festivaltag nötig ist: Wer nach zwei langen Nächten ein wenig schläfrig ist, kann sich zum schnellen Garage-Pop-Punk der Jungs aus Essex wachzappeln. Wer lieber ausschläft oder noch die letzten Reserven auf dem Campingplatz verzehrt, kommt später zur zügellosen Malle-Party von Finch, bei der schnelle, wummernde Techno-Schlager den Ring beschallen, der Kanzler sein Fett wegbekommt und Deutschlands Herzenswal Timmy gedacht wird.

Später sorgt President auf der Orbit Stage für eines der rätselhafteren Bilder des Wochenendes. Die Band setzt ganz auf Anonymität: Der Sänger im feinen Dinneranzug trägt Maske, die übrigen Bandmitglieder spielen mit schwarzen Überziehern über den Köpfen. Erst 2025 hatte die Band ihren ersten Auftritt – noch ohne einen offiziell veröffentlichten Song spielten sie auf dem renommierten Download-Festival. Die Neugier auf President trieb daher auch viele Ring-Besucher herüber, um sich selbst ein Bild vom Hype zu machen.

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The Offspring

The Offspring

The Offspring müssen dagegen schon lange nichts mehr beweisen. Die Band kann auf ihr bewährtes Rezept für eine gelungene Live-Show setzen. Routiniert und mit ein paar flotten Sprüchen gespickt spielen sie Songs, die jeder vom Skatepark oder dem Schulhof kennt. Aber auch ein paar Coverversionen von Black Sabbaths „Paranoid“ und Ozzy Osbournes „Crazy Train“ können nicht schaden. Und natürlich sind sie sich ziemlich sicher, dass dieses Publikum die beste und größte Crowd ist, die sie je hatte. Ja, ganz bestimmt sogar. Jetzt noch ein paar große aufblasbare Bälle dazugeben und fertig ist der unbeschwerte Pop-Punk-Spaß.

Iron Maiden

Iron Maiden

Wenn eine Band für den großen Sonntags-Slot gemacht ist, dann diese: Iron Maiden starten mit „Murders in the Rue Morgue“, „Wrathchild“, „Killers“ in den Abend und bleiben – zur Freude der eingefleischten Fans – musikalisch in der Vergangenheit. Der Großteil der Setlist stammt aus den Achtzigern, der jüngste Song „Fear of the Dark“ erschien 1992. Bruce Dickinson, der mit niedlichem Pferdeschwanz die Bühne betritt, hat für das knapp zweieinhalbstündige Metal-Spektakel einige Outfits mitgebracht. Ebenso findet Maskottchen Eddie seinen Platz in der monumentalen Metal-Oper, in der auch die detaillierten Visuals eine ganz eigene Welt erschaffen.

Gegenentwurf zum Maiden-Spektakel

Wer mit Dickinson, Eddie und der traditionellen Heavy-Metal-Keule weniger anfangen kann, findet zeitgleich auf der Mandora Stage mit A Perfect Circle ein atmosphärisches Kontrastprogramm. Maynard James Keenan und seine Band bewegen sich zu ihren melodisch ausgefeilten Songs wie „The Noose“ und „The Package“ als Schattenfiguren über die strahlende Bühne.

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Ganz vorbei ist der Tag aber auch nach Iron Maiden noch nicht. Nach einem bombastischen Feuerwerk eilen die Zuschauer noch ein letztes Mal zur Mandora Stage, wo Sabaton den späten Schlusspunkt des Festival-Wochenendes setzen. Die Schweden liefern ihre bewährte Mischung aus Power Metal und Kriegsgeschichts-Pathos – so mancher spricht im Anschluss sogar von der besten Show des Tages.

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Dieter Jakob
Dieter Jakob
Dieter Jakob

Kristina Baum schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.