Die 10 besten Hörspiele von „Europa“
Podcast „Plastik im Ohr“ kürt für ROLLING STONE die zehn besten EUROPA-Hörspiele – von Hui Buh bis Retro-Horror.
Torsten Diersen und Oliver Schultze sprechen in ihrem Podcast „Plastik im Ohr“ über Kino, Serien, Hörspiele, Games, Sammelfiguren und alles zwischen Retro-Charme und aktueller Popkultur. Mit der „Königin der Hörspiele“, Heikedine Körting, sprechen sie ausführlich über ihr Leben und ihre Arbeit:
Für ROLLING STONE hat Plastik im Ohr die zehn besten „Europa“-Hörspiele aller Zeiten gekürt:
„Hui Buh in neuen Abenteuern“ (1973)

Schloss Burgeck wird modernisiert und Hui Buh hat alle Knochenhände voll zu tun, das zu verhindern. Baumaschinen werden sabotiert, Handwerker verschreckt und die Burg bei einem Würfelspiel verzockt. Doch König Julius der Dritte kann es richten und so kann das Gespenst auch weiterhin im Schloss sein Unwesen treiben.
Das einzige Hörspiel der Serie, in welchem Helmut Kolar dem Gespenst seine Stimme lieh, da Hans Clarin zu diesem Zeitpunkt zeitlich verhindert war. 1975 wurde diese Folge mit Hans Clarin aus Kontinuitätsgründen neu eingesprochen. Die Kolar-Version wurde erstmals 2021 als Bonus-Track in der Hui Buh-Nostalgiebox angeboten, ist als Einzelhörspiel bisher jedoch nicht erhältlich.
„Rätsel um … die grüne Hand“ (1976)

In Enid Blytons Klassiker stoßen die Kinder Nick, Peggy, Mike, Nora und Jack auf eine geheimnisvolle Einbruchserie, bei der stets ein grüner Handabdruck zurückbleibt. Als sie einem Zirkus und einer Bande von Dieben auf die Spur kommen, wird aus dem Sommerabenteuer ein gefährliches Detektivspiel – bis die „grüne Hand“ entlarvt wird.
Es ist das erste Hörspiel der Rätsel um…-Reihe, das inhaltlich sicherlich mit vielen anderen Enid-Blyton-Abenteuern austauschbar ist. Dennoch sind hier insbesondere das gruselige Cover und der direkte Einstieg ohne Musik hervorzuheben. Das Cover spoilert unmittelbar, zumindest wenn man die Geschichte dann kennt. Das Hörspiel war der Türöffner für eine Blyton-Parallelwelt bei EUROPA neben den „Fünf Freunden“.
„Dracula – Die Geschichte des berühmten Vampirs“ (1976)

Der Makler Jonathan Harker reist nach Transsilvanien, um dem Grafen Dracula ein Grundstück in London zu vermitteln. Schnell wird klar, dass der Vampir andere Ambitionen hat. Während der Graf seine Reise vorbereitet gelingt es Harker aus dem Schloss zu entkommen. Zurück in London kommt es zusammen mit Professor Van Helsing zum Showdown.
Freie Adaption des Romans von Bram Stoker über den wohl berühmtesten Vampir der Welt in einer von Heikedine Körting bearbeiteten Fassung des ursprünglich 1970 entstandenen Hörspiels „Dracula – Jagd der Vampire“ unter der Regie von Konrad Halver. Die hier genannte Fassung erfuhr diverse Dialogänderungen und -kürzungen, um den Stoff etwas geschmeidiger für jugendliche Ohren zu gestalten.
Auch wurden die kammerspielartigen Dialoge mit atmosphärischen Soundeffekten und zusätzlichen Musiken angereichert, um eine stärkere Hörspieldynamik zu erzeugen. Im Gegensatz zur original Halver-Version von 1970, erfuhr diese Version des Hörspiels bisher keine weitere Verwertung auf CD oder im Streaming. Das Cover-Art gehört zu den Schönsten des Künstlers Van Vindt (Olof Feindt).
20.000 Meilen unter dem Meer“ (1977)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entpuppt sich ein von der „Abraham Lincoln“ gejagtes Seeungeheuer als Unterseeboot des verbitterten Kapitän Nemo, der das Schiff versenkt und den schiffbrüchigen Professor Aronnax, nebst seinem Diener Conseil und den Harpunier Ned Land an Bord nimmt. Gefangen in der Tiefsee werden Fluchtpläne geschmiedet, während allerlei Abenteuer erlebt werden.
Liebevolle Hörspieladaption des gleichnamigen Jules-Verne-Klassikers mit einem brillianten Horst Frank als Kapitän Nemo und Richard Lauffen als Professor Aronnax. Beide haben ebenfalls bei der Serie „Timm Thaler“ als Baron de Lefouet (Frank) und Anatol (Lauffen) mitgewirkt. Dieses Hörspiel gilt gemeinhin als das Beste, der insgesamt vier erschienen Jules Verne-Vertonungen aus dem Hause EUROPA.
„Die Jungens von Burg Schreckenstein“ (1978)

Erzählt vom Internat hoch über dem See, wo Stephan und seine Freunde mit genialen Streichen gegen die benachbarte Mädchenschule Rosenfels antreten. Doch zwischen Mutproben und Schultricks wächst echte Freundschaft. Europa fängt den Witz, die Wärme und das Freiheitsgefühl dieser Jugendgeschichte mit unverwechselbarem Retro-Charme ein.
Der Cast der Schreckensteiner ist das Who’s Who der End-Siebziger-Jugendhörspiele von EUROPA. Neben der herausragenden Geschichte ist die Folge ein Zeitdokument der damaligen Jugendsprache. Die Schreckensteiner haben Gruppen- und Mengentöne aufgenommen, die noch viele Jahre in anderen Hörspielen verwendet wurden. Wir warten weiterhin auf ein Streaming-Release. Die Vinylplatten und Kassetten sind auf Flohmärkten zu finden.
„Krieg im All“ (1978)

Dark, der Kommandant des Orion-Spiralarms der Galaxis lässt die Gefangene des Imperiums Duchess Daughtal entkommen, damit sie ihn zum Versteck der Starduster führt, um so das Schicksal der freien Menschheit in der Milchstraße zu besiegeln.
Verfolgt von der RAD, dem mächtigsten Raumschiff der Galaxis und Begleitet von den Robotern Gamma-qu und KUT-2, schickt sich Duchess Daughtal an Dark zu bezwingen und so die Welt Vadigan vor dem Imperium zu schützen.
Nicht nur der Name des Hörspiels, lässt gewisse Ähnlichkeiten vermuten, sondern auch die Storyline und auch die Protagonisten dürften dem ein Jahr zuvor erschienen „Krieg der Sterne (Star Wars)“ entlehnt sein.
H.G. Francis hat sich hier deutlich den Elementen des Films bedient, aus heutiger Sicht gar als Hommage an das Werk von George Lucas zu betrachten.
„Fünf Freunde im Nebel“ (1979)

Wieder sind die Fünf Freunde einem Geheimnis auf der Spur – diesmal in der unheimlichen Gruselheide, wo sich Nebel und Legenden mischen. Ein alter Schmied weiß mehr, als er sagt, ein Flugzeug kreist nachts über der Heide, seltsame Lichter flackern im Dunkeln. Julian, Dick, Anne, George und Timmy stürzen sich ins Abenteuer – klassischer Europa-Thrill mit Gänsehaut und Herz.
Der Titelsong ist von Carsten Bohn eingesungen. Der Song existiert noch und wird weiterhin verwendet, weil er einschließlich aller Verwertungsrechte pauschal an EUROPA verkauft wurde. Die Fans der Fünf Freunde sind mit dieser Lösung sehr glücklich und können darüber hinwegsehen, dass die Hauptrollen bereits von drei Generationen verschiedener Sprecher verkörpert wurden.
„Das Duell mit dem Vampir“ (1981)

Folge 6 der Europa-Gruselserie führt das Reporterpaar Tom Fawley und Eireen Fox in ein unheimliches Hotel, wo nächtliche Schreie und eine Spur aus dem Kamin ins Grauen weisen. Zwischen Werwolf-Mythos und Vampirlegende entfaltet sich ein klassischer Europa-Schocker – düster, theatralisch und meisterhaft gesprochen von Horst Frank und Brigitte Kollecker.
Doch wer ist Senior Petersen? Senior Petersen soll „etwas von einem Wolfsmenschen gesagt haben“, so berichtet der Doc. Mystisch: Petersen hatte zuvor keinen Auftritt. Wir lernen außerdem in diesem großartigen Hörspiel, dass Werwölfe kitzelig sein können. Neben Frank und Kollecker brillieren Cordula Hubrich und Joachim Wolf.
„Phonophobia – Sinfonie der Angst“ (2015)

Ein gemütlicher Rundflug in einem Heißluftballon endet in einem verzwickten Fall.
Das „Kolorphonikum“, eine Erfindung, die ermöglichen soll, dass Musik nicht nur gehört, sondern auch geschmeckt, gerochen und gesehen werden kann. Doch die dabei erzeugten Töne können nicht nur positive Sinneseindrücke schaffen: Der japanische Komponist Yamada und das Ensemble können auch Angst und Kälte erzeugen, was die Drei Fragezeichen bald am eigenen Leib erleben.
Erneut ein spezialgelagerter Sonderfall für Justus, Peter und Bob. Nach dem großen Live-Erfolg von „Master of Chess“ eine eigens für die Bühne entwickelte Geschichte, die als Live-Hörspiel inszeniert und von den Original-Sprechern vorgetragen wird.
„Kakerlaken – Todesbrut der Parasiten“ (2025)

Es klingt, als hätte EUROPA seine staubigen Effektbänder aus den 70er- und 80er-Jahren wiederentdeckt: kratzende Türen, schleifende Ketten, rauschende Kellerluft – alles original, alles Retro-Gänsehaut. Ein modernes Gruselhörspiel, das alte Fans mit vertrauten Sounds packt und neue mit seinem dreckig-authentischen Horror begeistert.
Es ist ein B-Movie-Horrorfilm für die Ohren, der mit dem streitenden Pärchen und der klassischen Gruselgeschichte zu überzeugen weiß. Es besteht die Hoffnung, dass die Reihe, die an die Gruselserie der achtziger Jahre erinnert, diesmal mehr als 18 Folgen bietet.