Die 60 besten Soundtracks aller Zeiten

Die beste Filmmusik aus den letzten 70 Jahren - mit „Spiel mir das Lied zum Tod“, „Tanz der Vampire“, „Blade Runner“, „The Virgin Suicides“, „Herr der Ringe“ und „Under The Skin“.

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Empfehlungen der Redaktion

Der Swimmingpool (1969)

Michel Legrand

Legrand hatte eine Oscarnominierung erhalten („Die Regenschirme von Cherbourg“) und arbeitete bereits erfolgreich in Hollywood. Für Jacques Derays Thriller ging er zurück zur Côte d’Azur, holte den Jazz aus Amerika rüber, Orgel-psychedelisch, schwül. Die Hauptdarsteller Alain Delon und Romy Schneider waren sechs Jahre zuvor ein Paar, mit seiner Musik brachte Legrand sie auf der Leinwand wieder zusammen.

Blow-Up (1969)

Herbie Hancock 

Antonionis Film war ein eklektizistisches Stück Kunst, widmete sich verspätet dem Swinging London, bediente dennoch die Gegenkultur – und bot Hancock in seinem ersten Soundtrack die Möglichkeit, mit Surf und Beat zu experimentieren. „Bring Down The Birds“ begründete einen der bekanntesten Dance-Songs der letzten 30 Jahre: Weil Deee-Lite die Basslinie 1990 für deren Hit „Groove Is In The Heart“ nutzten.

Asphalt-Cowboy (1969)

John Barry

Harry Nilssons Version von Fred Neils „Everybody’s Talkin’“ überstrahlte Barrys Score, die Instrumentals aber setzten die erzählerischen Akzente. John Schlesingers Drama um zwei Außenseiter in New York, der eine ein schwules Landei (Jon Voight), der andere ein kränklicher Trickbetrüger (Dustin Hoffman), stattete Barry mit zynischen, quälend langsamen Oden an die Stadt aus.

Brennpunkt Brooklyn (1971)

Don Ellis 

Jazzer schreiben Soundtracks, das war 1971 nicht mehr neu. Ellis’ Zugang schon. Für William Friedkins Thriller schuf der Avantgardist verstörende Miniaturen, die mehr Atmosphäre waren als konventionelle Musik. Die verzögerte, verhallte Trompete illustrierte den elendigen Zustand der Stadt New York, die sich aus dem Klammergriff der „French Connection“ (Originaltitel) zu befreien versuchte.

Uhrwerk Orange (1971)

Walter Carlos 

Während Walter Carlos sich einer Geschlechtsumwandlung unterzog und heute Wendy heißt, vollendete er diese Adaption klassischer Stücke, z.B. Beethovens 9. Symphonie oder Rossinis „Diebische Elster“. Elektro-Fantasien, verfremdet durch den Vocoder-Vorläufer Spectrum Follower, der jeden Ton klingen lässt, als irrte man durch einen Jahrmarkt des Grauens.

Shaft (1971)

Isaac Hayes 

Die Hauptrolle ging an Richard Roundtree, aber den Ruhm erntete Hayes. Vier Grammys bekam er – und für den Song „Theme From Shaft“ als erster afroamerikanische Musiker einen Oscar. Der kulturelle Wert des Blaxpoitation-Films kann nicht überschätzt werden. Hayes ließ es sich nicht nehmen, den Detektiv statt mit einer Jobbeschreibung so vorzustellen: „Who’s the black private dick / That’s a sex machine to all the chicks?“

Aguirre, der Zorn Gottes (1972)

Popol Vuh 

In einer gerechten Welt müssten Popol Vuh zur heiligen Allianz Klaus Kinski/Werner Herzog aufschließen dürfen. Die von Florian Fricke gegründete Band stattete deren Abenteuer mit eskapistischem New Age und indischer Spiritualität aus. Daraus entstand, hier und bei „Fitzcarraldo“, ein spannendes Missverhältnis – die Musik klang weiser und perspektivischer als Kinskis wütendes Verharren im Jetzt.

Superfly (1972)

Curtis Mayfield 

Der einzige Soundtrack, der ein Genre deutlicher förderte als sein Film. Mayfield erhob Blaxploitation zum Statement afroamerikanischer Subkultur, indem er die Story eines Koksdealers (Ron O’Neal) viel kritischer betrachtete, als das im Kino geschah. Soul wie „Freddie’s Dead“ machte auf Armut und Rassismus aufmerksam – nicht umsonst wird diese Platte in einem Atemzug mit Marvin Gayes „What’s Going On“ genannt.

Der Pate, Der Pate – Teil II (1972/74)

Nino Rota/Carmine Coppola

Es gibt Walzer, bei denen klopft der Tod an, sie sind nicht freudig, sondern melancholisch. Wie Nino Rotas „Godfather Waltz“, der die Geschichte einer Mafia-Familie voller Morde ankündigt. Für den zweiten „Pate“-Score zeichnete der Vater des Regisseurs, Carmine Coppola, verantwortlich. Das tragikomische „Kay“, eine Variation von Duke Ellingtons „Lotus Blossom“,  ist der traurigen Corleone-Gattin gewidmet.

Der Clou (1973)

Marvin Hamlisch

Über die Originalität des Soundtracks von George Roy Hills Gangsterdrama, in dem Paul Newman und Robert Redford während der Großen Depression den ultimativen Raub planen, lässt sich vielleicht streiten: Hamlisch verantwortete werkgetreue Klassiker-Adaptionen. Allerdings brachte er den Ragtime wieder ins Bewusstsein und natürlich dessen König, Scott Joplin („The Entertainer“).

Every Nigger is a Star (1974)

Boris Gardiner 

Der Score ist der Heilige Gral des Reggae – weil der dazugehörige Film als verschollen gilt. Er soll sehr schlecht sein. Die Rückkehr eines Jamaikaners in seine Heimat illustrierte Gardiner jedoch mit einigen der einprägsamsten Melodien des Genres. Der Soundtrack ist hip, seit Kendrick Lamar ihn 2015 auf „To Pimp A Butterfly“ sampelte und der Titelsong im Kinohit „Moonlight“ untergebracht wurde.

Der weiße Hai (1975)

John Williams

Regisseur Steven Spielberg hielt es zunächst für einen Witz, als Williams ihm am Klavier die Zweitonmelodie vorspielte. Heute gilt die sich ins Crescendo steigernde Tonfolge als wohl berühmteste neben Beethovens 5. Symphonie. Die Hai-Nummer ist heute Allgemeingut des Entertainments, würde gar als Parodie funktionieren, wenn man einen Hamster beim Jagen zeigt.

The Rocky Horror Picture Show (1975)

Richard O’Brien 

Der erste große „Rocky“ der Popkultur war nicht der Boxer, sondern diese Musical-Verfilmung um Dr. Frank N. Furter (Tim Curry), in dessen Horror­schloss sich Meat Loaf durch die Hallen wuchtet. Richard O’Brien, als Riff Raff in einer Nebenrolle, schrieb Psycho-Party-Hits, wie den „Time Warp“. Damals schon als Queer-Statement gefeiert – und im Pop-Niemandsjahr des Jahrzehnts, 1975, ein Lichtblick.

Taxi Driver (1976)

Bernard Herrmann

Regisseur Martin Scorsese konnte für seinen Film den Hitchcock-Komponisten verpflichten. Herrmann verstarb vor der Kinopremiere. Die Psychopathie des Vietnam-Veteranen Travis Bickle (Robert De Niro) äußert sich in Trompeten-Attacken, kaum abgebremst durch schwindelerregend gespielte Harfen, während Travis’ unglücklich verlaufende Romanze mit Betsy (Cybill Shepherd) durch Easy Jazz verhöhnt wird.

Die drei Tage des Condor (1975)

Dave Grusin

Robert Redford und Regisseur Sydney Pollack liebten Grusin – dennoch erstaunlich, dass sie für ihren Polit-Thriller um einen CIA-Analysten, der innerhalb der Behörde ein Komplott aufdeckt, diesen Score abnickten. Der heute 83-Jährige lieferte kein bedeutungsschweres Drama, sondern Uptempo-Jazz-Funk, in dem der seit „Shaft“ salonfähig gewordene Wah-Wah-Gitarreneffekt prominenten Einsatz findet.

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