Die 60 besten Soundtracks aller Zeiten

Die beste Filmmusik aus den letzten 70 Jahren - mit „Spiel mir das Lied zum Tod“, „Tanz der Vampire“, „Blade Runner“, „The Virgin Suicides“, „Herr der Ringe“ und „Under The Skin“.

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Empfehlungen der Redaktion

Rocky (1976)

Bill Conti 

Bei „Gonna Fly Now“ möchte man tausend Stufen emporrennen. Die Sportlerhymne beeindruckt durch ihre Fusion aus Chor, Orchester und Soulband – selten klangen Schlagzeug und Streicher so fein austariert. Stücke wie „Take You Back“ huldigen dem Brennende-Mülltonnen-Flair des gebeutelten Philadelphias, „Reflections“ ist eine Hommage an „Summer Madness“ von Kool & The Gang.

Das Omen (1976)

Jerry Goldsmith 

„Sanguis bibimus, corpus edimus, tolle corpus Satani“: „Wir trinken das Blut, wir essen das Fleisch, wir erwecken den Körper Satans zum Leben.“ In Richard Donners Film wird der Beelzebub wiedergeboren, und Goldsmith textete lateinische Gebete in Oden an den Teufel um – heute in okkulten Werken gängig, damals revolutionär. Oscar für den Score, „Ave Satani!“ erhielt eine Nominierung als Filmsong(!).

Saturday Night Fever (1977)

Bee Gees

Die Randnotizen über einen der erfolgreichsten Scores aller Zeiten sind fast noch aufregender als die Disco-Songs: Die Bee Gees wurden erst in der Postproduktion engagiert, schrieben dann innerhalb eines Wochenendes „Stayin’ Alive“, „How Deep Is Your Love“ und „More Than A Woman“. Und jeder Fan wollte wie Tony Manero (John Travolta) sein, der auf der Tanzfläche nicht mehr Working Class ist, sondern King.

Midnight Express (1978)

Giorgio Moroder 

Das Missverhältnis zwischen Setting und Musik störte nicht: Statt Folklore zu nutzen – das Drama spielte sich in einem Istanbuler Gefängnis ab –, vertraute Hi-Energy-Pionier Moroder seinen Synthesizer-Symphonien, die ihm seinen ersten Soundtrack-Oscar einbrachten. Das repetitive „Chase“ ist ein Disco-Klassiker. Das Titelstück wirkt wie eine Bontempi-Oper aus den größten Lautsprechern der Welt.

Halloween (1978)

John Carpenter 

Unverschämtes Understatement: Weil er nicht komponieren, geschweige denn sich Musiker leisten könne, so Carpenter, habe er den Score zu seinem Slasher-Film selbst eingespielt, in drei Tagen. Heute gilt er als Messlatte für reduzierte Elektro-Soundtracks. Das Titelmotiv ist der Geniestreich, dessen 5/4-Takt mit hämmerndem Klavier zum Inbegriff von Panik geworden ist.

Zombie (1978)

Goblin

Für die europäische Filmversion seines Zombie-Klassikers engagierte Regisseur George A. Romero die italienischen Fusionrocker. Sie empfanden jene Musik nach, die Überlebende der Apokalypse in einer amerikanischen Shopping Mall hören würden: Muzak, Cowboy-Jangle, Soft Jazz. Als die Untoten die Mauern einreißen, kommen Herzschlagtrommeln und düstere Synthi-Orchester dazu.

Apocalypse Now (1979)

Carmine Coppola 

Am bekanntesten sind natürlich Wagners „Walkürenritt“ bei der Bombardierung des Dorfs sowie „The End“ der Doors samt Rotorengeräusch. Aber für den wahren Vietnamkriegs-Horror sorgen die in tiefste Schützengräben hinabrauschenden Synthi-Sounds von Coppola sowie der Percussion-Wumms des Grateful-Dead-Drummers Mickey Hart.

Dressed To Kill (1980)

Pino Donaggio 

Romantik bedeutet, so erschließt sich das Werk des Regisseurs Brian De Palma, dass am Ende immer einer der Liebenden stirbt. Das war bei „Carrie“ so, bei „Blow Out“ – und bei „Dressed To Kill“, zu dem der venezianische Violinist Donaggio Seifenoper-Schmelzgeigen erklingen lässt. Der Schönklang findet erst ein Ende, als Michael Caine in Frauenkleidern sein Messer zückt.

Das Imperium schlägt zurück (1980)

John Williams 

Mit dem ersten „Krieg der Sterne“ stellte Williams die legendäre Titelmelodie vor. Der zweite Score verfeinerte Licht- und Schattenseiten. „Han Solo And The Princess“ illustriert die Liebe, „Yoda’s Theme“ die Magie, und der „Imperial March“ ist jener zur bedrohlichen Überwältigung gesteigerte Geniestreich, um den alle Diktatoren dieser Welt Darth Vader beneiden dürften.

Jäger des verlorenen Schatzes (1981)

John Williams 

Die schönsten Helden-Hymnen sind solche, die auch als Parodie funktionieren. Egal ob im „Dschungelcamp“ oder im Freizeitpark: Der „Raiders March“ setzte den Ton für die Abenteuer des Archäologen, die zu fantastisch sind, um wahr zu sein. Dass Williams im selben Oscar­jahr gegen Vangelis’ „Chariots Of Fire“ verlor – das wiederum war leider wirklich wahr.

Das Boot (1981)

Klaus Doldinger   

Samples gibt es überall, aber hier waren Sonar­geräusche als Rhythmus natürlich Pflicht – das Drama dreht sich um eine U-Boot-Besatzung, die im Zweiten Weltkrieg zur letzten Mission aufbricht. Grandiose Titel wie „Warten“, „Absinken“, „Auf Grund“ und „Eingeschlossen“ sprechen für sich. Jazz-Koryphäe Doldinger, heute 81, wurde zum großen Leinwandkomponisten.

Die Klapperschlange (1981)

John Carpenter & Alan Howarth

Die Steel Drums gaben dem Endzeitdrama urbanes Flair, wahnsinnig schön war die elektronische Verarbeitung von Debussys „Engulfed Cathedral“, zu der Snake Plissken mit dem Segelflieger im zerstörten New York landet. Das melancholische Titelstück war Carpenters Meisterwerk: So gut, dass es im Vorspann weitestgehend ohne Filmbilder laufen konnte.

Conan der Barbar (1982)

Basil Poledouris 

Vielleicht der größte aller Scores, die keine Oscarnominierung erhielten. Regisseur John Milius wünschte sich eine Hommage an Orffs „Carmina Burana“. Poledouris schenkte ihm eine zweistündige Symphonie voller Gewalt, aber auch voller Liebe. Etliche Wiederveröffentlichungen wie Neueinspielungen dokumentieren die Würdigung des Materials, „Anvil Of Crom“ ist bis heute DIE Einspielmusik aller (Möchtegern-)Krieger.

Blade Runner (1982)

Vangelis 

Grandios war der Einsatz der Elektronik im Allgemeinen und des Moog-Synthesizers im Speziellen, aber für seine Zukunftsvision des Jahres 2019 huldigte Vangelis Los Angeles vor allem als Melting Pot. Türkische und chinesische Klänge, kontrastiert mit Crooner-Soul. Das „Love Theme“ ist eine wunderschöne, aber unverschämt direkte Kopie von Frankie Vallis „Can’t Take My Eyes Off You“.

Krull (1983)

James Horner   

„Gorky Park“, „Testament“, „Star Trek 2“ und „Krull“: In den frühen 80er-Jahren komponierte Horner, gerade 30 Jahre alt, einige der melodisch vielfältigsten Soundtracks, angelehnt an John Williams’ Symphonien, aber prominent mit elektronischen Percussions versehen. Ab den Neunzigern wurde ihm Selbstplagiat vorgeworfen – hier entdeckte er noch Neuland.

Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence (1983)

Ryuichi Sakamoto 

Dass David Sylvian „Forbidden Colours“ sang, war vielleicht als Gag gemeint (er war, Achtung, Sänger der Band: JAPAN). Seinen Score zu Nagisa Oshimas Weltkriegsdrama stattete Sakamoto, der neben David Bowie eine Hauptrolle übernahm, mit Folklore, Ambient und Asia-Pop aus. Der Score ist nicht besser als Sakamotos Arbeiten mit dem Yellow Magic Orchestra – aber eine neuartige Fusion aus Ost und West.

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