Die Playlist zum Weltfrauentag – kompiliert von der ROLLING STONE-Redaktion


von

Birgit Fuß: Tori Amos – „Silent All These Years“
Ein Lied gegen das Stillhalten – von einer Frau, die nie an ihren Tränen ersticken wollte, sondern ihre Wut immer in die Welt hinausgetragen hat – manchmal laut, manchmal leise, immer bewegend. Natürlich eine Rothaarige!

Joachim Hentschel: Huggy Bear – „Her Jazz“ und „The Word“
Als Riot-Grrrl-Rummel und Pop-Post-Feminismus noch was Neues war, damals in den Neunzigern – wie schön war das! Heute müsste man sich natürlich etwas viel Komplizierteres ausdenken als 1993 die Londoner Gender-Politik-Wirrwarr-Gruppe Huggy Bear. Aber besser wird’s nicht werden.

Arne Willander: „She“ in der Version von Elvis Costello
Wer könnte vergessen, wie Hugh Grant sich in „Notting Hill“ als Reporter von „Horse & Hound“ Eintritt zum Gespräch mit Julia Roberts verschafft, wie die berühmte amerikanische Schauspielerin sich in den englischen Ladenhüter verliebt, wie sie bei seinen Freunden einen Abend verbringen und in seiner Wohnnung eine Nacht, wie dann alles zuschanden geht und sie dann doch am Ende in ihrem Park sitzen, bald nicht mehr nur zu zweit – ein ewiges Idyll, zu dem der sonst so giftige Elvis Costello den Hymnus „She“ singt.

Torsten Groß: Marina And The Diamonds – „Girls“
Motto-Tage finde ich grundsätzlich doof. So Nichtrauchertag, Kindertag, was weiß ich. Gibt ja für alles einen Tag. Hat irgendwie auch was Diskriminierendes. Ich meine, Frauen sind ja keine vom Aussterben bedrohte Minderheit, sondern das Wunderbarste überhaupt. Natürlich gibt es noch immer Probleme in der Gleichstellungsfrage, aber ob ein Mottotag da was ändern kann? Ich weiß nicht … Das scheint mir doch eher ein Alibi zu sein, mit dem Engagement vorgetäuscht wird, und danach lehnen sich alle wieder entspannt zurück und das war‘s. Trotzdem sollte man natürlich keine Gelegenheit ungenutzt lassen, um grandiose Songs wie diesen zu hören:

Maik Brüggemeyer: Sleater Kinney – „Modern Girl“
Weil die besten Rockbands nunmal weiblich sind und modern girls einfach mehr „happiness“, „hunger“ und „anger“ haben als die meisten Jungs.

Daniel Koch: Gossip – „Standing In The Way Of Control“
Manch einer mag Beth Ditto heutzutage ein wenig über haben, dennoch sollte man an diesem Tag vor allem einer Band wie Gossip danken. Die hatten selbst noch bei ihrem Major-Debüt „Music For Men“ die Chuzpe ein wunderschönes Tomboy-Foto von Drummerin Hanna Blilie als Cover- und Postermotiv zu nehmen. Und sie haben es immerhin geschafft mit einem hochpolitischen Song eine Hymne zu schaffen, die wohl niemanden still stehen lässt (wie man in dieser Live-Aufnahme gut sehen kann): „Standing In The Way Of Control“. Der Song, der sich erst langsam zum Hit entwickelte ist eine Reaktion auf ein Gesetzentwurf der amerikanischen Regierung unter Bush, die gleichgeschlechtliche Ehen faktisch als illegal deklariert hätten. Ditto darüber: „Nobody in the States was that surprised or shocked by what Bush did, but it made everyone I know feel helpless and cheated. I wrote the chorus to try and encourage people not to give up. It’s a scary time for civil rights, but I really believe the only way to survive is to stick together and keep fighting.“ Pop und Politik gingen selten so mitreißend zusammen.

Michel Lössl (Marketing): Martha Wainwright – „Bloody Mother Fucking Asshole“
Man lasse sich nicht von dieser wunderbaren Stimme täuschen: Der Song hält, was der Titel verspricht und ist die giftige Abrechnung mit ihrem Vater Loudon Wainwright III., der vor lauter Mann-Sein das Vater-Sein aus den Augen verloren hatte.