Duncan Jones: Major Tom geht ins Kino


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Das Saalpublikum lachte, als John Peel den Namen des Babys verkündete. Anfang Juni 1971 war das, eben hatte BBC-Studiogast David Bowie „Kooks“ gesungen, ein Stück für den vier Tage vorher geborenen Sohn – „Z-O-W-I-E, damit es sich auf Bowie reimt“, buchstabierte Moderator Peel listig, nur um das Gelächter gleich wieder abzuwürgen: „Nein, ein sehr schöner Name!“

Fand der Junge nicht. „Hallo, ich bin Duncan!“ stellt er sich vor, als er – knapp 40 Jahre später – in einem der Gästehotels des Filmfests München eintrifft. Studentenlook mit Rucksack, ein angenehmes Prominentenkind, das keine Not sieht, die Eltern oder deren Bettgenossen zu imitieren.

Das einzige wirklich Sonderliche an Duncan Zowie Haywood Jones ist, dass wir erst jetzt von ihm hören. 37 war er schon, als er sein Spielfilm-Regiedebüt „Moon“ vollendete. Am 15. Juli kommt das nun doch noch in die deutschen Kinos, zum Glück, denn als DVD-Miniatur wäre diese moralische Weltraumerzählung arg verschwendet. Inzwischen arbeitet Jones schon am größer dimensionierten Nachfolger „Source Code“ mit Jake Gyllenhaal, das Lob für „Moon“ hat die späte Karriere beschleunigt.

„Hätte ich offensiver mit dem Namen meines Vater geworben, wäre es sicher schneller gegangen“, erklärt er in einer lustigen Mischung aus Bescheiden- und Unbescheidenheit, „aber so musste ich erst mal durch die ganze Mühle durch.“ Philosophie-Bachelor, abgebrochenes Graduiertenstudium, Filmhochschule London, Videoclips, Werbung. Was Jones bei Spots für MTV oder French Connection über Spezialeffekte lernte, floss dann direkt ins Irrsinnsprojekt: Ein Debütant dreht einen unabhängig finanzierten Science-Fiction-Film inklusive Mondfähren und allen Extras. „Wir haben es für fünf Millionen Pfund hinbekommen“, sagt er stolz. „Danny Boyles ‚Sunshine‘ kostete 50 und galt schon als billig.“

Die „Moon“-Story vom einsam auf dem Mond stationierten Ingenieur Sam (Sam Rockwell), der kurz vor der Heimfahrt zur Erde auf rätselhafte Weise seinem eigenen, jüngeren Ebenbild begegnet, hätte auch kein falsches Hollywoodlicht vertragen. Die Parallelen zu David Bowies berühmtem Song „Space Oddity“? „Sind mir nicht aufgefallen, ehrlich!“ sagt Jones und lacht doch wie ertappt.

Dabei stand er dem Vater ja immer sehr nah. Der hatte 1980 nach der Scheidung von Mutter Angela (gegen 750.000 Dollar Abfindung) das Sorgerecht für den Sohn bekommen, nahm ihn mit in die Schweiz, nach Australien, Japan. Nur für Musik interessierte der Kleine sich überhaupt nicht, obwohl der Papa ihm die Instrumente aufdrängte. „Das war wohl meine Art der Rebellion!“ meint Duncan Jones. „Film war mir immer wichtiger.“ Mit der Super-8-Kamera verbrachten Vater und Sohn viele Stunden, drehten Stop-Motion-Experimente mit Schlumpffiguren, ließen sich mit handgemachten Tricks gegenseitig durchs Zimmer schweben. Auch auf die Sets der Bowie-Filme „Labyrinth“ und „Begierde“ durfte er mit, bei Actionregisseur Tony Scott verschaffte der Vater ihm später sogar ein Kamerapraktikum.

Dass Klein-Duncan den glamourösen Bowie vor allem als alleinerziehenden Filmschaffenden erlebt hat – vielleicht ist das mitverantwortlich dafür, dass er selbst nicht zum Showman wurde, sondern erstmal die eigene Technik perfektionierte, bevor er zum entscheidenden Sprung ansetzte.

„Was ich von meinem Vater geerbt habe, ist wahrscheinlich dieser Drive, der unbedingte Zug zur Arbeit und der Wille, Sachen um jeden Preis hinzukriegen“, sagt er. „Mittlerweile hat er es sich ein wenig gemütlicher gemacht und tut nur noch das, wozu er Lust hast. Aber ich bin heute so wie er vor 35 Jahren.“ Auch einen Berlin-Film hat er schon in Planung.

Wenn er die „Glass Spider“-Phase und ein eventuelles Duett mit Mick Jagger überspringt, könnte es für den Regisseur Duncan Jones noch eine tolle Zeit werden.

Joachim Hentschel