DVD-Kollektion „Rolling Stone Live On Stage“: David Bowie – „A Reality Tour“


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Nach Jahren der kreativen Suche hatte David Bowie zu Beginn des neuen Jahrtausends wieder zu alter Form gefunden. Mit „Heathen“ war ihm 2002 ein von Zukunftsängsten geprägtes Großwerk gelungen, das an seine besten Arbeiten aus den 70er-Jahren anknüpfte. Das folgende Album, „Reality“, war dann in Teilen eine Reflektion des 11. September, blickte aber durchaus auch zuversichtlich in die Zukunft.

Solchermaßen gerüstet, spielte der Bühnenkünstler David Bowie in jener Phase Konzerte, die zu den besten seiner Karriere gehörten. Bowie hatte sich vom Feedback-Heuler Reeves Gabrels getrennt und eine neue Band zusammengestellt. Mit Gerry Leonard, Sterling Campbell, Earl Slick, Mike Garson, Catherine Russell und der wunderbaren Gail Ann Dorsey, die bei „Under Pressure“ Freddie Mercury ebenbürtig vertrat, stand ihm nun eine gute Mischung aus alten Weggefährten und frischen Kräften zur Seite. Vor allem erfreulich: Der David Bowie der späten Jahre schien endlich mit seinem beeindruckenden Katalog versöhnt zu sein. Er begriff das Spielen der alten Hits nicht mehr als eine lästige Pflicht, wie es etwa 1990 auf der „Sound + Vision“-Tour der Fall gewesen war. So integrierte er etwa bei den Konzerten zu „Heathen“ das komplette „Low“-Album in sein Live-Programm.

Mitgeschnitten wurden sämtliche Konzerte der Jahre 2002 bis 2004, für die vorliegende erste Folge der ROLLING STONE-Reihe „Live On Stage“ wurde schließlich ein Auftritt im Point Theatre zu Dublin im November 2003 ausgesucht. Eine gute Wahl, erweisen sich die Menschen von Dublin doch als begeisterungsfähiger, als es das Publikum in manch anderer Stadt war. Wie bei allen Konzerten der Tournee hatte Bowie selbst auch in Dublin ganz offensichtlich so viel Spaß auf der Bühne wie schon lange nicht mehr.

Mit umarrangierten Fassungen von „Heroes“ oder „Loving The Alien“ hält er hier sein Werk lebendig. Neuere Songs wie „New Killer Star“ und „The Loneliest Guy“ stehen gleichberechtigt neben den vielen Klassikern, selbst die viel geschmähten Jungle/Industrial-Flirts „The Letter“ und „Hallo Spaceboy“ fügen sich trefflich ein. David Bowie holt sich „The Man Who Sold The World“ von Nirvana zurück, spielt Seltenes wie „Sister Midnight“ von Iggy Pop, und wenn er in „Afraid“ sein bisheriges Leben resümiert, wirkt das nicht wie eine weitere Maske des sogenannten Chamäleons, sondern tief empfunden.

Die melancholische Kindheits-Reminiszenz „Slip Away“ und das „Low“-eske „Heathen (The Rays)“ münden schließlich in eine Greatest-Hits-Strecke, mit der Bowie den Abend abschließt. Nach einer grandiosen Version von „Five Years“ und „Hang On To Yourself“ steht der Sänger am Bühnenrand und singt die bekannten Zeilen von „Ziggy Stardust“: „Ziggy played guitar, jammin’ good with Weird and Gilly/ The spiders from Mars, he played it left hand/ But made it too far/ Became the special man, then we were Ziggy’s band.“

Einige Meter hinter ihm sitzt ein kahlköpfiger Herr am Piano. Es ist natürlich jener Mike Garson, mit dem ein viel jüngerer David Bowie diesen Song einst zum angeblich letzten Mal im Londoner Hammersmith Odeon gespielt hat. Danach gab es noch viele Inkarnationen und vermeintliche Abschiede. Doch diesmal war es – zumindest für die Menschen von Dublin – tatsächlich das letzte Mal: Nach dem Konzert verspricht Bowie zwar, baldmöglich wiederzukommen.

Bekanntermaßen hat er sein Versprechen nicht einlösen können. Es kam der verhängnisvolle 25. Juni 2004, der Herzinfarkt, das wahrscheinliche Ende einer der größten Karrieren der Popmusik. Seitdem hat Bowie nichts aufgenommen, nicht gesprochen. Und so wird man wehmütig beim Betrachten von „A Reality Tour“ – was hätte da noch alles kommen können.

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