East India Youth: Billige Synthies, teurer Anzug


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Wie ist das Wetter?“ so eröffnet Will Doyle das Interview an einem kalten, sonnigen Frühlingstag in Berlin. „Ich bin gestern aus Tokio gekommen, fliege nachher weiter nach Brüssel, dann zurück nach London – ich hatte noch keine Zeit, vor die Tür zu gehen.“ Aufgekratzt, begeistert von der Fluglektüre – Murakamis „Tanz mit dem Schafsmann“ – und in Plauderlaune sitzt der 24-Jährige in seinem Hotelzimmer und wirkt noch immer neugierig überrascht von der Aufmerksamkeit, die ihn derzeit durch die Welt begleitet.

Der Anlass für das Gespräch ist „Culture Of Volume“, sein zweites Album als East India Youth. Aber den eigentlichen Hintergrund bildet sein Debüt aus dem vergangenen Jahr, das ihn nicht zuletzt durch eine Nominierung für den Mercury Prize zu einer hochgehandelten Nachwuchsmarke werden ließ. „Total Strife Forever“, so der Titel, zeigte ihn als auffällig vielseitigen Elektroproduzenten, der sich sehr selbstverständlich durch Ambient-Stimmungen, Synthpop und härtere Technobeats bewegen konnte.

Neuausrichtung Pop

Im Gegensatz zum Debüt, auf dem sich Instrumentalstücke und elegant expressiver Gesang die Waage halten, klingt der Nachfolger deutlich songbetonter. Mit einer strategischen Reaktion habe das allerdings nur bedingt zu tun. „Ich habe es unmittelbar nach dem ersten Album angefangen, das wiederum auch erst mal anderthalb Jahre nur rumlag. Eigentlich sollte ‚Culture Of Volume‘ instrumentaler werden. Aber nach mittlerweile 120 bis 150 Auftritten bin ich ein sehr selbstbewusster Performer und Sänger geworden. Ich habe das als meine Stärke erkannt und daher die Songs poppiger ausgerichtet.“

Andererseits ist Doyle auch kein typischer junger Elektroproduzent – wenn man mal davon absieht, dass beide Alben weitgehend in seinem Schlafzimmer entstanden sind. Er stammt aus einem recht soliden Indie-Kontext, zuletzt als Doyle And The Fourfathers. Aber schon dort habe er hauptsächlich allein gearbeitet, „nicht nur elektronisch, aber am Computer, das führt das Denken in eine bestimmte Richtung, und irgendwann fand ich meine minuziös produzierten elektronischen Tracks viel herzensnäher und ausdrucksstärker, als wenn ich sie zur Band getragen hätte“.



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