Highlight: Neu auf Netflix: Das sind die wichtigsten Netflix-Neuerscheinungen im Februar 2020

El Clan :: Regie: Pablo Trapero

Argentinien 1983: Nach dem Sturz des Militärregimes und einer langen Phase politischer Unruhen herrscht Chaos im Land, aber das Familienunternehmen des Patriarchen Arquímedes Puccio floriert. Die Familie ist im Hotelgewerbe tätig, wie ein Handlanger einmal lakonisch bemerkt: Der alte Puccio hat sich auf Entführung spezialisiert, die Opfer – Mitglieder der bürgerlichen Oberschicht – hält er im Keller seines Einfamilienhauses fest.

Den Alltag der Puccios inszeniert Regisseur Pablo Trapero in „El Clan“ als krankes Fritzl-Szenario. Abends sitzen Arquímedes und seine Frau, Epifanía, mit ihren Kindern Alejandro, Guillermo, Silvia und der Jüngsten, Adriana, am Esstisch oder bei den Schulaufgaben, während sich eine Etage tiefer das Entführungsopfer die Seele aus dem Leib schreit. Die häusliche Situation wirkt sich unvorteilhaft auf das familiäre Klima aus, vor allem das Verhältnis von Arquímedes zu seinen Söhnen leidet unter dem Family Business. Der Älteste, Maguila, hat sich bereits nach Neuseeland zum Schafehüten abgesetzt, wodurch er seinem jüngeren Bruder Alejandro, der eine hoffnungsvolle Rugbykarriere in Aussicht hatte, die Verantwortung des Stammhalters – und damit Komplizen – überträgt. Für die engen Verwicklungen von familiärer Treue und kriminellen Geschäften findet „El Clan“ plausible Bilder.

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Früh vermisst Trapero mit einer klaustrophobischen Plansequenz das Haus der Puccios: Von der offenen Küche, wo Epifanía das Abendessen zubereitet, folgt die Kamera Arquímedes mit einem beladenen Teller durch die schlecht ausgeleuchteten Räume – „der Junge isst nicht genug“, stellt er mit einem Anflug von väterlicher Fürsorge fest, bevor man realisiert, dass er nicht von seinem Sohn spricht –, vorbei an Alejandro im Wohnzimmer und Adriana, die auf dem Bett Musik hört, bis hinunter zu einer verbarrikadierten Tür, hinter der das jüngste Opfer an einen Heizkörper gefesselt ist. Solche elaborierten Einstellungen verraten die Einflüsse von Martin Scorsese, dessen stilbildende Kamerafahrten Trapero ebenso zitiert wie die perfekt choreografierten Parallelmontagen zu schmissigen Popsongs – in „El Clan“ verleihen die Kinks und Van Halen den Bildern immer wieder einen musikalischen Rhythmus.

Pedro Almodóvar, Agustín Almodóvar YouTube


Neu auf Netflix: Das sind die wichtigsten Netflix-Neuerscheinungen im Februar 2020

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