EMA im Interview: Tour im September


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Nach ihrem ersten Deutschland-Konzert in der Berghain-Kantine hat die Musikpresse EMA wohl endgültig auf der Liste. Der Andrang war so groß, dass selbst Leute, die auf der Gästeliste standen, nicht mehr reinpassten. Wir sprachen schon einige Tage zuvor für unsere Rubrik „Artist To Watch“ mit der Dame aus L.A., die am 03. Juni ihr Debüt „Past Life Martyred Saints“ veröffentlicht. Selbiges gibt es nun im ROLLING STONE-Stream.

>>>> Hier geht’s zum Albenplayer

Mittlerweile gibt es auch endlich Daten für eine offizielle Tour im deutschsprachigen Raum. Wann sie EMA wo sehen können, steht hier:

21. September – München, Atomic Café
22. September
– Berlin, Festsaal Kreuzberg
23. September – Hamburg, Reeperbahnfestival
24. September – Köln, Gebäude 9
25. September – Offenbach, Hafen 2
27. September – Kufstein, Kulturfarbik – AT
28. September – Wien Badeschiff (Waves Festival) – AT
29. September – St. Gallen, Palace – CH
30. September – Düdingen, Bad Bonn – CH

Und hier unser Interview…

Einst war Erika M. Anderson die Sängerin der Gowns, die mit „Red State“ ein zumindest in Topchecker-Kreisen beachtetes Album veröffentlichten. Stilistisch war ihr Schaffen schon damals schwer zu fassen. Da schimmerten Folkeinflüsse zwischen monotonen, elektronischen Drone-Sounds auf, da träumte und giftete ihre Stimme zum verzerrten Gitarrenfiepen aus der Shoegaze-Echokammer. Das klang dann oft ebenso großartig wie verstörend, zum Beispiel im Acht-Minüter „White Like Heaven“:

 

Ganz aus dem Nichts kommt EMA also nicht , auch wenn ihre Website cameouttanowhere.com heißt. Aber es brauchte schon einen Song wie „California“, um sie bei NME und Konsorten auf die Hot-Shit-Liste zu setzen. Zur Zeit ihrer Auftritte beim South By Southwest in Austin, Texas – seit jeher die Showbühne für frische Acts – galt sie beim NME schon als „drittwichtigster Act“ in diesem Jahr. Nun ist sie paradoxerweise ein Internethype, der – wie sie uns verriet – Angst vor dem Internet hat.

Am Donnerstag spielte EMA ihre vorerst einzige Show in Deutschland – standesgemäß in der Kantine des Berliner Berghains. Wir sprachen schon im Vorfeld mit der Künstlerin. EMAs Album „Past Life Martyred Saints“ erscheint dann in der ersten Juniwoche bei Souterrain Transmissions.

Früher Sängerin der Gowns, nun EMA. Was hat sich geändert?
Ich muss jetzt öfter der Boss sein. Und das ist Fluch und Segen zugleich…

„Fuck California! You made me boring“ – das sind die ersten Zeilen aus „California“, einem Lied über deine jetzige Heimat. Was empfindest du denn nun für Kalifornien? Hass? Liebe? Beides?
Eigentlich empfinde ich sehr viel Liebe für Kalifornien. Es ist toll hier. Aber es ist sich seiner Großartigkeit dermaßen bewusst, dass ich einfach mal ein lautes „FUCK YOU!“ loswerden musste. Es ist ähnlich wie damals, als die Sex Pistols zu den Beatles sagten: „Fickt euch!“ Und überhaupt: Es gibt genug Leute (auch und vor allem Musiker), die ständig betonen, wie toll hier alles ist. Deshalb dachte ich mir: Jemand muss auch mal die dunkle Seite des Zeitgeists beackern!

Dein Name mag zwar schwer zu googeln zu sein (meist landet man bei den European Music Awards), aber ein Blog-Hype bist du allemal. Ich frage mich dabei immer: Wie fühlt sich das eigentlich an? Interessiert es dich überhaupt?
Ich kenne das natürlich ein wenig von meiner Zeit bei Gowns, aber das ist nicht zu vergleichen mit dem Interesse, mit dem ich nun konfrontiert bin. Sei es von Seiten des Internet oder von Seiten der Medien. Anfangs habe ich versucht, das alles zu meiden – ehrlich gesagt hat es mir Angst gemacht. Und so richtig geändert hat sich das nicht. Ich habe Angst vor dem Internet. Ich setze immer Scheuklappen auf, wenn jemand von Blogs oder Youtube-Hits redet. Mein Motto dabei ist: „Wenn du auf einem Seil tanzt – schau bloß nicht nach unten!“ Und das gilt ebenso für ein Seil in 100 Meter Höhe wie auch für ein Seil, das knapp über dem Boden gespannt ist.

Es gibt viele Elemente in deiner Musik und deinem Auftreten, die mich an die Riot Grrrls erinnern. Wie stehst du zu dieser Bewegung?
Die älteren Emo-Jungs in meiner Heimatstadt nannten mich in der High School immer „Riot Grrrl“, obwohl sie keine Ahnung hatten, was dieser Ausdruck bedeutet. Wahrscheinlich lag es an meinen kurz rasierten Haaren und meinen selbstgemachten T-Shirts. Ich war wohl eher a lil baby riot grrrl. Aber obwohl ich damals Bands wie Bikini Kill und Huggy Bear liebte, musste ich mich auch ein Stück weit von ihnen distanzieren bzw. ihre Haltung meiner Umgebung anpassen. Ich bin eben nicht in einer Gemeinschaft starker Frauen groß geworden. Ich bin inmitten einer Horde von Jungs aufgewachsen und wollte von ihnen ernst genommen werden. Riot Grrrl war also einerseits sehr inspirierend für mich: Die Wut, die in dieser Musik steckt, hatte ich so noch nie gehört. Andererseits war da aber auch diese Scham: Ich wollte nicht ständig daran erinnert werden, dass ich anders war als meine Kumpels, mit denen ich meine Jugend verbrachte. Im Grunde hat sich das bis heute nicht geändert: Sobald du dich klar als Feministin definierst, lädst du dir gleich eine gewisse Pflicht auf die Schultern und stehst in diesem Lager. Fucked up but true.

Es ist hart, deinen Stil festzunageln. „The Grey Ship“ klingt wie ein vergifteter Folksong, die Beats von „California“ erinnern an deine Labelkollegin Zola Jesus, während du dich nicht so recht entscheiden kannst, ob du dazu singen oder rappen willst. Was können wir also auf deinem Debüt „Past Life Martyred Saints“ ungefähr erwarten?
In eine Schublade werde ich damit immer noch nicht passen. „California“ war übrigens vom West Coast HipHop inspiriert. Sonst findest du auf dem Album noch: eine seltsame sixties-inspirierte Damaged-Girl-Ballade, eine trashige Dance-Nummer, ein Grunge-Demo und einen Country-Song. Ach ja – irgendjemand sagte mir, einer meiner Songs klänge, als wäre er in den Appalachen aufgenommen worden. Was immer das heißen mag…

Welche Künstler oder Künstlerinnen haben dich zu deinem Sound inspiriert? 
Laurie Anderson, John Frusciante, Diamanda Galas, Creedence Clearwater Revival, Hole, Cat Power, PJ Harvey, Danzig. 90er-Jahre-Rockzeug. Classic Rock ebenso. Und das Rumhängen mit Art School Kids hat mir viel gebracht. Ich habe viel gelernt, ohne je eine Kunsthochschule besucht zu haben.

Du weißt, wir Musikjournalisten sind faule Schweine. Kaum hat einer ein griffiges Label für eine Musikrichtung gefunden, schreibt jeder ab. Hier ist deine Chance: Welches Label sollen wir dir ankleben?
Digital Velvet Underground.

Bist du eigentlich im richtigen Leben genauso neurotisch, mysteriös, gefährlich wie deine Musik klingt?
Ha! Ehrlich gesagt sind die Leute, die mich treffen, immer überrascht, wie entspannt und freundlich ich bin. Die sagen mir das sogar immer! Strange. Ich lache eben viel und reiße Witze. Ich bin wohl so wie all diese Skandinavier: Nach außen supernett – und kaum sind sie zuhause, hören oder spielen sie menschenverachtenden Black Metal. Aber: Yeah, ich bin gefährlich. Ich bin neurotisch. Und die meiste Zeit lächle ich dabei.

Was würdest du niemals für deine Karriere tun?
Das ist eine wirklich gute Frage. „Niemals“ ist ein gefährliches Wort. Ich hoffe, ich kann meinem zukünftigen Ich trauen, dass es immer die richtigen Entscheidungen trifft. Selbst wenn es etwas ist, dass ich jetzt nie tun würde.

Jeder hat ja eine persönliche Benchmark. Dinge, die er erreichen möchte – und danach kann man es gut sein lassen. Was ist deine?
Was meine Musikerkarriere angeht, möchte ich nur eine gute Zeit haben und den Leuten, die mit mir spielen, die Möglichkeit geben zu lernen und zu wachsen. Was mich persönlich betrifft, möchte ich einen Roman schreiben, der dann selbstverständlich verfilmt wird.

Wo siehst du dich in, sagen wir, zwei Jahren?
Da gäbe es viele Möglichkeiten. Entweder bring‘ ich eine neue Platte raus und geh wieder auf Welttournee – oder ich mach was ganz anderes und alle fragen sich: „Oh yeah! Was ist noch gleich aus EMA geworden?“ Wer weiß, vielleicht schreib‘ ich dann ja besagten Roman…

Letzte Frage: Gibt es einen Künstler oder eine Künstlerin, den oder die wir im Auge behalten sollen?
Ja – ihr müsst euch unbedingt diese verrückte Videoshow aus Portland anschauen. „Experimental Half Hour“ heißt sie – da spielen haufenweise großartige Bands, die mit coolen analogen Videoeffekten in Szene gesetzt werden. Du findest sie bei Vimeo.


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Der als Singer/Songwriter bekannt gewordene Bob Dylan bekam seinen ersten Plattenvertrag bei Columbia Records 1961 durch sein Mundharmonikaspiel auf Carolyn Hesters dritten Album. Zu Beginn seiner Karriere trat er häufig mit der Folk-Sängerin und Aktivistin Joan Baez auf. Er wurde dabei selber zur Symbolfigur des Folk, seine Single „Blowin‘ In The Wind“ zum Welterfolg, seine ungewöhnliche Gesangs-Phrasierung und Rhythmik stilprägend. Ab 1964 brachte Bob Dylan mehr Rock-Einflüsse in seine Folk-Songs ein und kooperierte dafür mit der Rockband The Band. Eingefleischte Folk-Fans warfen ihm Verrat vor und wandten sich von ihm ab. Dem Erfolg seiner Single „Like A Rolling Stone“ konnte…
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