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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Bau mir ein Tretboot aus dem Thron von Axl Rose

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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Bau mir ein Tretboot aus dem Thron von Axl Rose

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Folge 111

Die örtlichen Naherholungsgebiete bergen ungeahnte Gefahren.

Dies durfte ich am vergangenen Wochenende feststellen, als mich die warmen Temperaturen an einen nahegelegenen See trieben. Ich war lange nicht mehr an einem See, und so war ich doch arg verwundert, dass das, was ich dort vorfand, so gar nichts mit meiner Vorstellung von einem See zu tun hatte. Die Annahme, einfach irgendwo mein Badetuch ablegen zu dürfen, erwies sich bald als irrig. Stattdessen fand ich mich in einem abgesteckten Beach-Bereich mit angeschlossenem Tretbootverleih wieder, über dessen Bar das Schild „Eat Drink Relax“ prangte.

Ich lieh mir erst mal ein Tretboot aus. Wenn ich nicht weiß, was ich machen soll, fahre ich in der Regel immer erstmal Tretboot. Zurück an Land suchte ich die Bar auf. Obwohl das Schild diese Option ausdrücklich in Aussicht stellte, war an „Relaxen“ hier nicht zu denken, denn – und an dieser Stelle entern wir den Bereich, in dem die Schrecken der Populärmusik sich freudig mit den Schrecken der Sommerfrische verbinden – es gefiel dem Bar-Betreiber den Außenbereich mit einer Playlist titels „Die schlimmsten Panflöten-Instrumentals der letzten 97 Jahre“ o.ä. zu bedröhnen.

Niemand außer mir schien das allerdings problematisch zu finden. Nicht die jungen tätowierten deutlich mehr als halbnackten Menschen, nicht die alten tätowierten deutlich mehr als halbnackten Menschen. Und auch nicht der Mann, dessen nackten Rücken ich die ganze Zeit sitzplatzbedingt anstarren musste, darauf sich in sonderbar runenartiger Manier dieser Satz fand: „Das Schicksal mischt die Karten, wir spielen nur“. Der Mann aß ein Wiener Schnitzel mit Pommes, den ihm das Schicksal zusammen mit einem Weizenbier gebracht hatte.

Als der Barbetreiber die Playlist „Die schlimmsten Panflöten-Instrumentals der letzten 97 Jahre“ o.ä. gegen die Playlist „Die schlimmsten Mundharmonika-Instrumentals der letzten 97 Jahre“ o.ä. austauschte, war es endgültig an der Zeit, zu gehen. Mein Weg nach draußen führte mich an einem Plakat vorbei, auf dem die wichtigsten sommerlichen Events angekündigt waren, die man in den nächsten Wochen und Monaten in dem Beachclub abzufackeln trachtete. Absolutes Highlight schien mir der Auftritt der „Gary Moore Tribute Band“ zu sein. Verrückt, wer alles Huldigung durch eine Tribute Band erfährt. An die ganzen Pink-Floyd-Heinis und AC/DC-Liebhaber hatte man sich ja längst gewöhnt (auch an die Phil-Collins-Coverband Still Collins), aber von einer Gary-Moore-Tribute-Band hatte ich bislang noch nicht gehört.

Dabei scheint es etliche zu geben. Dies schließe ich daraus, dass die Gary-Moore-Tribute-Band Moore and More auf ihrer Homepage angibt, „Deutschlands führende und gefragteste Gary-Moore-Tribute-Band“ zu sein. Ob es auch absolut gar nicht führende, dem State of the Art in Gary-Moore-Angelegenheiten hoffnungslos hinterherhechelnde Gary-Moore-Tribute-Bands gibt?

Frau: Ich verlasse dich.
Mann: Was? Warum das denn? Ist wegen meines Autofimmels?
Frau: Nein. Es ist wegen deiner total ungefragten Gary-Moore-Tribute-Band.
Mann: Aber ich dachte, du magst …
Frau: Ich konnte ja nicht ahnen, dass ihr so hoffnungslos hinter den jüngsten Entwicklungen des Gary-Moore-Nachspielens hinterherlauft und auf eurem Sektor so ganz und gar nicht führend seid.

Doch noch ein Highlight wurde auf dem Plakat der Badeanstalt angepriesen: ein Status-Quo-Fantreffen. Da wäre ich nun wirklich gerne dabei. Wobei man dort sicher … Moment, mir fällt gerade etwas Anderes ein: Was machen die ganzen AC/DC-Tribute-Bands eigentlich jetzt, da Axl Rose bei AC/DC singt? Im Grunde entstehen hier gänzlich neue Möglichkeiten des Tribute-Treibens. Ich finde, es sollten ganz dringend 345 führende AC/DC-Cover-Gruppen aus dem Boden gestampft werden, die einzig und allein der aktuellen AC/DC-Phase huldigen, die sich dadurch auszeichnet, dass Angus Young in Schuluniform um einen Fuß-kaputt-Dave-Grohl-Gedächtnis-Thron herumwatschelt, in dem Axl Rose sitzt.

Wer dazu keine Lust hat, kann ja auf alten Pfandflaschen „Don’t worry, be happy“ spielen. Die Möglichkeiten des persönlichen musikalischen Ausdrucks sind schier unbegrenzt.

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