Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Letzte Parade


Folge 113

Als ich im vergangenen Monat an dieser Stelle darüber schrieb, dass wir uns zunehmend an das Dahinscheiden großer Musiker zu gewöhnen hätten, hatte ich Prince definitiv nicht auf dem Zettel.

Zwei Wochen nachdem ich den Text abgegeben hatte, verstarb ganz plötzlich meine Mutter, und ich weiß immer noch nicht, was jetzt werden soll. Die letzte Platte, die ich mir wenige Tage vor ihrem Tod auf dem Flohmarkt kaufte, war das Prince-Album „Pa­rade“. Ich hatte das Bedürfnis, an den unschuldigen Ort zurückzukehren, wo diese Musik für mich spielte. Dieser Ort ist das Bergisch Gladbach des Jahres 1986, als meine Freunde und ich gerade durch Indierock erweckt wurden und so etwas wie Aufbegehren in uns zuckte. Irgendwie passte Prince als einziger zeitgenössischer Musiker, der mit dieser Zeit – den durchmechanisierten Achtzigern – etwas veranstalten konnte, perfekt in unsere eben erst zusammengebastelte Indie­welt mit hinein. Wo mein Original­exemplar von „Parade“ abgeblieben ist, weiß ich nicht. Umso glücklicher war ich, die Platte auf dem Flohmarkt zu finden. Ich trug sie nach Hause, erfreute mich kurz an ihr, dann kam die schlimme Nachricht von zu Hause.

Als gut eine Woche später Prince starb, steckte ich mitten in den Vorbereitungen für die Trauerfeier. Normalerweise hätte mich die Nachricht vom Ableben des Musikers wohl aus der Bahn geworfen, so aber korre­spondierte sie in ihrer Unfassbarkeit ganz seltsam mit meiner Stimmung. Nachdem meine Mutter gegangen war, konnte ich in der ersten Woche an Musik lediglich Bill Calla­han ertragen, dessen Platten jetzt wohl immer mit diesen Tagen verknüpft sein werden. In der zweiten Woche übernahm dann aber aus gegebenem Anlass Prince. Eigentlich sollte man meinen, dass dessen euphorische, aufgekratzte Musik in Tagen der Trauer unangebracht sei. Aber sie passte perfekt. Und jedes Glas tranken meine Frau und ich „auf uns, auf alle, die wir gern haben, auf ­Prince – und auf Mama“.



Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Wiedergehörte 80er-Indie-Platten for young lovers

Folge 211 Jeremy Gluck with Nikki Sudden & Rowland S. Howard – I Knew Buffalo Bill (1987) https://www.youtube.com/watch?v=w-CbnCSSjQU&list=PLAZzd-mGlQ36htjCrN7xV9Sd5FHbVBwKB Sechs Jahre nach dem Ende seiner kurzlebigen Surf-Punk-Band The Barracudas konnte der kanadische Nichtsänger Jeremy Gluck für sein erstes Solo-Album eine illustre Unterstützerschar zusammentrommeln: Mit Nikki Sudden, dessen Bruder Epic Soundtracks, Rowland S. Howard und Jeffrey Lee Pierce wusste Gluck  die führenden Köpfe einer ultracoolen Indie-Clique hinter sich, die aufs Schönste im Niemandsland zwischen Noise-Blues, romantischem Rock’n’Roll und Post-Punk herumwilderte. Das „Wild Horses“-Gedächtnisgeschrammel Nikki Suddens trifft hier wiederholt auf Rowland S. Howards und Jeffrey Lee Pierce’ Noise-Blues-Exzesse – stets mit Gewinn, wie…
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