Neue Podcast-Folge: „Die Streifenpolizei“ über die Favoriten der Oscar-Verleihung
Highlight: Die besten Gitarristen aller Zeiten: Keith Richards

Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Tausche Dudelsack gegen Shangri La!


Folge 25

Während ich den dieswöchigen Text verfasse, höre ich die tendenziell beste Musik der Welt: die Gesamtwerk-Box von Domenico Modugno. Es wird zu beobachten sein, was der Genuss dieser Musik mit meiner Schreiberei anstellt. So zu schreiben wie Modugno singt, wird mir freilich nicht gelingen: Solches auch nur anzustreben, wäre bereits vermessen. Alleine die Art, wie der Meister das Wort „gioia“ (Freude) singt, sollte dringend gehört werden und lohnt die Anschaffung mehrerer Modugno-Best-Of. Auch das Betrachten einiger Videofilmchen von Modugno im Internet stellt eine empfehlenswerte Freizeitbeschäftigung dar: Selten habe ich jemanden gesehen, der sich so wohl auf der Bühne fühlte. Modugno saß übrigens nach dem Ende seiner Sangeskarriere drei Jahre lang für die links-liberale Partito Radicale in der Abgeordnetenkammer, der auch die beliebte Porno-Darstellerin Illona Staller alias Cicciolina angehörte, die nach ihrem Ausscheiden aus der Partei den Objektkünstler Jeff Koons heiratete, der … aber Sie wollen sicher lieber etwas über Gitarrenrückkopplungen lesen.

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Das trifft sich gut, denn für die gute alte Gitarrenrückkopplung werde ich wohl immer eine Schwäche haben. Meine liebsten Gitarrenfeedbacks finden sich auf dem Flaming-Lips-Album „Transmissions From The Satellite Heart“, ohnehin mein Lieblingsalbum dieser zuletzt etwas arg in die lebensweise Eso-Psychedelia abgedrifteten Band. Aber auch heute Abend gibt es herrliche Feedbacks zu vernehmen. Ich stehe auf dem Konzert von Lee Ranaldo & The Dust im Kölner Gebäude 9 und presse mir aus Schallschutzgründen eine Bierflasche ans Ohr. Das sieht blöd aus, funktioniert aber. Eigentlich geht es bei Ranaldo inzwischen längst ebenso sehr um Songs wie um Sound, aber die beinahe religiöse Ernsthaftigkeit, mit der man hier zum Zwecke der lyrischen Kracherzeugung die Gitarrenhälse auf die Verstärker lehnt, ergreift mich doch sehr.

Kooperation

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Soeben kommt das neue Jake-Bugg-Album mit der Post. Heißt „Shangri La“, sieht aber aus wie ein Chris-Rea-Greatest-Hits-Album. Mir ist das Gedöns um seine erste Platte ja ein bisschen auf die Nerven gegangen. „He’s like Dylan meets Arctic Monkeys„, sagt Noel Gallagher. Nun bin ich bei allen durchaus vorhandenen Sympathien für manche Aspekte in Noel Gallaghers Schaffen nicht wirklich ein Fan seiner Musik, aber als bauchzentrierten Musikkritiker habe ich den Mann immer geschätzt. Ohne Noel Gallagher wäre ich wohl nie auf das Album „Soothing Music For Stray Cats“ des britischen Musikers Edgar „Jones“ Jones gekommen, den ich allein schon für seinen Namen zu verehren bereit wäre. Aber das besagte Album – meine Herren! Man stelle sich vor, eine betrunkene Doo-Wop-Band hätte versucht, auf einem Vierspurgerät ein Beat-Jazz-Soul-Album aufzunehmen. Auf einem Vierspurgerät wurde die Platte tatsächlich aufgenommen, und zwar nicht auf irgendeinem, sondern auf dem von Johnny Marr.

Aber mit wie auch immer geartetem Britgepoppe hat die Platte nun wirklich gar nichts zu tun. „Soothing Music For Stray Cats“ ist ein wirklich fabelhaftes eklektisches Sonderlings-Album, nach dem dringend Ausschau halten sollte. Mittlerweile nennt sich Edgar „Jones“ Jones bevorzugt Edgar Summertyme: auch nicht schlecht. Um immer genug Geld für neue Künstlernamen zu haben, verdingt er sich gelegentlich auch als Sessionmusiker. In der italienischen Abgeordnetenkammer wurde er bislang nicht gesichtet.

Jake Bugg klang in meinen Ohren auf dem ersten Album ja eher wie ein Frühstücksradio-Dylan. Ich melde mich, wenn ich das neue Album gehört habe.

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Beim Konzert von Lisa Germano konnte ich leider nicht anwesend sein. Wobei ich mir nicht recht sicher bin, ob ich da wirklich etwas verpasst habe. Oder besser: Was genau ich da verpasst habe. Die Urteile meiner Freunde über Germanos Konzert hätten nämlich nicht unterschiedlicher ausfallen können. Während ein Herr die Show mit bebender Stimme als „Konzert des Jahres“ pries, berichtete ein anderer, die Germano habe einen nicht unbeträchtlichen Teil des Abends mit dem Imitieren von Tierstimmen verbracht. Ein dritter Gentleman wiederum wusste zu berichten, die Lüftung der Konzertlokalität habe bei den leiseren Songs (Hat Lisa Germano laute Songs?) eine nicht unentscheidende Rolle gespielt. Klingt, als müsste ich da nächstes Mal hin!

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So, die Modugno-Box ist durchgelaufen. Keine Ahnung, welchen Einfluss die auf diesen Text hatte. Jetzt lege ich endlich die Fips-Asmussen-Platte auf, an der ich neulich auf dem Flohmarkt nicht vorbeigehen konnte. Welchen Einfluss die auf mich haben könnte, will vermutlich erst recht niemand wissen. Nur eins noch: „Wer regelmäßig Dudelsack spielt, schnarcht weniger“, las ich neulich irgendwo, woraufhin ich mir einen Dudelsack zulegte. Erst nach zwei Wochen engagierten Dudelsackdudelns stellte ich fest, dass da in Wirklichkeit stand: „Wer regelmäßig Didgeridoo spielt, schnarcht weniger.“ Was soll’s, jetzt besitze ich halt einen Dudelsack und schnarche weiterhin stark. Auch nicht tragisch. Fips Asmussen war übrigens auch nie mit Jeff Koons verheiratet.


Gewinnen: „Beale Street Blues“ von James Baldwin

Am 7. März kommt „Beale Street“ bei uns in die Kinos. Der Film von Oscar-Preisträger Berry Jenkins („Moonlight“) ist für mehrere Oscars nominiert. Die Vorlage dazu lieferte der US-Autor James Baldwin (1924-1987) mit seinem Roman „Beale Street Blues“. Hierzu verlost ROLLING STONE Bücher und Hörspiele des Bestsellers. Beale Street ist die berührende Geschichte zweier junger sich liebender Menschen, Tish (KiKi Layne) und Bildhauer Fonny (Stephan James), die schon seit Kindertagen unzertrennlich sind. Doch im New Yorker Stadtbezirk Harlem der 70er Jahre fällt ihre reine Liebe der Willkür von Rassismus und weißer Justiz in der „Beale Street“ zum Opfer – Fonny…
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