Fahri Yardım über Ulmen: „Ich konnte nicht anders“ – Shitstorm in den Socials

Der „Jerks"-Star positioniert sich nach tagelangem Schweigen zu den Ulmen-Vorwürfen – mit einem Statement, das Reaktionen spaltet: Respekt, Kritik und KI-Verdacht.

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Fahri Yardım hat sein Schweigen über Christian Ulmen gebrochen. Auf Instagram veröffentlichte der „Jerks“-Star am Sonntagabend (22. März) ein Statement zu den Vorwürfen, die Ulmens Ex-Ehefrau Collien Fernandes publik gemacht hat.

„So. Verspätet. Unvollständig. Ich bin genauso geschockt wie viele andere“, schreibt Yardım. Weiter: „Ich bewundere Colliens Mut. Ich bin dankbar für den Zuspruch, den sie erhält. Ich fühle mit ihr. Und ich bin dankbar dafür, wie sie ihre persönliche Geschichte in eine Kraft übersetzt, die echte strukturelle Veränderung möglich macht. Dafür hat sie meine volle Solidarität.“

Das vollständige Statement

„Opfern zu glauben ist für mich eine grundlegende normative Haltung. Die Vorwürfe verdienen Schutz, ernsthafte Aufmerksamkeit und die klare Priorisierung der Perspektive der Betroffenen. Mir ist bewusst, dass mein Zögern nicht neutral ist. Es hat Wirkung. Es beeinflusst, welche Deutungen Gewicht bekommen, welche Perspektiven sich verfestigen und welche Schutzräume gestärkt oder geschwächt werden. Auch wenn ich das nicht beabsichtige, bin ich Teil dieser Wirkung. Ich weiß auch, dass Zögern in solchen Konstellationen historisch und strukturell oft dazu beigetragen hat, dass Betroffenen nicht geglaubt oder ihnen nicht ausreichend Schutz gewährt wurde.

Und trotzdem: Ich konnte nicht anders. Ich brauchte Zeit. Aus der besonderen Situation heraus, auf zwei Ebenen berührt zu sein. Diese beiden Ebenen – eine öffentliche und eine persönliche – stehen für mich nicht in Konkurrenz. Sie existieren gleichzeitig. Und genau diese Gleichzeitigkeit ließ sich für mich nicht in eine schnelle, eindeutige Position übersetzen, ohne dass etwas Wesentliches verloren gegangen wäre.

Vielleicht gibt es eine Ahnung davon, was es bedeutet, wenn sich solche Abgründe im engen Freundeskreis auftun. Wie besonders der Schock gerade dort ist. Ich will diese Ambiguität nicht romantisieren: Sie kann Erkenntnis ermöglichen, aber auch Verantwortung verschieben, Entscheidungen verzögern und bestehende Machtverhältnisse stabilisieren. So notwendig Ambiguität für emanzipatorische Bewegungen ist, darf sie keine moralische Entlastung werden. Ihre Stärke liegt nicht im Ausweichen vor Entscheidungen, sondern in der Fähigkeit, Komplexität auszuhalten, ohne daraus Unverbindlichkeit zu machen.

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Ich versuche, mich genau in dieser Spannung zu verorten: nicht zwischen Positionen, sondern innerhalb einer Verantwortung, die Klarheit verlangt – und Selbstkritik. Das heißt auch, die eigene Perspektive nicht als abgeschlossen zu begreifen, sondern ihre blinden Flecken mitzudenken.

Das ist keine abschließende Antwort. Aber ich sehe klarer, dass mein Zögern – und das Ausbleiben einer rechtzeitigen Position – selbst bereits eine Position ist. Mit realen Folgen. Und ich versuche, mich diesen Folgen nicht nur gedanklich, sondern auch praktisch zu stellen.“

Durchwachsene Reaktionen auf das Statement

Bis zum Abend hatte Yardım für sein Statement bereits fast 5.000 Reaktionen erhalten. Die Kommentare sind, milde formuliert, durchwachsen. Manche loben ihn für seinen Mut, andere unterstellen ihm, er habe den Text von einer KI schreiben lassen – wegen der vielen Worthülsen. „Formulierungen wie ‘emanzipatorische Bewegungen’, ‘normative Haltung’ oder ‘strukturelle Veränderung’ sind Standardbausteine moderner Sprachmodelle. Wenn man einer KI sagt: ‘Schreibe eine kritische Stellungnahme im Stil eines Soziologiestudenten’, käme exakt das dabei heraus“, behauptet ein Follower

Schauspielerin Rosalie Thomass schreibt mit Bezug auf Ulmen: „Wenn die öffentliche und die persönliche Ebene für dich nicht in Konkurrenz stehen, dann könntest du ihn doch mal freundschaftlich bitten, dass er wenigstens die Namen der Abnehmer seiner Produkte öffentlich macht. Damit wir uns vor denen schützen können. So im Sinne von ‘einer Verantwortung, die Klarheit verlangt’. Mille Grazie“.

KI-Vorwürfe

Schauspieler Steffen Groth: „Das klingt für mich generisch, kryptisch und unpersönlich. Eher nach ChatGPT als nach deiner Meinung. Ich kann Null greifen, was Deine tatsächliche Haltung ist. Sorry, aber da wäre für mich schweigen doch besser gewesen…“

Autorin Leonie Lutz: „Mein erster Implus: ENDLICH! Dann lese ich: Schachtel-Sätze, Begriffe wie Ambiguität, normativ, historisch, emanzipatorisch usw. Dieses Statement ist so kryptisch formuliert. Und hinterlässt beim Lesen ein: SCHADE. Ich kann nur Vermutungen anstellen: Als Freund willst du vielleicht trotz der Abgründe, die dir nun bewusst sein mögen, deinem Freund beistehen, auch wenn er mutmaßlich kriminell, straffällig oder unmoralisch gehandelt haben soll. Als Person des öffentlichen Lebens kommt dir aber auch eine andere Rolle zu, der du hier gerecht werden wolltest. Du hättest schreiben können: „FUCK, damit habe ich nicht gerechnet. Ich brauche Zeit und Gespräche, um das alles zu verstehen!“ Das wäre menschlich und verständlich gewesen.“

Beistand dagegen kommt von Cathy Hummels: „Ich glaube es ist generell schwer zu verstehen, wie man jemandem so was a tun kann … Ich finde deine Worte sehr gut 🩵“