Falsches Spiel mit Roger Rabbit: Noch immer der Gold-Standard der 2D-Animation


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In den 80er-Jahren musste sich die Walt Disney Company nach einigen Flops, die in ihre „Dark Age“ genannte Phase fallen, Sorgen um eine Firmenübernahme machen. Roy E. Disney, ein Neffe von Walt, übernahm die Kontrolle, und der neue Geschäftsführer, Michael Eisner, musste liefern. Mit dieser Geschichte eines mordverdächtigen Cartoon-Hasen, der im Hollywood von 1947 mithilfe eines Detektivs (Bob Hoskins) seinen Namen reinwaschen will, brachten sie den Konzern zurück auf Erfolgsspur. Es gab vier Oscars und das weltweit höchste Einspielergebnis von 1988, dazu das Revival von DisneyFiguren des „Goldenen Zeitalters“, wie Dumbo, die Cameos erhielten.

„Roger Rabbit“ ist gut gealtert, gerade weil sich seine Technik seitdem nicht weiterentwickelt hat. Der Comedy-noir-Thriller bot das überzeugendste Zusammenspiel von Mensch und Zeichentrickfigur seit „Elliot, das Schmunzelmonster“ von 1977 und hat keinen ebenbürtigen Nachfolger. Wenig später sollte die Pixar-Schmiede mit „Toy Story“ die Computeranimations-Ära einläuten, die klassische Animation zunehmend obsolet machte. „Rabbit“ wurde damit unmodern, bleibt aber für 2-D-Anhänger der Maßstab. Regisseur Robert Zemeckis wiederum fand Interesse an neuerer Technik und wagte sich mit Filmen wie dem holprigen „Polarexpress“ ans inzwischen gängige Motion-Capture-Verfahren.

Die Story könnte von heute sein: Der Bösewicht Judge Doom (Christopher Lloyd) will die Cartoonstadt Toontown platt walzen lassen, damit ein weiterer dieser endlosen Los-Angeles-Highways gebaut werden kann – von öffentlichen, weniger umweltschädlichen Verkehrsmitteln hält er nichts. Dazu erfüllt „Rabbit“ den Comic-Geek-Traum, in dem Mash-ups das Allerschönste sind: Disney-Figuren wie Donald Duck liefern sich Pianistenduelle mit WarnerBros.-Helden wie Duffy Duck. Die konkurrierenden Zeichentrickstudios spürten ihren Bedeutungsschwund und hielten zusammen.
(Blu-ray, Disney, ab 2.12.)